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Was jeder über Blasenentzündung wissen muss

Von Ulrike Wendt, Apothekerin bei mycare.de
Aktualisiert: 11.04.2022

Eine junge Frau leidet an einer Blasenentzündung.

Eine Blasenentzündung ist eine Infektion der Harnwege. Mediziner sprechen von einer Zystitis. Dabei sind die ableitenden Harnwege betroffen. Verursacht wird die Infektion durch Bakterien. In den seltenen Fällen sind Viren, Parasiten oder Pilze beteiligt. Begünstigt wird der Harnwegsinfekt durch eine Verkühlung oder ein geschwächtes Immunsystem. Die Beschwerden treten meist ganz plötzlich auf. Neben häufigem Harndrang und Brennen gehören auch krampfartige Schmerzen beim Wasserlassen zu den typischen Symptomen einer Blasenentzündung.

Was löst eine Blasenentzündung aus?

Auslöser einer Blasenentzündung sind in den meisten Fällen Bakterien. Die Bakterien gelangen oft über Schmierinfektion vom After oder Stuhl in die Harnröhre. Wird nach dem Stuhlgang fälschlicherweise vom After in Richtung Vagina gesäubert, können Bakterien vom After in die Harnröhre und von dort in die Blase gelangen. Schmierinfektionen werden aber auch durch Geschlechtsverkehr verursacht. Nebenwirkungen bestimmter Medikamente oder eine Bestrahlungstherapie können ebenfalls eine Blasenentzündung verursachen. Typische Symptome sind Brennen beim Wasserlassen, starker Harndrang, häufiges Wasserlassen kleiner Mengen Urin, Schmerzen im Unterbauch oder trüber Urin.

Blasenentzündung oder doch eine andere Erkrankung?

Vor allem junge Frauen, Schwangere und Frauen in den Wechseljahren leiden vermehrt an der Bakterieninfektion. Bei Männern ist die Infektionskrankheit eher selten. Um die Blasenentzündung zu unterscheiden, müssen wir sie von symptomatisch ähnlichen Erkrankungen zunächst abgrenzen.

Die Reizblase

Die Reizblase ist keine Krankheit an sich, sondern ein Symptomkomplex, der ähnliche Symptome wie eine Blasenentzündung aufweist. Durch ein Verkrampfen der Blasenmuskulatur entsteht ein plötzlicher Harndrang. Welche genauen Ursachen zu einer Reizblase führen, ist nicht bekannt. Bei der Reizblase liegen im Gegensatz zu Erkrankungen des Harntraktes keine körperlichen Ursachen vor. Im Vordergrund steht bei dieser Erkrankung ein fast überfallartiger und häufiger Harndrang mit und ohne Urinabgang. Eine Reizblase kann grundsätzlich Frauen und Männer treffen. Auslöser können physische Belastungen, hormonelle Veränderungen, Kälte- und Nässereiz oder immer wiederkehrende Entzündungen der Blase sein.

Benigne Prostata-Hyperplasie (BPH)

BPH bezeichnet eine gutartige Prostata-Vergrößerung. Der Prozess beginnt etwa ab dem 40. Lebensjahr. Dabei wächst das Drüsengewebe der inneren Zone und engt die Harnröhre nach und nach immer stärker ein. Der Harn kann nicht mehr ungehindert abfließen. Die Harnblase kann auch bei großer Anstrengung nicht mehr vollständig entleert werden. Es verbleibt Restharn der langfristig zu Infektionen von Blase und ableitenden Harnwegen führt. Symptome sind häufiger Harndrang, vermehrtes nächtliches Wasserlassen, Harnstottern, schwacher Harnstrahl und Gefühl der unvollständigen Entleerung. Je nach Schwere der Symptome wird die BPH in vier Stadien eingeteilt. In der Selbstmedikation sollten nur die Stadien 1 und 2 behandelt werden. Weitere Informationen finden Sie in unserem Ratgeber zur Prostata

Wer ist von einer Blasenentzündung betroffen?

Besonders Frauen kennen die Anzeichen einer Blasenentzüdnung gut, schließlich sind sie deutlich häufiger betroffen als Männer. Ursache ist wahrscheinlich ihre im Vergleich deutlich kürzere Harnröhre. Sie misst lediglich vier Zentimeter. So ist es auch nicht verwunderlich, dass eine Blasenentzündung zu den häufigsten Erkrankungen der Frau gehört. Begünstigende Faktoren bei Frauen sind außerdem:

  • Häufiger Geschlechtsverkehr (sogenannte Honeymoon-Zystitis),
  • Schwangerschaft,
  • Harnstau,
  • Abwehrschwäche oder
  • Stoffwechselerkrankungen.

Der Harnwegsinfekt bei Männern ist im Vergleich zu Frauen seltener, aber hartnäckiger. Der Infekt deutet in den meisten Fällen auf eine andere Erkrankung hin. So steht eine Zystitis beim Mann häufig mit einer Entzündung der Prostata in Zusammenhang. Begünstigt wird die Erkrankung z.B. durch eine Unterkühlung oder eine Grunderkrankung (z.B. Diabetes).

