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Wie kann ich Aphthen im Mund behandeln?

Von Martin Schulze, Apotheker bei mycare.de
Aktualisiert: 08.02.2021

Wie kann ich Aphthen im Mund behandeln?

Aphthen – klein und schmerzhaft

Entzündungen im Mund sind in der Regel unangenehm. Eine Form sind Aphthen. Sie gehören zu den häufigsten Erkrankungen im Mund- und Rachenraum. Es sind kleine und unter anderem schmerzhafte Defekte der Mundschleimhaut (Ulzeration). Sie bilden sich häufig am Zahnfleisch, an der Innenseite der Lippen, auf der Zunge und sogar am Gaumen aus. Selten ist auch der Genitalbereich befallen.

Diese Geschwüre oder Bläschen im Mund treten plötzlich auf und meist kündigen sie sich mit einem Brennen und Kribbeln an. Danach folgen die schmerzhafte Rötung und der gelb-weißliche Belag, ein typisches Erscheinungsbild. Aphthen entstehen aus dem Inneren des Körpers. Eine eindeutige Ursache konnte bislang trotz vielfältiger Forschung nicht zugeordnet werden. Aphthen sind Schleimhautschäden und gelten deshalb als nicht ansteckend, davon ausgenommen sind Aphthen, die zum Beispiel infolge einer Herpes simplex Infektion entstehen. Beim Großteil der Betroffenen handelt es sich jedoch um harmlose, aber schmerzhafte Defekte und heilen innerhalb von 1 bis 3 Wochen von selbst wieder ab. Beim Sprechen, Essen und Trinken, je nachdem an welcher Stelle im Mund sie sich lokalisieren und wie groß sie sind, können sie den Alltag sehr beeinträchtigen.

Im Wesentlichen unterscheidet man in 3 verschiedene Formen:

Minor – Typ

Auch bezeichnet als Mikulicz-Aphthen, sind sie etwa linsengroß, meist 2 bis 5 Millimeter, maximal aber 10 Millimeter im Durchmesser und verursachen mehr eine oberflächliche Schädigung der Schleimhaut. Oftmals bilden sich gleichzeitig bis zu vier Aphthen aus. Dieser Typ ist die häufigste Form der schmerzhaften Bläschen und heilt in der Regel in 7 bis 10 Tagen ohne Narben zu hinterlassen wieder ab. Bei etwa 80 Prozent der Betroffenen tritt diese Variante auf.

Major – Typ

Ebenso unter dem Begriff Sutton-Aphthen bekannt, tritt diese Form deutlich seltener auf. Hier kann die Größe der 1 bis 2 gleichzeitig vorhandenen Läsionen bis zu 3 Zentimeter betragen. Dabei werden tiefere Gewebe geschädigt. Man kann diese nicht nur sehen, sondern auch spüren, denn bei Berühren mit der Zunge ist eine Erhebung zu ertasten. Bei dieser Variante kann es bei der Abheilung jedoch zu einer Narbenbildung kommen, wobei die Heilungszeit mehrere Wochen bis zu 3 Monaten dauert.

Herpetiforme Aphthen

In der Fachliteratur auch Stomatitis herpetiformis genannt, zeichnet sich diese Form durch eine Vielzahl von kleinen flachen Ulzerationen aus, meist 50 bis 100 gleichzeitig. Sie treten vor allem auf der Lippeninnenseite und am Zungenrand auf. Ihre Größe beträgt etwa 1 bis 2 Millimeter im Durchmesser. Aufgrund ihres Erscheinungsbildes ähneln sie Herpes-Bläschen. Entgegen der sehr ansteckenden Stomatitis, einer viral bedingten Entzündung der Mundschleimhaut, entstehen Herpetiformen Aphthen nicht durch Viren und sind daher auch nicht ansteckend. Aphthen können sowohl nur einmalig auftreten, als auch mehrmals im Jahr wiederkehren (rezidivierende Aphthose). Bei rund 2 bis 10 Prozent der Bevölkerung entsteht, meist erstmalig nach dem 20. Lebensjahr diese Erkrankung, wobei allgemein Frauen häufiger betroffen sein sollen als Männer.

