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Was ist das E-Rezept?

Von Christian Buse, Apotheker bei mycare.de
Aktualisiert: 11.11.2021

E-Rezept auf dem Smartphone

Bislang kommt das Rezept als rosa Zettel vom Arzt – dies soll sich Anfang 2022 ändern: Ab dann wird das elektronische Rezept Pflicht, bis Ende Juni 2022 sollen alle Arztpraxen auf das E-Rezept umgerüstet haben. Dieses E-Rezept kann mittels QR-Code direkt auf das Handy in die entsprechende E-Rezept-App der Gematik geladen oder per Ausdruck vom Arzt mitgenommen werden. Mit diesem QR-Code können Sie das E-Rezept bei allen (Online-)Apotheken einlösen.

Kurz und knapp erklärt:

  • Die Arzneimittel werden vom Arzt verschrieben.
  • Das Rezept wird digital gespeichert.
  • Der Arzt hinterlegt das E-Rezept auf einem zentralen, gesicherten Server.
  • Der Patient erhält einen QR-Code, entweder digital oder gedruckt.
  • Jeder QR-Code hat eine individuelle Verschlüsselung.
  • Die Apotheke ruft das E-Rezept ab oder scannt den QR-Code ein und kann das Medikament an den Patienten ausgeben/verschicken.
  • Alternativ wird das Rezept über eine spezielle App bei der gewünschten (Online-)Apotheke eingelöst.

Wann kommt das E-Rezept?

Ab dem 01.01.2022 wird das E-Rezept für alle gesetzlich Versicherten und alle Vertragsärzte verpflichtend. Nach einer Übergangszeit sollen die rosa Rezepte spätestens Ende Juni 2022 nicht mehr ausgestellt werden. Mittlerweile läuft ein Modellversuch in der Region Berlin/Brandenburg. Die Erkenntnisse aus der Testphase fließen in die weitere Entwicklung des E-Rezepts ein, damit die bundesweite Umstellung so reibungslos wie möglich stattfinden kann.


Welche Vorteile hat das E-Rezept?

  • Umweltfreundlich durch das Einsparen großer Papiermengen.
  • Keine Fehler durch Unkenntlichkeit und kein zerknittern oder verloren gehen des Rezeptes.
  • Weg und Zeit zur Apotheke gespart oder einfacher Transfer zur Online-Apotheke.
  • Mobil eingeschränkte Personen können das Rezept online einlösen und sich zuschicken lassen.
  • Bessere Arzneimittelversorgung auf dem Land, in abgelegenen Orten und außerhalb üblicher Praxisöffnungszeiten.
  • Bei Online-Sprechstunden können rezeptpflichtige Medikamente verschrieben werden.
  • Weniger Fälschungen.
Vorteile des E-Rezeptes im Überblick

Wie soll das E-Rezept aussehen?

Wird künftig ein Medikament verschrieben, erhält der Patient das E-Rezept in digitaler Form über eine spezielle App. Diese App kann sich jeder Bürger auf das Smartphone laden. In der Übergangsphase wird der Patient zudem die Möglichkeit haben, das E-Rezept als Ausdruck mit dem entsprechenden Code vom Arzt zu bekommen. Mit diesem Code kann das Rezept anschließend in einer beliebigen (Online-)Apotheke eingelöst werden. Die App wird künftig weitere Funktionen mitbringen. So hat man die Möglichkeit, wichtige Infos über das Arzneimittel zu erhalten. Das sind zum Beispiel Hinweise dazu, wann und wie es eingenommen werden soll oder bei der Einnahme zu beachten ist. Auch der Beipackzettel wird dort noch einmal verfügbar sein. Wurde der Zettel und die Umverpackung versehentlich entsorgt, kann der Patient jederzeit über die App auf die wichtigsten Informationen zugreifen.

Für Dritte (z.B. bei der Pflege von Angehörigen) lassen sich Rezepte ebenfalls in die eigene App überführen, digital einsehen und neue Rezepte, zum Beispiel vom eigenen Kind, einscannen. Ein eingelöstes Rezept wird entsprechend gekennzeichnet. So ist sofort erkennbar ob es schon eingelöst wurde oder nicht. Beim Einlösen kann man auch auswählen, in welcher Apotheke man es bestellen möchte und abfragen ob die Produkte dort verfügbar sind. Durch eine in der App verfügbare Standortkarte, kann der Patient immer sehen, wo sich welche Apotheke befindet – inklusive der Entfernung. Der Bundesgesundheitsminister Jens Spahn setzt sich in Deutschland für eine Schritt für Schritt Einführung des digitalen Rezeptes ein. „Erst das elektronische Rezept macht Telemedizin zu einem Erfolgsprojekt.“, heißt es von Spahn. Die ersten Anforderungen an das digitale Rezept wurden bereits von der ABDA* (Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände) festgelegt.