Infografik Blasenentzündung - Symptome und Behandlung

Was ist die Ursache einer Blasenentzündung?

Fast immer sind Keime, die über die Harnröhre in die Blase aufsteigen, die Ursache einer Blasenentzündung. Dabei begünstigen sowohl die kurze weibliche Harnröhre als auch der geringe Abstand zwischen After und Harnröhrenausgang das Eindringen von Bakterien. Es sind Bakterien, die meist aus dem Darm stammen. In der feuchtwarmen Umgebung der Blase können sie sich rasant vermehren und die Blasenwand reizen. Die Folge ist eine schmerzhafte Entzündung, bei der nicht selten der Urin rötlich verfärbt ist. Gewissheit bringt eine Urinuntersuchung. Wenn Leukozyten (rote Blutkörperchen) oder Eiweiß im Urin enthalten sind, liegt ein Harnwegsinfekt vor, der behandelt werden muss. In diesen Fällen ist eine Therapie mit Antibiotika notwendig, um ein Aufsteigen der Bakterien in die Nieren zu verhindern.

Wann ist ein Arztbesuch bei einer Blasenentzündung ratsam?

Die gute Nachricht zuerst: Die meisten Blasenentzündungen sind zwar schmerzhaft, heilen aber schnell aus und sind harmlos. Trotzdem sollten Sie die Blasenentzündung nicht auf die leichte Schulter nehmen. Vor allem bei starken Schmerzen, Fieber oder wenn Blut im Urin zu sehen ist, müssen Sie einen Arzt aufsuchen. Auch bei einer Blasenentzündung während der Schwangerschaft sollten Sie sofort zum Arzt gehen. Gleiches gilt für Männer: Da bei ihnen eine Harnwegsinfektion eher selten ist, sind die Ursachen immer ärztlich abzuklären.

Was ist bei Kindern mit einer Blasenentzündung zu beachten?

Auch Kinder leiden häufig an einer Blasenentzündung. Doch im Vergleich zu Erwachsenen sind die Symptome oft nicht direkt zu erkennen. Neben einem ständigen Harndrang und Schmerzen beim Wasserlassen können zudem Symptome wie z.B.

  • Unruhe und Gereiztheit (v.a. bei Babys),
  • plötzliches Einnässen bei Kleinkindern, die schon längst trocken waren,
  • Fieber und Erbrechen

auf einen Harnwegsinfekt hinweisen. Da Babys und Kleinkinder nicht selbst in der Lage sind auf Ihre Beschwerden aufmerksam zu machen, sollten Sie grundsätzlich auf das Verhalten achten. Gerade bei Fieber sollten Sie mit einem Säugling immer zum Arzt. Wenn sich keine anderen Ursachen finden, untersucht ein Kinderarzt auch den Urin, um eine eventuelle Blasenentzündung festzustellen. Außerdem können Ärzte feststellen, ob eventuell eine Fehlbildung der Harnwege zu dieser Infektion geführt hat. Für die Behandlung wird die Keimzahl im Urin gemessen – je nachdem, wie hoch diese ist, muss ein Antibiotikum genommen werden. Babys bekommen dieses per Infusion in der Klinik. Übrigens: Stillen vermindert das Risiko von Harnwegsinfekten in den ersten Lebensmonaten.

Wie lange dauert die Behandlung einer Blasenentzündung?

Die Behandlungsdauer kann von Person zu Person variieren. Die Dauer ist abhängig von der Stärke der Entzündung, von möglichen Komplikationen und von dem Zeitpunkt an dem die Erkrankung diagnostiziert wurde. Im Normalfall ist der Verlauf einer Blasenentzündung harmlos und verheilt innerhalb von zwei bis drei Tagen. Wichtig dabei ist, dass das Krankheitsbild Zystitis frühzeitig erkannt und behandelt wird. Ein schnelles Handeln ist grundsätzlich wichtig, damit sich die Entzündung nicht auf angrenzende Organe ausweitet.

Was sind die Behandlungsmethoden bei Blasenentzündung?

Die wichtigste Maßnahme ist: Viel trinken! Empfohlen werden mindestens zwei bis drei Liter Flüssigkeit am Tag. Bitte beachten Sie, dass Arzneitee mit Bärentraubenblättern ohne ärztlichen Rat nicht über einen längeren Zeitraum (nicht länger als 7 Tage und höchstens 5-mal im Jahr) eingenommen werden sollte. Birkenblätter, Orthosiphonblätter und Goldrutenkraut sind ebenfalls eine gute Empfehlung. In unterschiedlichen Zusammensetzungen sind sie als Blasen- und Nierentee erhältlich, beispielsweise von Heumann. Auch Wärme tut gut. Das gilt für Kinder gleichermaßen wie für Erwachsene. Eine Wärmflasche auf dem Bauch oder ein warmes Bad halten den Unterleib warm und lindern die Schmerzen.

