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West-Nil-Fieber: eine Gefahr?

Von Christine Buse, Apothekerin bei mycare.de
Aktualisiert: 22.11.2022

Ein Bein mit einem Mückenstich

Das grippeähnliche West-Nil-Fieber ist schon eine ganze Weile in Deutschland zu verzeichnen. Bei vielen Patienten löst es durchaus keine weiteren Symptome aus. Allerdings kann es auch zu sehr starkem Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Durchfall und einigen weiteren Auswirkungen kommen. Bislang gibt es kein wirksames Mittel gegen das Virus, daher gilt es sich anderweitig zu schützen. Welche weiteren Symptome beim West-Nil-Fieber auftreten können und wie Sie sich davor schützen können, erfahren Sie hier.

Was ist das West-Nil-Fieber?

Bei dem West-Nil-Fieber handelt es sich um eine Erkrankung, die durch das sogenannte West-Nil-Virus (WNV) hervorgerufen wird. Es ist eine akute, oft grippeähnliche Erkrankung, welche von nachtaktiven Stechmücken übertragen wird. Die Krankheit bricht etwa drei bis sechs Tage nach dem Stich durch eine infizierte Mücke aus. Das WNV gehört weltweit zu den verbreitetsten Flaviviren. Es ist eine endemische Zoonose, welche in verschiedenen Regionen der Welt vorkommt. Unter Zoonose versteht man, dass die Erkrankung sowohl bei Menschen als auch bei Tieren auftreten kann. Alle Erdteile sind mittlerweile von dem Virus betroffen, allerdings in einem unterschiedlichen Ausmaß. In Afrika, Israel, dem mittleren Osten, Indien, Teilen Südostasiens und auch in Teilen von Nord- und Südamerika ist das Virus stark verbreitet. Auch in Teilen Europas konnten mittlerweile Infektionen festgestellt werden.

Wie wird das West-Nil-Virus übertragen?

Das West-Nil-Virus gelangt aus den Tropen durch Zugvögel über das Mittelmeer nach Europa. In Südeuropa wird das Virus bereits seit längerer Zeit im Sommer übertragen und kann dabei auch vor Ort überwintern. Betroffen sind Norditalien, Südfrankreich, weite Teile des Balkans, Ungarn, Teile von Tschechien sowie die Slowakei, die Türkei und Österreich. Die Zugvögel dienen dabei als Wirte für den Virus, über die der Erreger auf die Stechmücken übergeht. Hauptsächlich wird das Virus daher durch Stechmücken übertragen. Neben Menschen können auch andere Säugetiere (besonders Pferde) an dem West-Nil-Fieber erkranken. Bisher konnte man WNV bei über 43 verschiedenen Stechmückenarten nachweisen, vor allem bei der sogenannten "Culex"-Gattung. Neben dem Stich einer Mücke sind auch der direkte Blutkontakt zu infizierten Tieren, Organtransplantationen sowie Bluttransfusionen mögliche Infektionswege.

Infografik West-Nil-Fieber: Was sind die Symptome und wie kann ich mich schützen?

Kann ich mich in Deutschland mit dem West-Nil-Virus infizieren?

Im August 2018 konnte WNV erstmals in Deutschland bei Vögeln und Pferden festgestellt werden. Im Jahr 2019 wurden dann auch erstmals einige durch Mücken übertragene Erkrankungsfälle beim Menschen registriert. 2021 ist das dritte Jahr in Folge, in dem es bestätigte Fälle des West-Nil-Virus in Deutschland gibt. Seit Juli wurde das Virus bei Vögeln und Pferden nachgewiesen, der erste Nachweis bei Menschen trat 2021 im August auf. Auch im Jahr 2022 haben sich bereits 10 Menschen in Deutschland mit dem Virus angesteckt: Berlin (3), Sachsen (3), Sachsen-Anhalt (3) und Nordreinwestfalen (1). Gerade nach einem langen Sommer mit hohen Temperaturen muss mit einem hohen Infektionsrisiko gerechnet werden.

Welche Symptome sind typisch für das West-Nil-Fieber?

Bei den meisten bleibt die Infektion mit dem West-Nil-Virus unbemerkt und es treten keine Symptome auf. Menschen, bei denen die Erkrankung zum Vorschein kommt, leiden häufig an grippeähnlichen Symptomen wie:

  • Fieber
  • Kopf- und Gliederschmerzen
  • Bindehautentzündung
  • Lymphknotenschwellung
  • Appetitlosigkeit
  • Durchfall
  • Erbrechen

Nachdem der erste Fieberschub überstanden ist, kommt es dann oftmals zu einer Besserung der Symptome. Jedoch kann das Fieber dann erneut ansteigen. Dies nennt man auch einen biphasischen Verlauf. Bei ca. ein Drittel der Erkrankten tritt an der Brust, den Armen und auf dem Rücken ein Hautausschlag auf, welcher ohne Schuppung abheilt. Bei einigen Erkrankten kann sich nach einer Infektion mit dem West-Nil-Virus auch eine Hirn- oder Hirnhautentzündung entwickeln. Für gewöhnlich endet die Erkrankung nach etwa sieben Tagen. Derzeit gibt es keine speziellen Therapiemöglichkeiten zur Behandlung des West-Nil-Virus. Die Verwendung von Medikamenten zur Therapie des Virus war bisher erfolglos. Daher können derzeitig nur die Symptome gelindert werden. Besonders für ältere Menschen kann die Infektion mit dem Erreger einen schweren Verlauf haben. Wird die Infektion mit dem Virus überstanden, können auch nach einigen Monaten Spätfolgen wie Konzentrationsstörungen, Muskelschmerzen und Müdigkeit auftreten.

Wie schütze ich mich vor West-Nil-Virus?

Diverse Impfstoffe für den Menschen befinden sich aktuell in der Entwicklung, sind aber noch nicht verfügbar. Daher sind vorbeugende Maßnahmen die einzige Möglichkeit, sich vor dem West-Nil-Virus zu schützen. Effektiven Schutz vor den Mückenstichen können Kleidung aber auch Insektenschutzmittel (sogenannte Repellents) bieten. Besonders in Gebieten, in denen viele Stechmücken beheimatet sind, sollte der Schutz ganztägig beibehalten werden, da die Culex-Mücke auch tagsüber aktiv sein kann.

Autorin Apothekerin Christine Buse

Über unsere Autorin:

Christine Buse | Apothekerin
Nach meinem Abitur ging ich an die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und studierte Pharmazie. Besonders fokussierte ich mich auf die Fachrichtung Arzneimittelversorgung. Dank harter Arbeit und viel Wissen wurde ich Apothekerin mit Approbation und Diplom Pharmazeutin. Mit meinem Mann gründete ich zusammen in Lutherstadt Wittenberg die Robert-Koch-Apotheke. Mehr erfahren

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