Lesbarkeitsanalyse der 50 meistverschriebenen Medikamente in Deutschland
Aktualisiert am 07.10.2026
Packungsbeilagen sollen Patienten über die sichere Anwendung von Medikamenten informieren. Doch wie verständlich sind diese Informationen tatsächlich? Um dieser Frage nachzugehen, haben wir die Packungsbeilagen der 50 meistverschriebenen Medikamente in Deutschland untersucht. Grundlage der Analyse ist der Lesbarkeitsindex (LIX), der anhand der durchschnittlichen Satzlänge und des Anteils langer Wörter die Verständlichkeit eines Textes bewertet.
Das Ergebnis zeigt: Mit einem durchschnittlichen LIX-Wert von 56,12 bewegen sich die untersuchten Packungsbeilagen auf dem Niveau anspruchsvoller Sachliteratur. 84 Prozent der Beipackzettel gelten als schwer verständlich (LIX 50–60), weitere 12 Prozent sogar als sehr schwer verständlich (LIX über 60). Nur vier Prozent erreichen überhaupt den Bereich mittelschwer lesbarer Texte. Eine wirklich leicht verständliche Packungsbeilage findet sich unter den untersuchten Medikamenten nicht.
Sachliteratur statt Patienteninformation
Die Auswertung macht deutlich, dass die Verständlichkeit der Packungsbeilagen stark variiert. Während einzelne Texte noch im Bereich mittelschwer lesbarer Sprache liegen, erreichen viele einen Lesbarkeitsgrad, der für medizinische Laien eine erhebliche Hürde darstellt.
An der Spitze der komplizierten Packungsbeilagen liegt ein Gerinnungshemmer zur Schlaganfallprophylaxe bei Vorhofflimmern mit einem LIX-Wert von 63,2. Fast die Hälfte der verwendeten Wörter (39,1 Prozent) sind lang und die durchschnittliche Satzlänge fällt mit 24,5 Wörtern vergleichsweise hoch aus. Auf dem zweiten Platz folgt ein Schmerzmittel auf Ibuprofen-Basis (62,8), knapp gefolgt von einem Medikament gegen Typ-2-Diabetes (62,1). Platz vier belegt ein Betablocker zur Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, ebenfalls mit einem LIX-Wert von 62,1, Platz fünf ein Blutdrucksenker (61,6).
Diese Ergebnisse machen deutlich: Auch häufig verschriebene und weit verbreitete Medikamente kommen mit Packungsbeilagen daher, die sprachlich weit entfernt von einem patientennahen Informationsstil sind.
Nur zwei Packungsbeilagen erreichen den mittleren Lesbarkeitsbereich
Von den 50 untersuchten Packungsbeilagen erreichen lediglich zwei einen Lesbarkeitsindex unter 50 und gelten damit als mittelschwer verständlich. Eine wirklich leicht verständliche Packungsbeilage (LIX unter 40) findet sich unter den analysierten Medikamenten nicht.
Leserfreundlicher ist die Packungsbeilage eines Cholesterinsenkers mit einem LIX-Wert von 40,9. Die 2.984 Wörter verteilen sich auf 167 Sätze, was einer durchschnittlichen Satzlänge von 17,87 Wörtern entspricht. Der Anteil langer Wörter liegt bei 40,9 Prozent.
Ebenfalls vergleichsweise gut verständlich ist die Packungsbeilage eines Schilddrüsenhormonpräparats. Sie erreicht einen LIX-Wert von 44,1. Bei 3.425 Wörtern, verteilt auf 195 Sätze, beträgt die durchschnittliche Satzlänge 17,56 Wörter, der Anteil langer Wörter liegt bei 44,1 Prozent.
Die Ergebnisse zeigen insgesamt, dass verständlich formulierte Packungsbeilagen weiterhin die Ausnahme sind. 84 Prozent der untersuchten Beipackzettel gelten als schwer verständlich, weitere zwölf Prozent sogar als sehr schwer verständlich. Nur vier Prozent erreichen überhaupt den mittleren Lesbarkeitsbereich. Gerade für ältere Menschen, Menschen mit geringeren Deutschkenntnissen oder eingeschränkter Lesekompetenz kann dies eine erhebliche Hürde beim Verständnis wichtiger Informationen zur Arzneimittelanwendung darstellen.
Die Wortanzahl im Vergleich
Neben der Lesbarkeit wurde auch die Länge der Packungsbeilagen berücksichtigt. Die analysierten Packungsbeilagen umfassen im Schnitt 3.267 Wörter. Die Beilage des eingangs genannten Gerinnungshemmers führt mit 14.333 Wörtern die Liste an, gefolgt von dem Diabetes-Medikament mit 13.608 Wörtern und einem weiteren Blutdrucksenker mit 7.271 Wörtern. Im Gegensatz dazu umfassen die kürzesten Packungsbeilagen nur 1.600 bis 1.900 Wörter, darunter die eines Kalziumantagonisten gegen Bluthochdruck (1.646 Wörter), eines Diuretikums (1.695 Wörter) und eines weiteren Kalziumantagonisten (1.873).
Ein hoher Textumfang kann Patienten schnell überfordern, insbesondere wenn gleichzeitig eine komplexe Sprache verwendet wird.