 Tipp: Zur Vorbeugung oder unterstützenden Behandlung von Blasenentzündungen sind Aqualibra und Femannose möglich.

Achtung: Verschwinden die Symptome nicht nach drei Tagen, wird ein Arztbesuch unumgänglich. Bei Kleinkindern sollten Sie einen Termin mit dem Arzt vereinbaren, wenn sich die Beschwerden nach 24 Stunden nicht bessern. Nur ein Arzt kann entscheiden, ob eine Antibiotika-Gabe sinnvoll und nötig ist.

Wie kann einer Blasenentzündung vorgebeugt werden?

Sicherlich kann eine Blasenentzündung nicht immer verhindert werden. Aber mit ein paar einfachen Maßnahmen lässt sich das Risiko deutlich verringern:

  • Viel trinken, damit sich Bakterien und andere Keime nicht in der Blase festsetzen.
  • Nach dem Stuhlgang immer von vorne nach hinten säubern, sodass Darmkeime nicht in die Harnröhre gelangen.
  • Regelmäßig die Blase entleeren, besonders nach dem Geschlechtsverkehr, um eventuell eingedrungene Keime schnell wieder auszuspülen.
  • Nasse Kleidung sofort wechseln, denn eine Unterkühlung schwächt das Immunsystem.

Kann ich mich gegen Blasenentzündungen impfen lassen?

Seit einigen Jahren gibt es eine Impfung gegen die Blasenentzündung. Gerade bei häufig wiederkehrender Zystitis kann diese sinnvoll sein, da eine regelmäßige Antibiotika-Einnahme die Entstehung von resistenten Keimen begünstigen kann. Mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 bis 80 Prozent soll die Impfung chronische Blasenentzündungen und damit eine häufige Antibiotika-Einnahme verhindern. Um den vollständigen Impfschutz zu erreichen, sind im ersten Jahr drei Impfungen im Abstand von jeweils 2 Wochen nötig, sowie eine Auffrischungsimpfung nach etwa einem Jahr. Weitere Booster sind möglich, sollten aber nur nach medizinische Empfehlung geimpft werden. Der Nachteil: Die Impfung ist bisher in Deutschland eine IGeL-Leistung, sie muss also selbst bezahlt werden. Einige Krankenkassen erstatten die Kosten aber im Nachhinein, wenn die Belege eingereicht werden.

Kann ich im Sommer eine Blasenentzündung bekommen?

Ein Harnwegsinfekt kann das ganze Jahr über auftreten. Insbesondere im Sommer ist die Gefahr einer Unterkühlung groß. Durch die leichte Kleidung und eventuelle Temperaturstürze können Schleimhäute austrocknen und die Immunkraft so geschwächt werden.

Ein erhöhtes Risiko für eine Harnwegsinfektion besteht zudem, wenn Sie sich über einen längeren Zeitraum in einem Raum mit einer zu kalt eingestellten Klimaanlage befinden. Unterkühlen können Sie sich zudem, wenn Sie sich beim Schwimmbadbesuch zu lange im kalten Wasser aufhalten oder die nassen Badesachen nicht wechseln.

Worauf sollte ich im Sommer bei der Blasengesundheit achten?

  • Bleiben Sie nicht allzu lange im kalten Wasser.
  • Trocknen Sie sich nach dem Baden gründlich ab.
  • Halten Sie Ihre Füße warm, denn die Kälte zieht im Körper nach oben.
  • Wechseln Sie nasse Kleidung nach dem Schwimmen oder Sport.
  • Tragen Sie statt synthetischer Unterwäsche eher atmungsaktive Baumwolle.
  • Setzen Sie sich nach einem Sommergewitter nicht auf den ausgekühlten Boden.
  • Vermeiden Sie Zugluft durch Ventilatoren oder Räume mit zu kalter Luft.

Gibt es noch weitere Tipps für eine gesunde Blase?

Eine gesunde Lebensweise ist Voraussetzung für eine gesunde Blase. Das Thema Ernährung spielt dabei eine wichtige Rolle. Diese sollte ausgewogen und abwechslungsreich sein. Mit Vitamin C stärken Sie Ihr Immunsystem. Für Ihre Gesundheit und der Ihrer Blase sollten Sie zudem ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen.

Weitere Tipps:

  • Auf parfümierte oder desinfizierende Hygieneartikel im Intimbereich verzichten.
  • Atmungsaktive Baumwollunterwäsche tragen, die bei 60 Grad gewaschen werden kann.
  • Zur Verhütung Kondome verwenden.
  • Nahrungsergänzungsmittel mit Cranberry-Extrakt unterstützen die natürliche Abwehr und helfen Infekten vorzubeugen.
Autorin PTA Ulrike Wendt

Über unsere Autorin:

Ulrike Wendt | Pharmazeutische Kundenbetreuung
Ich bin seit 17 Jahren Pharmazeutisch-technische Assistentin bei mycare.de. Aufgrund der langen Berufserfahrung und der regelmäßigen Fortbildung sind wir schon Experten in Gesundheitsthemen. Mehr erfahren

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