Token

Der sogenannte Token berechtigt den Inhaber/die Inhaberin zur Einlösung des E-Rezeptes in einer Apotheke. Über diesen Zugangscode kann auf das richtige E-Rezept zugegriffen werden, beziehungsweise auf die verordneten Daten. Die elektronische Verordnung soll weiterhin druckbar sein. Das resultiert daraus, dass nicht jeder im Besitz eines Smartphones ist und evtl. nicht jede Krankenversichertenkarte in der Lage sein wird, sich in der vorgesehenen App zu registrieren. Um sich in der App auf dem Handy mit der Karte zu registrieren, muss beides auch mit einem Chip für NFC-Technologie ausgestattet sein. Diese Technologie kommt beispielsweise beim kontaktlosen Bezahlen zum Einsatz. Einen Entwurf, wie der Token aussehen soll, gibt es schon und somit auch einige Vorschriften.

Sicherheit des Token und E-Rezeptes

Die ABDA setzt sich aus verschiedenen Sicherheitsaspekten für ein Makelverbot ein. Durch das Makelverbot wird den Patienten garantiert, dass sie weiterhin mit ihrer Verordnung zu ihrer Apotheke des Vertrauens gehen können und keine zugewiesen bekommen. Die Token und somit das E-Rezepte werden keinesfalls die TI (Telematik Infrastruktur) verlassen. Nur in der App des jeweiligen Betreibers sind die E-Rezepte gültig und werden dort gespeichert. Patienten sollen nur über eine vorgeschriebene kostenlose App auf das E-Rezept zugreifen können. Da der Gesetzgeber selbst nicht die Web-App nutzt, könnte die App der Gematik die „offizielle“ E-Rezept App zum Start des freiwilligen E-Rezeptes sein. Der Server auf dem die E-Rezepte gesichert sind, steht in Deutschland. Kliniken, Ärzte und Apotheker benötigen zur Bearbeitung der E-Rezepte staatlich zertifizierte Sicherheits-Hardware sowie einen elektronischen Ausweis.

Die aktuellen Vorschriften, wie der Ausdruck aussehen soll, sind folgende:

  • E-Rezept kann jeweils nur 1 verordnetes Arzneimittel enthalten
  • Ausdruck muss Daten von bis zu 3 E-Rezepten für einen Versicherten enthalten
  • Bis zu 3 QR-Codes für die einzelnen Verordnungen und 1 weiterer als Sammelcode für alle
  • Einzelcodes: Quadrat mit 2,8 cm Kantenlänge
  • Sammelcode: Quadrat mit 5 cm Kantenlänge
  • Codes außerhalb der Faltlinie um Beschädigungen zu vermeiden
  • In DIN A5 oder DIN A4 ausdrucken
  • Name, Geburtsdatum des Versicherten
  • Name, Telefonnummer des Arztes
  • Ausstellungsdatum
  • Ausdruck standardmäßig in 12-Punkt-Schrift; längere Texte in mind. 10-Punkt-Schrift
  • Wichtigste Angaben zu den verordneten Arzneimitteln

Im Normalfall bestehen die Angaben zu den verordneten Arzneimitteln aus der Handelsnummer, der PZN, der Anzahl der Packungen, einer zusätzlichen Angabe sollten andere Produkte mit demselben Wirkstoff verschrieben worden sein und gegebenenfalls einer Info über eine Mehrfachverordnung. Bei Wirkstoffverordnungen müssen der Wirkstoff, die Stärke, Einheit, Anzahl der Packungen, den Hinweis „Rezeptur“, den Rezepturname, bei Freitextverordnungen der Freitext und in beiden Fällen gegebenenfalls der Hinweis über Mehrfachverordnungen.

 

Musterbild des E-Rezept Ausdrucks

Wer kann das E-Rezept nutzen?

Genutzt werden kann das E-Rezept von gesetzlich Krankenversicherten, jedoch noch nicht von Privatkrankenversicherten. Um Privatrezepte in das Verordnungssystem einzubinden, gibt es weder eine gesetzliche Grundlage noch eine bereits erarbeitete technische Infrastruktur. Zudem ist in Apotheken der Prozess weitestgehend ungeklärt. Wie sollen Apotheker die Arzneimittelabgabe bei Privatpatienten quittieren ohne dass ein (blaues) Rezept vorliegt, welches die Privatkrankenversicherten (PKV) zur Abrechnung bei ihrer Versicherung benötigen?

