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Wissenswertes zum Wirkstoff Acetylsalicylsäure (ASS)

Der Wirkstoff Acetylsalicylsäure zählt zur Gruppe der nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) und ist einer der bekanntesten Wirkstoffe, die bei Schmerzen, Fieber und Entzündungen sowie umgangssprachlich zur "Blutverdünnung" eingesetzt werden.

Häufige Kundenfragen zum Wirkstoff Acetylsalicylsäure

  1. Was ist Acetylsalicylsäure?
  2. Bei welchen Beschwerden kann Acetylsalicylsäure eingesetzt werden?
  3. Wie wirkt ASS?
  4. Wie schnell und wie lange wirkt Acetylsalicylsäure?
  5. Welche Präparate gibt es in der Apotheke?
  6. Ist ASS verschreibungspflichtig?
  7. Gibt es ASS auch für Kinder?
  8. Was muss ich bei der Einnahme / Anwendung beachten?
  9. Welche häufig auftretenden Wechselwirkungen sind bekannt?
  10. Welche Nebenwirkungen können auftreten?
  11. Was ist noch wichtig zu wissen?
  12. Wann sollte Acetylsalicylsäure nicht zum Einsatz kommen?
  13. Darf ASS in Schwangerschaft und Stillzeit gegeben werden?
  14. Beeinflusst Acetylsalicylsäure die Fahrtüchtigkeit?

Was ist Acetylsalicylsäure?

Chemischer Name: 2-(Acetyloxy)benzoesäure
Summenformel: C9H8O4

Strukturformel:
Acetylsalicylsäure (ASS) Strukturformel

Bei welchen Beschwerden kann Acetylsalicylsäure eingesetzt werden?

Unterschieden werden zwei große Einsatzgebiete:
Als Schmerzmittel - Bei leichten bis mittelstarken Schmerzen, beispielsweise Kopf-, Zahn-, Regelschmerzen, Migräne oder Fieber.

Als Thrombozytenaggregationshemmer ("Blutverdünner")- Präparate in niedriger Dosierung, meist zu 100 mg, werden auf ärztliche Empfehlung vorbeugend zur Sekundärprävention von Herzinfarkten und bei instabiler Angina Pectoris in der Vorgeschichte eingesetzt. ASS 100 eignet sich nicht für Notfälle. Es ist auf die Sekundärprävention zur Therapie chronischer Krankheiten beschränkt.

Wie wirkt ASS?

ASS wirkt schmerzstillend, fiebersenkend und entzündungshemmend zugleich. Der Wirkstoff blockiert die Bildung bestimmter Botenstoffe im Körper, sogenannte Prostaglandine. Diese sind an der Entstehung von Schmerzen, Fieber und Entzündungen wesentlich beteiligt.

Auch die Blutgerinnung wird durch Acetylsalicylsäure beeinflusst. Die Substanz verhindert, dass die Blutplättchen (Thrombozyten) zusammenklumpen und verbessert so die Fließfähigkeit des Blutes. Die verbreitete Abkürzung "TAH" im Namen von Fertigarzneimitteln mit 100 mg Wirkstoffgehalt Acetylsalicylsäure steht für Thrombozyten–Aggregations-Hemmung und beschreibt dieses Wirkprinzip.

Wie schnell und wie lange wirkt Acetylsalicylsäure?

Die Aufnahme in den Körper erfolgt sehr schnell. Aus handelsüblichen Tabletten wird ein maximaler Plasmaspiegel innerhalb von 1-2 Stunden erreicht, bei Anwendung von Braustabletten bereits nach etwa einer halben Stunde.

Welche Präparate gibt es in der Apotheke?

In der Schmerztherapie finden sich Tabletten, Kautabletten, Granulat, Brausetabletten sowie verschreibungspflichtige Infusionslösungen.

Zur "Blutverdünnung" sind magensaftresistente Tabletten und normale Tabletten in der Apotheke käuflich zu erwerben.

Anzeigen:
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  • Wirkstoff
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Ist ASS verschreibungspflichtig?

Infusionslösungen mit ASS sind verschreibungspflichtig, oral anzuwendende Darreichungsformen wie Tabletten, auch Film-, Kau- oder Brausetabletten, ebenso Direktgranulat sind ohne Rezept in der Apotheke erhältlich.

Gibt es ASS auch für Kinder?

Bei Kindern und Jugendlichen mit fieberhaften Erkrankungen sollte ASS generell nur auf ärztliche Anweisung gegeben werden, wenn andere Maßnahmen nicht wirken.
Hintergrund ist das Risiko des Auftretens eines Reye-Syndroms, einer seltenen, aber bedeutenden Nebenwirkung vom ASS. Das Reye-Syndrom stellt ein sehr schweres, durch Beschwerden wie Erbrechen, Fieber und Benommenheit geprägtes Krankheitsbild dar, die unbehandelt zum Koma führen kann und im schlimmsten Fall tödlich endet.
Sollte es also nach der Einnahme von ASS bei Kindern und Jugendlichen zu anhaltendem Erbrechen kommen, sollte sofort der Kinder- oder Notarzt konsultiert werden.

