Raynaud-Syndrom: Wenn die Finger blass werden – Ursachen, Symptome und Hilfen
✓ Pharmazeutisch geprüft - Lesezeit: 4 Minuten
Von Lisa Stenschke, Apothekerin bei mycare.de
Aktualisiert: 20.08.2026

Haben Sie das Gefühl, dass Ihre Finger oder Zehen bei Kälte plötzlich weiß werden, sich taub anfühlen, kribbeln und schmerzen? Dann könnten Sie vom Raynaud-Syndrom betroffen sein. Diese anfallsartige Durchblutungsstörung ist zwar oft harmlos, kann aber im Alltag sehr störend sein. In diesem Ratgeber erfahren Sie, was hinter dem Raynaud-Syndrom steckt, welche Formen es gibt und wie Sie die Beschwerden effektiv lindern können.
Was ist das Raynaud-Syndrom? Die „Weißfingerkrankheit“
Das Raynaud-Syndrom ist eine anfallsartige Durchblutungsstörung, die hauptsächlich kleine Blutgefäße in den Fingern und Zehen betrifft. Seltener können auch Nase, Ohren oder Brustwarzen betroffen sein. Bei den betroffenen Stellen verengen sich die kleinen Arterien krampfartig, was Mediziner als Vasospasmus bezeichnen. Das führt zu sichtbaren Farbveränderungen der Haut und unangenehmen Missempfindungen. Im Volksmund ist die Erkrankung auch als „Weißfingerkrankheit“ oder „Leichenfinger“ bekannt. Auslöser sind meist Kälte oder starker emotionaler Stress. Besonders jüngere Frauen zeigen häufiger diese Beschwerden.
Warum entsteht das Raynaud-Syndrom? Ursachen und Auslöser
Die Grundlage des Raynaud-Syndroms bildet eine übermäßige Reaktion der Blutgefäße auf Kälte oder Stress. Die glatten Muskeln in den Wänden der kleinen Arterien ziehen sich dabei krampfartig zusammen und verringern stark die Durchblutung. Bestimmte Faktoren können diese Gefäßkrämpfe verstärken:
- Nikotin : Rauchen verengt die Gefäße generell.
- Koffeinhaltige Stimulanzien : Diese können ebenfalls gefäßverengend wirken.
- Bestimmte Medikamente : Einige Medikamente haben als Nebenwirkung eine gefäßverengende Wirkung.
Man unterscheidet zwei Hauptformen des Raynaud-Syndroms:
- Primäres Raynaud-Syndrom : Hier findet sich keine zugrunde liegende organische Erkrankung. Die Ursache für die übermäßige Gefäßreaktion bleibt unklar.
- Sekundäres Raynaud-Syndrom : In diesem Fall ist die Durchblutungsstörung ein Zeichen für eine andere Grunderkrankung. Häufig stecken Autoimmun- und Bindegewebserkrankungen dahinter, wie beispielsweise Sklerodermie oder Lupus erythematodes. Auch mechanische Belastungen, etwa durch Vibrationswerkzeuge, oder andere Gefäßkrankheiten können die Regulation der Gefäße zusätzlich stören.
Primäres versus sekundäres Raynaud-Syndrom: Ein wichtiger Unterschied
Die Unterscheidung zwischen dem primären und dem sekundären Raynaud-Syndrom ist für die weitere Behandlung von großer Bedeutung:
- Primäres Raynaud-Syndrom: Tritt meist beidseitig auf. Betrifft oft jüngere, ansonsten gesunde Menschen. Verläuft in der Regel harmlos und ohne bleibende Gewebeschäden. Kann sich im Laufe der Zeit, beispielsweise nach den Wechseljahren, spontan bessern.
- Sekundäres Raynaud-Syndrom: Ist Ausdruck einer zugrunde liegenden Erkrankung, oft aus dem rheumatischen oder gefäßmedizinischen Bereich. Beginnt häufig später im Leben. Kann asymmetrisch auftreten oder besonders stark ausgeprägt sein. In schweren Fällen können kleine Wunden, Hautgeschwüre (Ulcera) oder selten sogar Gewebeschäden entstehen. Deshalb ist eine genaue Ursachensuche beim Arzt wichtig. Mit Labor- und Gefäßdiagnostik lassen sich Begleiterkrankungen frühzeitig erkennen und gezielt behandeln.
Das Trikolore-Phänomen: Typische Symptome des Raynaud-Syndroms
Die Symptome des Raynaud-Syndroms sind sehr charakteristisch und laufen oft in drei Phasen ab, die als „Trikolore-Phänomen“ bezeichnet werden:
- Phase (Weiß): Zunächst werden die betroffenen Finger oder Zehen blass und blutleer. Die ausgeprägte Gefäßverengung lässt sie weiß erscheinen.