Ursachen

Wodurch Aphthen entstehen, ist derzeit noch nicht geklärt. Sehr selten entstehen Aphthen infolge einer Herpes simplex Infektion, die sogar nach jahrelangen Ruhephasen wiederholt auftreten können und akut ansteckend sind. Meistens begünstigen aber harmlose Faktoren die Entstehung dieser Läsionen. Dazu zählen unter anderem mechanische Reize durch zu harte Zahnbürsten, Prothesen oder Zahnspangen, die nicht vernünftig sitzen. Durch Reibung können dann Verletzungen entstehen. In Verdacht steht auch der in Zahnpasten verwendete Stoff Natriumlaurylsulfat.

Ebenso sind Nahrungsmittelunverträglichkeiten, wie Zöliakie, und Nährstoffmangel infolge von Darmerkrankungen mögliche Ursachen für die Entstehung der Bläschen. Auch Stress, hormonelle Schwankungen und ein geschwächtes Immunsystem begünstigen dessen Auftreten. Auch ein Eisen- oder Vitamin-B12-Mangel wurde als mögliche Ursache schon beobachtet und diskutiert. Ein eindeutiger Zusammenhang konnte aber auch hier bisher nicht dargestellt werden.

Welche Symptome sind möglich?

Bei allen Varianten dieser Bläschen treten meist Schmerzen auf. Wie stark diese sein können, hängt von der Form und der Stelle im Mundraum ab. Oft entstehen Schmerzen beim Zähne putzen, Trinken, Essen und teilweise auch beim Sprechen. Anzeichen für die Entstehung können bereits ein Brennen oder Kribbeln sein. Ein Ausbruch lässt sich in verschiedene Stadien des Verlaufs unterteilen:

  1. Prodromalstadium: Es treten leichte Symptome, wie Spannungsgefühl, Kribbeln und Brennen. Zudem fühlt es sich an der Stelle rau an. Diese Anzeichen können in etwa 24 Stunden andauern.
  2. Präulzeröse Phase: Die betroffene Stelle rötet sich (inflammatorisches Erythem) und es bilden sich Knötchen (indurierte Papel). Diese Phase dauert rund 1 bis 3 Tage an.
  3. Ulzeratives Stadium: Hier zeigt sich das typische gelblich-weiße Aussehen mit dem geröteten Rand. Der Schleimhautdefekt ist mit Fibrin, einem körpereigenen Stoff und verantwortlich für die Farbe, belegt. Je nach Aphthenform besteht dieses Stadium für 1 bis 16 Tage.
  4. Abheilungsphase: Es können sich bei der Major-Form Narben bilden. Bei der häufigeren Minor-Variante bleiben in der Regel keine Narben zurück. Hier beträgt die Dauer in etwa 4 bis 30 Tage.

Behandlung

In den meisten Fällen heilen die schmerzhaften Läsionen von selbst ab, jedoch ist eine symptomatische Behandlung durchaus sinnvoll, um die Beschwerden zu lindern.

Lokalanästhetika:

Zur Linderung von Schmerzen eignen sich Präparate zur lokalen Anwendung mit Lidocain, Benzocain oder Polidocanol. Sie betäuben den Schmerz lokal und stehen als Salben, Gele, Pasten sowie Lösungen zur Verfügung. Sie können direkt mit einem Wattestäbchen auf die Läsionen aufgetragen werden. Die Anwendung solcher Medikamente sollte vor den Mahlzeiten erfolgen. Eine Auswahl:

Pflanzliche Tinkturen:

Auszüge und Extrakte aus Kamillenblüten, Myrrhe, Rhabarberwurzel, oder Salbeiblättern haben eine entzündungshemmende, adstringierende oder heilungsfördernde Wirkung. Sie können ebenfalls mit einem Wattestäbchen aufgetragen werden. Hier eignet sich insbesondere Pyralvex Lösung. Die Anwendung erfolgt 3-mal täglich, am besten nach einer Mahlzeit und dem Zähneputzen. Sie können ebenso Salbeiblätter- oder Kamillenblütentee aufkochen und den Mund, nach dem Abkühlen, damit spülen.