Sämtliche in den letzten Jahren beschlossene gesetzliche Vorgaben zur E-Rezept-Einführung sind nur auf den Gesetzlich krankenversicherten (GKV) Bereich ausgelegt. Seit Sommer 2020 sind die Spezifikationen der Gematik für das E-Rezept im GKV-Bereich schon fertiggestellt. An den technischen Vorgaben für ein digitales blaues Rezept wird noch gearbeitet. Fest steht aber schon dass der Weg des E-Rezeptes aus der Arztpraxis in die Apotheke nahezu identisch mit dem zum GKV-E-Rezept sein soll. Nach der Abgabe in einer Apotheke sollen PKV-Patienten keine Papierrezepte mehr an ihre Versicherung schicken müssen. Stattdessen würde man hier auch digital abrechnen.

Der derzeitige Stand ist, dass Abrechnungsinformationen als Rechnung ausgedruckt oder mit Einwilligung des Versicherten im Fachdienst E-Rezept gespeichert werden können. Selbstzahler in der GKV sind von dieser Regelungslücke allerdings nicht betroffen, da diese Patientengruppe schon ab dem 1. Juli mit in das Modellprojekt eingebunden wird.

Trotz der Pläne fehlen noch wichtige Schnittstellen, gerade im Bereich der Abrechnungen. Auch wenn es fehlende Schnittstellen und weitere Herausforderungen gibt, gibt der Plan vor, dass PKV-Patienten das E-Rezept zum bundesweiten Start nutzen können. Der Deutsche Apothekerverband (DAV) hat in den vergangenen Jahren bereits einige Verträge mit einzelnen PKV-Unternehmen abgeschlossen, welche eine digitale Direktabrechnung zwischen Apotheken und Versicherungsunternehmen vorsehen. Daher sei denkbar, dass ungefähre Abrechnungsstrukturen bundesweit auch für das E-Rezept und somit für alle PKV-Versicherten, genutzt werden.


Gedanken von ABDA und Apotheker

Die ABDA und die Apotheker machen sich Gedanken, dass Plattformbetreiber die Rezepte sammeln können und für die Weiterleitung an Apotheken Gebühren verlangen. Deshalb möchte die ABDA dass der Token ausdrücklich im Makelverbot erwähnt und alle Regelungen übertragen werden. Apotheker sowie die ABDA sehen auch keine Notwendigkeit darin, die Verordnungen an Dritte weiterzugeben, da ergänzende Angebote für Versicherte nur auf Grundlage ihrer abgegebenen Daten denkbar sei und sonst nicht. Außerdem muss noch geklärt werden, ob die Regelungen auch für ausländische Versender gilt und wie es sich mit den sozialrechtlichen Regelungen auf Privatrezepten verhält. Nur eine umfassende Regelung würde den gewünschten Zweck erfüllen.

Wird das E-Rezept schon genutzt?

Bisher können Patienten die digitale Version eines Rezeptes in Deutschland noch nicht nutzen. Dies wird erst mit Einführung des E-Rezeptes und der dazugehörigen Telematik-Infrastruktur möglich sein. In anderen Ländern gibt es allerdings bereits erfolgreich digitalisierte Projekte. Zudem gibt es in Deutschland bereits Testprojekte. So zum Beispiel in zwei Regionen im Süden Deutschlands. Dort wurde von Apothekern ein Projekt namens GERDA (Geschützter E-Rezept Dienst in Apotheken) getestet. Ebenfalls hat die Techniker Krankenkasse (TK) in Hamburg eine weitere Version als Testballon eingeführt.

Testprojekt der TK in Deutschland.

Das Rezept wird elektronisch verschrieben und auf der Cloud gespeichert. Der Arzt signiert die Datei digital. Ein QR-Code wird ausgedruckt oder auf das Smartphone des Patienten gesendet. Eine Bilddatei des Rezeptes wird auf das Patienten-Handy gesendet, damit dieser es sich ansehen kann. Das Bild ist mit dem Schriftzug „Kontrollansicht“ gekennzeichnet, um Ausdrucken und mehrmaliges Einlösen zu verhindern. Am Test beteiligte Vor-Ort-Apotheken können den QR-Code scannen. Das Rezept wird auf einem Computer angezeigt und Apotheker können die Arzneimittel zusammenstellen. Die Daten werden aus der Cloud gelöscht, um ein einmaliges Einlösen zu garantieren.

