Reiseapotheke im Vergleich: In einigen Urlaubsländern sind Medikamente bis zu elfmal teurer als in Deutschland

Aktualisiert am 05.06.2026

Dänemark ist eines der beliebtesten Reiseziele der Deutschen. Doch wer seine Reiseapotheke erst vor Ort zusammenstellt, zahlt drauf: Das Antiseptikum Povidon-Jod, vom Auswärtigen Amt für jede Reiseapotheke empfohlen, kostet dort elfmal mehr als in Deutschland. Das zeigt eine Analyse, die die Preise von bis zu 19 empfohlenen Wirkstoffen in mehr als 30 Ländern weltweit verglichen hat. Das Ergebnis: Eine vollständige Reiseapotheke kostet in Deutschland im Schnitt 253 Euro, wenn jedes Produkt neu angeschafft werden muss. Je nach Reiseziel kann der gleiche Einkauf noch teurer ausfallen.

Povidon-Jod in Dänemark elfmal so teuer wie in Deutschland

Das Angebot an empfohlenen Medikamenten unterscheidet sich stark von Land zu Land. In keinem der über 30 untersuchten Länder waren alle 19 Wirkstoffe, die das Auswärtige Amt empfiehlt, verfügbar. Wo es möglich war, Preise zu ermitteln, zeigten sich teils große Unterschiede zu den Preisen in Deutschland, besonders bei drei Präparaten.

Cetirizin, ein Mittel gegen Allergien, gibt es in Deutschland in einer Packung mit sieben Tabletten à 10mg für 2,05 Euro, also im Durchschnitt 0,29 Euro pro Tablette. In Norwegen muss man für die gleiche Packungsgröße 10,33 Euro bezahlen, was 1,48 Euro pro Tablette entspricht. In Norwegen muss man für die gleiche Packungsgröße 10,33 Euro (1,48 Euro pro Tablette) bezahlen, sprich das Fünffache des deutschen Preises. In Kuba zahlt man für zehn Tabletten mit dem gleichen Wirkstoffgehalt 6,13 Euro (0,61 Euro pro Tablette), doppelt so viel wie in Deutschland. In Kanada gibt es Cetirizin hingegen in größeren Packungen mit niedrigerem Wirkstoffgehalt: 72 Tabletten à 5 mg kosten dort 30,37 Euro. Das wären im Schnitt 0,84 Euro pro 10 mg, weil zwei Tabletten nötig wären.

Ein weiteres Beispiel ist Loperamid, ein Medikament gegen Durchfall. In Deutschland muss man 1,97 Euro für zehn Tabletten à 2 mg zahlen, also 0,20 Euro pro Tablette. Auch bei Loperamid weichen die Packungsgrößen im Ausland teils ab: In Norwegen zahlt man für eine Packung mit 16 Tabletten 10,78 Euro (0,67 Euro pro Tablette), in Dänemark für eine 60er-Packung 17,66 Euro (0,29 Euro pro Tablette) und in Kanada für eine 100er-Packung 50,50 Euro (0,51 Euro pro Tablette). Das Antiseptikum Povidon-Jod weist ebenso große Preisunterschiede auf. In Deutschland zahlt man durchschnittlich 5,25 Euro für 25 g (0,21 Euro pro g). In Norwegen und Dänemark sind für eine 40-mg-Packung 63,29 bzw. 95,77 Euro (1,58 bzw. 2,39 Euro pro mg) zu zahlen. Umgerechnet auf den Preis pro Milligramm entspricht das in Norwegen mehr als dem Siebenfachen und in Dänemark sogar mehr als dem Elffachen des deutschen Preises.

Im Ausland gibt es oft nicht die gleichen Medikamente

Günstiger als in Deutschland schneidet Polen ab. In Polen sind 18 der 19 empfohlenen Medikamente verfügbar, die Gesamtkosten liegen bei rund 102 Euro, etwa 150 Euro weniger als eine vollständige Reiseapotheke in Deutschland. So kostet Loperamid dort nur 0,94 Euro, etwa halb so teuer wie in Deutschland, Elektrolytpulver 3,77 Euro (in Deutschland 6,49 Euro) und das Nasenspray Xylometazolin 2,21 Euro statt 3,29 Euro.

Die Verfügbarkeit der empfohlenen Präparate für die Reiseapotheke variiert stark zwischen den Ländern. In Kroatien lässt sich nur für eines der 19 Medikamente ein Preis ermitteln, in Griechenland für zwei und in Thailand für vier. In anderen Ländern hingegen ist ein Großteil erhältlich: In Schweden werden für 17 Präparate Preise gefunden, mit Gesamtkosten von rund 249 Euro.

Nordeuropa: Medikamentenpreise deutlich über deutschem Niveau

Dass Medikamente in Skandinavien teurer sind als hierzulande, zeigen bereits die Preise für Cetirizin, Loperamid und Povidon-Jod. Noch anschaulicher wird es beim Nasenspray Xylometazolin. In Deutschland kostet die 10-ml-Flasche 3,29 Euro, in Finnland und Norwegen sind dafür 7,96 bzw. 7,34 Euro fällig, mehr als das Doppelte. Ebenfalls teurer ist das Reisekrankheitsmittel Dimenhydrinat. Während 20 Tabletten à 50 mg in Deutschland 2,20 Euro kosten, werden in Schweden für eine halbe Menge in niedriger Dosierung (10 Tabletten à 20 mg) 18,10 Euro verlangt. Damit zahlen Reisende dort für weniger Tabletten und einen geringeren Wirkstoffgehalt das Achtfache des deutschen Preises.

„Viele Reisende unterschätzen, wie stark sich Arzneimittelmärkte international unterscheiden. Ein Wirkstoff, den man in Deutschland kennt, kann im Ausland unter einem anderen Markennamen laufen, in abweichenden Dosierungen verfügbar oder gar nicht erhältlich sein. Das kann im Krankheitsfall zu Verwechslungen oder Unter- oder Überdosierungen führen. Besonders kritisch wird es, wenn jemand auf ein Medikament angewiesen ist, das im Urlaubsland schlicht nicht verkehrsfähig ist. Mein Rat: Wer regelmäßig Medikamente nimmt oder reisespezifische Risiken hat, sollte seine Apotheke vor der Reise gezielt auffüllen“, sagt Martin Schulze, Apotheker und pharmazeutischer Leiter bei mycare.de.