Antiseptische Mundspülungen:

Am besten ohne Alkohol reduzieren Mundspüllösungen mit den Wirkstoffen Chlorhexedin oder Benzydamin das Risiko einer Infektion oder überhaupt, dass sich Keime an der betroffenen Stelle im Mund ansammeln. Zudem wirken die Lösungen schmerzlindernd.

Beschwerden können genauso durch das Abdecken der betroffenen Bereiche gemildert werden. Hier eignen sich Präparate mit Hyaluronsäure, auch in verschiedenen Darreichungsformen von Bloxaphte.

Vorbeugend handeln

Die beste Vorbeugung ist das Meiden von Faktoren, die eine Entstehung fördern. Daher ist es durchaus wichtig sich ausgewogen und abwechslungsreich zu ernähren. Hierbei gilt es zu beachten Lebensmittel, die Unverträglichkeiten hervorrufen, zu meiden. Auch auf scharfe und saure Nahrungsmittel sollte verzichtet werden.

Die gründliche Zahn- und Mundhygiene ist vorbeugend aber auch während eines Auftretens von Aphthen ein wichtiger Faktor. Durch regelmäßiges Zähneputzen und Spülen kann eine Ansiedlung von Keimen verhindert werden. Wählen Sie eine für Sie verträgliche Zahnpasta. Bei schlecht sitzenden Zahnspangen und Zahnersatz ist ein Zahnarztbesuch notwendig, um dadurch verursachte mechanische Reize an Zahnfleisch und Schleimhaut zu beheben.

Unterstützende Maßnahmen:

Nehmen Sie keine Nahrungsmittel zu sich, die die Schmerzen verstärken oder die Mundschleimhaut zusätzlich reizen können. Zu solchen Lebensmitteln gehören zum Beispiel scharfe Gewürze, Zitrusfrüchte und auch Alkohol.

Damit sich keine Keime an den Aphthen ansiedeln ist auf eine gründliche Mundhygiene zu achten, was beinhaltet sich regelmäßig die Zähne zu putzen und mit antiseptischen Mundspülungen den Rachen- und Mundraum zu spülen.

Wann ist der Arztbesuch notwendig?

Bei Erstauftreten dieses Krankheitsbildes sollte ein Arzt konsultiert werden, insbesondere bei Unsicherheit. Dieser stellt anhand der Symptome, Krankengeschichte und Untersuchung der Mundhöhle fest, ob es Aphthen sind und kann eine Therapie vorgeben.

Sollten die Beschwerden immer wiederkehren, sehr starke Schmerzen verursachen, nicht von selbst abheilen oder es kommen weitere Symptome wie Fieber hinzu ist es ebenfalls ratsam einen Arzt aufzusuchen. Es wird untersucht, welche Ursachen verantwortlich sind.

Aphthen können genauso auch ein Symptom sein. Sie können ein Indiz für chronisch-entzündliche Magen-Darm-Erkrankungen, wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa oder hämatologische Erkrankungen sein. Dies trifft auch zu, wenn ein Mangel an Mikronährstoffen, wie Eisen, die Vitamine B1, B2, B6, B12 oder Folsäure vorliegt und Auslöser ist.

Autor Apotheker Martin Schulze

Über unseren Autor:

Martin Schulze | Leitung Versandapotheke
Seit über 10 Jahren bin ich Apotheker bei mycare.de. Ich versorge, berate und informiere über Arzneimittel, Medizinprodukte und apothekenübliche Produkte. Dazu gehören auch Leistungen im Rahmen der Gesundheitsförderung und der Vorbeugung von Krankheiten.

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Martina, Marketing bei mycare.de

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