Was bringen die Testprojekte für das E-Rezept?

Das E-Rezept in Dänemark

Mit der Zustimmung des Patienten wird das Rezept elektronisch verschrieben und in einer Cloud gespeichert. Die Gesundheitsdaten sind für Apotheken, Ärzte und in Behandlung involvierte Angehörige abrufbar. Eine Apotheke reserviert sich dieses Rezept und bearbeitet es. Wenn das Rsezept bearbeitet ist, werden die Medikamente zum Patienten versendet. Die Daten werden nach der Bearbeitung aus der Cloud gelöscht.


Die Cloud: Hilfreiche Wolke bei der Digitalisierung?

Die Vorteile einer Cloud

  • Schneller Austausch von Gesundheitsdaten durch die überwiegend elektronischen Abläufe.
  • Bessere Kommunikation unter Ärzten oder Apothekern in elektronischer Form.
  • Schnelle Rücksprache bei Unklarheiten möglich.
  • Alle Beteiligten greifen auf den gleichen Informationsstand zu.

Wird sich das E-Rezept in der Zukunft weiterentwickeln?

Aktuell befinden wir uns auf dem Weg zur elektronischen Patientenakte. In diesem Zusammenhang werden u.a. bestehende, analoge Medikationspläne digitalisiert. Bei Bedarf kann dann der verordnende Arzt den E-Medikationsplan einfach aktualisieren und die Medikation somit sichtbar für den Apotheker und den Patienten machen. Auch der Apotheker kann Hinweise hinzufügen und medikationsrelevante Angaben hinterlegen. Der letzte allumfassende Schritt wird dann die E-Patientenakte sein. Diese enthält den aktuellen Stand des Medikationsplans in einer strukturierten Form sowie sämtliche gesundheitsrelevante Patienteninformationen. Die E-Patientenakte wird später die Basis für ein integriertes Medikationsmanagement und kann auch in Online-Sprechstunden zur Diagnose und Beratung herangezogen werden. Zudem wird durch die E-Patientenakte die Kommunikation verschiedener Ärzte erleichtert, da Daten und wichtige Informationen schneller und leichter ausgetauscht werden können.

Was sind Online-Sprechstunden?

Bei der Online-Sprechstunde werden die Symptome vom Patienten erklärt und der Arzt berät ihn online. In unklaren Fällen wird auf einen normalen Arztbesuch verwiesen. Die rezeptpflichtigen Arzneimittel können als E-Rezept verschickt werden. Das Rezept kann zu einer Apotheke gebracht oder per Gesundheits-App eingelöst werden. Jens Spahn arbeitet weiterhin an seinem Ziel das elektronische Rezept Schritt für Schritt in Deutschland einzuführen. Rezepte sollen und werden in Zukunft nur noch digital einlösbar sein. Deshalb arbeiten auch wir bei mycare.de an einer Umsetzung. Melden Sie sich zu unserem kostenlosen Newsletter an. Darüber informieren wir Sie über die Neuerungen sowie die Einführung des E-Rezeptes.

Rezepte einlösen bis zur Einführung vom E-Rezept

Natürlich können Sie bis zum Start des E-Rezeptes bei uns auch weiterhin Ihr klassisches Papier-Rezept einlösen. Unter dem folgenden Button „Papier-Rezept einlösen" erhalten Sie weitere Informationen darüber, wie Sie Ihr Rezept einlösen können.

Gut zu wissen

*Wer ist die ABDA?

Die ABDA ist die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände. Bevor ein neues Medikament auf den Markt kommt, muss es registriert werden. Um dies zu tun und in ein Register zu überführen, wird eine ausschließlich auf dieses Produkt zuordenbare Kennung benötigt. Diese Nummer wird bei Arzneimitteln Pharmazentralnummer (PZN) genannt und von der ABDA vergeben. Im Versandhandel ist die PZN in der Kurz-Beschreibung des Produktes zu finden oder auf der Verpackung des Medikaments.

Autorin Geschäftsführer Christian Buse

Über unseren Autor:

Christian Buse | Apotheker bei mycare.de
Ich bin Apotheker und Inhaber von mycare. Die Versandapotheke existiert bereits seit 20 Jahren und wir legen seit jeher großen Wert auf eine individuelle Beratung und eine hohe Qualität unserer pharmazeutischen Prozesse. Denn Ihre Gesundheit liegt uns am Herzen! Mehr erfahren

Janet, Apothekerin bei mycare.de

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