Was muss ich bei der Einnahme / Anwendung beachten?

1. Einsatz als Schmerz- und Fiebermittel

Tabletten mit dem Wirkstoff ASS werden mit reichlich Flüssigkeit (z.B. einem Glas Wasser) und zum oder nach dem Essen eingenommen. ASS soll nicht länger als 3-4 Tage oder in höheren Dosen ohne Befragen des Arztes geschluckt werden.
Es wird empfohlen, 500-1000 mg Acetylsalicylsäure (1-2 Tabletten bei ASS 500) als Einzeldosis einzunehmen, jedoch nicht mehr als 1500-3000 mg (3-6 Tabletten ASS 500) als Tagesgesamtdosis. Die Einzeldosis kann, wenn notwendig, in Abständen von 4-8 Stunden bis zu 3-mal täglich eingesetzt werden.

2. Der Einsatz zur "Blutverdünnung" in niedriger Dosierung erfolgt meist als Dauerbehandlung nach ärztlicher Empfehlung

Patienten mit Leber- oder Nierenfunktionsstörungen in der Vorgeschichte sollten Ihren behandelnden Arzt zwingend vor der Einnahme befragen. Gegebenenfalls kann die Dosis vermindert bzw. das Einnahmeintervall verlängert werden.

Vor einer Operation - dazu zählen auch kleinere Eingriffe, zum Beispiel das Ziehen eines Zahnes – sollte die Einnahme des Arzneimittels beim Arzt angegeben werden, da die Blutungszeit verlängert sein kann. Er entscheidet, ob und wie lange vorher gegebenenfalls ASS abgesetzt werden soll.

Alkoholgenuss sollte während einer Dauerbehandlung vermieden werden. Gelegentlicher Alkoholkonsum in kleinen Mengen ist erlaubt, allerdings nicht in zeitlichem Zusammenhang mit dem Medikament.

Welche häufig auftretenden Wechselwirkungen sind bekannt?

Eine gleichzeitige Therapie mit anderen blutgerinnungshemmenden Arzneimitteln sollte nur nach Rücksprache mit dem Arzt erfolgen. Die Blutungsneigung und damit verbundene Risiken sind erhöht.

Wenn ein Präparat mit Ginkgo oder Enzymen zusätzlich genommen wird, sollte der Arzt darüber in Kenntnis gesetzt werden.

Es besteht ein erhöhtes Risiko für Magen-Darm Blutungen bei gleichzeitiger Behandlung mit Kortikoiden oder bei gleichzeitigem Alkoholkonsum.

Wenn Digoxin bzw. Lithium mit ASS eingenommen wird, kann es zu einer Erhöhung der Plasmakonzentration von Digoxin oder Lithium kommen.

ASS darf des Weiteren nicht ohne ärztliche Rücksprache in Kombination mit Methotrexat gegeben werden. Die Wirkung und Nebenwirkungen von Methotrexat würden verstärkt werden.

Selektive-Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRIs, z.B. Citalopram) erhöhten das Risiko für Magen-Darm Blutungen.

Die Gabe von Acetylsalicylsäure (ASS 100) zusammen mit anderen NSAR (zum Beispiel Ibuprofen) sollte vermieden werden. Je nach Einnahmezeitpunkt verringert sich die Wirkung von ASS 100 als Thrombozytenaggregationshemmer.

Verstärkt durch ASS werden Wirkung und unerwünschte Wirkungen von anderen Schmerzmitteln, die Wirkung von oralen Antidiabetika (Sulfonylharnstoffe, zum Beispiel Glibenclamid), von chemotherapeutisch wirksamen Sulfonamiden inklusive Cotrimoxazol, von Trijodthyronin sowie die Wirkung von Valproinsäure.

Vermindert werden die Wirkungen von Spironolacton und Canrenoat, Schleifendiuretika (zum Beispiel Furosemid), Urikosurika (zum Beispiel Probenecid, Sulfinpyrazon) und Antihypertonika (blutdrucksenkende Arzneimittel).

Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Magen-Darm-Beschwerden bis hin zu Magenblutungen sind möglich. Wenn ein schwarzer Stuhl bemerkt wird, sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden.

Geschwüre im Verdauungstrakt können auftreten. In seltenen Fällen ist ein Durchbruch nicht auszuschließen. Vor allem Asthmatiker können von allergischen Reaktionen wie Anfälle von Atemnot oder Überempfindlichkeitsreaktionen der Haut betroffen sein.