- Phase (Blau): Bei längerem Blutmangel färben sich die Gliedmaßen blau. Diesen Zustand nennt man Zyanose.
- Phase (Rot): Sobald sich der Gefäßkrampf löst, strömt das Blut wieder stark ein. Die Finger oder Zehen werden leuchtend rot, schwellen leicht an und fühlen sich warm an. Mediziner sprechen hier von reaktiver Mehrdurchblutung (Hyperämie).
Begleitend berichten Betroffene über Kältegefühl , Taubheit, Kribbeln und oft stechende Schmerzen, besonders während der blassen und blauen Phasen. Meist sind einzelne Finger oder Zehen betroffen, wobei die Farbwechsel klar abgegrenzt sind und der Handrücken unverändert bleibt.
Diagnostik, Tests und Therapieoptionen
Wenn Sie die beschriebenen Symptome bemerken, ist ein Arztbesuch ratsam. Die Diagnose des Raynaud-Syndroms stützt sich vor allem auf Ihre Beschreibung der Beschwerden, also die typische Anamnese mit kälte- oder stressbedingten Farbwechseln. Ergänzend können klinische Untersuchungen und Funktionstests durchgeführt werden. Ein wichtiges Diagnoseverfahren ist die Kapillarmikroskopie der Nagelfalzgefäße. Dabei betrachtet der Arzt unter einem Mikroskop die feinsten Blutgefäße am Nagelbett. Bei Autoimmunerkrankungen können sich hier typische Gefäßveränderungen zeigen, die helfen, primäre von sekundären Formen zu unterscheiden. Bildgebende Verfahren wie Doppler-Ultraschall oder MRT-Angiographie können bei ausgeprägtem Raynaud-Syndrom Verengungen der digitalen Gefäße sichtbar machen.
Die Therapie beginnt in der Regel mit nicht-medikamentösen Maßnahmen:
- Konsequenter Kälteschutz: Tragen Sie warme Handschuhe, Thermosocken und nutzen Sie Taschenwärmer. Schützen Sie Ihren gesamten Körper vor Kälte.
- Raucherentwöhnung: Wenn Sie rauchen, ist ein Rauchstopp eine wichtige Maßnahme, da Nikotin die Gefäße verengt.
- Stressreduktion: Erlernen Sie Entspannungstechniken Entspannungstechniken, um emotionalen Stress zu mindern.
- Vermeiden von gefäßverengenden Medikamenten: Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, ob Medikamente, die Sie einnehmen, die Beschwerden verstärken könnten.
- Regelmäßige Bewegung: Fördert die Durchblutung.
Bei schweren Verläufen, insbesondere des sekundären Raynaud-Syndroms, können gefäßerweiternde Medikamente zum Einsatz kommen. Dazu gehören beispielsweise Calciumkanalblocker, die die Gefäße entspannen. Diese Medikamente erhalten Sie nur auf ärztliche Verordnung.
Fazit
Das Raynaud-Syndrom ist eine anfallsartige Durchblutungsstörung, die mit Farbwechseln und Missempfindungen an Fingern und Zehen einhergeht. Während das primäre Raynaud-Syndrom meist harmlos ist, erfordert die sekundäre Form eine genaue ärztliche Abklärung, um eine zugrunde liegende Erkrankung zu erkennen und zu behandeln. Mit konsequentem Kälteschutz und anderen nicht-medikamentösen Maßnahmen können Sie die Beschwerden oft gut in den Griff bekommen und Ihre Lebensqualität verbessern.
Häufige Fragen (FAQ)
Quellen & weiterführende Informationen
- https://de.momcozy.com/blogs/women-health/white-in-nipple-breastfeeding-guide
- https://www.medical-tribune.de/medizin/angiologie/raynaud-syndrom-auf-ursachensuche-gehen
Allgemeiner Hinweis: In unseren Ratgebern verwenden wir für die bessere Lesbarkeit überwiegend das generische Maskulinum. Gemeint sind damit aber auch Angehörige des weiblichen Geschlechts und anderer Geschlechtsidentitäten.

Über unsere Autorin:
Lisa Stenschke | Apothekerin in der Robert-Koch-Apotheke
Seit 6 Jahren bin ich Apothekerin und von Anfang an mit Herzblut hauptsächlich in den Vor-Ort-Apotheken von myCare e.K. im Einsatz. Eine kompetente, umfassende und vertrauensvolle Beratung der Patienten ist mir sehr wichtig. Auch bei Instagram und Facebook freue ich mich bei "Frag Lisa" auf das Interesse an unseren Produkten. Mehr über L. Stenschke
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