In verschiedenen Arealen des Körpers können Blutungen entstehen, z.B. Nasenbluten, Zahnfleischbluten, Hautblutungen sowie im Harn- und Geschlechtsapparat. Die Blutungszeit kann dabei verlängert sein. Diese Wirkung kann über 4 bis 8 Tage nach der Einnahme anhalten.

Cerebrale Blutungen (im Gehirn), besonders bei nicht eingestelltem Bluthochdruck und/oder gleichzeitiger Behandlung mit Antikoagulantien (Gerinnungshemmer, z.B. Phenprocoumon ) sind berichtet worden, die in Einzelfällen lebensbedrohlich sein können.

Selten treten Erhöhungen der Leberwerte auf.

Nebenwirkungen können reduziert werden, indem die niedrigste wirksame Dosis über den kürzesten, zur Symptomkontrolle erforderlichen Zeitraum angewendet wird.

Das Risiko von Blutungen im Magen-Darm-Bereich, Geschwüren oder einem Durchbruch erhöht sich mit ansteigender Dosis, für Patienten mit Geschwüren, insbesondere mit den Komplikationen Blutung oder Durchbruch, und für ältere Patienten. Diese Patientengruppen werden im Rahmen der ärztlichen Therapie meistens einleitend mit der niedrigst möglichen Dosis behandelt. Eine Therapie mit ASS in Kombination mit protektiven Arzneimitteln (wie Protonen-Pumpen-Hemmer, zum Beispiel Omeprazol) wird oft in diesen Fällen vom Arzt verordnet. Dies gilt auch für Patienten, die gleichzeitig andere Arzneimittel einnehmen, die das Risiko gastrointestinaler Nebenwirkungen (den Magen-Darm Bereich betreffend) erhöhen.

Bei dauerhafter Einnahme von Schmerzmitteln können Kopfschmerzen auftreten, die zu erneuter Einnahme führen und damit wiederum eine Fortdauer der Kopfschmerzen bewirken können. Die Kopfschmerzen können durch das Schmerzmittel selbst erzeugt werden. Um zu verhindern, dass die Kopfschmerzen chronisch werden, ist dringend eine Arztrücksprache zu empfehlen.

Die gewohnheitsmäßige Einnahme von Schmerzmitteln kann außerdem zur dauerhaften Nierenschädigung mit dem Risiko eines Nierenversagens führen. Dieses Risiko ist besonders groß, wenn mehrere verschiedene Schmerzmittel kombiniert eingenommen werden.

Was ist noch wichtig zu wissen?

Wann sollte Acetylsalicylsäure nicht zum Einsatz kommen?

Bei vielen Patienten ist Vorsicht geboten. Der Arzt sollte im Vorfeld befragt werden:
Dies betrifft Menschen mit Nasenpolypen, chronischen Atemwegsinfektionen, Asthma oder mit Neigung zu allergischen Reaktionen wie z.B. Heuschnupfen: Bei ihnen kann ASS einen Asthmaanfall oder eine starke allergische Hautreaktion auslösen.

Des Weiteren gehören in diesen Bereich chronische und wiederkehrende Magen- oder Zwölffingerdarmbeschwerden, eine eingeschränkte Nieren- oder Leberfunktion, Magen-Darmblutungen in der Vorgeschichte sowie die Neigung zu Gichtanfällen.

Acetylsalicylsäure vermindert in niedriger Dosierung die Harnsäureausscheidung. Bei hierfür gefährdeten Patienten kann dies unter Umständen einen Gichtanfall auslösen.

Bei bekannten Geschwüren im Verdauungstrakt, einer erhöhten Blutungsneigung sowie einer vorhandenen Überempfindlichkeit sollte ASS nur nach ärztlicher Rücksprache eingenommen werden.

ASS darf nicht angewendet werden, wenn in der Vergangenheit auf Salicylate oder andere nicht-steroidale Entzündungshemmer mit Asthmaanfällen oder in anderer Weise allergisch reagiert wurde, ebenso bei schwerer nicht eingestellter Herzinsuffizienz.

Darf ASS in Schwangerschaft und Stillzeit gegeben werden?

Schwangerschaft:
Das Arzneimittel sollte nach derzeitigen Erkenntnissen nicht angewendet werden.

Stillzeit:
Der Wirkstoff Acetylsalicylsäure und seine Abbauprodukte gehen in geringen Mengen in die Muttermilch über. Da nachteilige Wirkungen auf den Säugling bisher nicht bekannt geworden sind, ist bei gelegentlicher Anwendung der empfohlenen Dosis eine Unterbrechung des Stillens nicht erforderlich. Bei längerer Anwendung bzw. Einnahme höherer Dosen sollte dennoch abgestillt werden.

Beeinflusst Acetylsalicylsäure die Fahrtüchtigkeit?

Nein, es sind keine besonderen Vorsichtsmaßnahmen notwendig.