Antimykotika: So wirken Medikamente gegen Pilzinfektionen
✓ Pharmazeutisch geprüft - Lesezeit: 7 Minuten
Von Kristin Schöfisch, PTA bei mycare.de
Aktualisiert: 29.07.2026

Pilzinfektionen können verschiedene Bereiche unseres Körpers betreffen, von Haut und Nägeln bis hin zu inneren Organen. Sie sind oft hartnäckig und können unangenehme Beschwerden verursachen. Zum Glück gibt es eine Reihe von Medikamenten, die speziell entwickelt wurden, um diese Erreger zu bekämpfen: die Antimykotika. Dieser Ratgeber erklärt Ihnen, was Antimykotika sind, wie sie funktionieren und welche wichtigen Aspekte Sie bei der Anwendung beachten sollten. Sie erfahren, wann eine Behandlung nötig ist, welche Arten von Wirkstoffen es gibt und wann Sie ärztlichen Rat einholen sollten.
Antimykotika: Was sie sind und wie sie wirken
Antimykotika sind spezielle Medikamente, die gezielt Pilze bekämpfen. Sie unterscheiden sich von Antibiotika, da diese gegen Bakterien wirken, nicht gegen Pilze. Eingesetzt werden Antimykotika bei einer Vielzahl von Pilzinfektionen, zum Beispiel bei Fußpilz, Nagelpilz, Hautpilz, Scheidenpilz oder auch bei Infektionen der Schleimhäute und inneren Organe.
Es gibt zwei Hauptgruppen von Antimykotika, die sich in ihrer Anwendung unterscheiden:
- Lokale Antimykotika: Diese Präparate tragen Sie direkt auf die erkrankte Stelle auf, etwa als Cremes, Salben, Lösungen oder medizinische Nagellacke. Sie wirken genau dort, wo der Pilz sitzt, und haben in der Regel nur geringe Auswirkungen auf den restlichen Körper. Dies macht sie oft zu einer guten Wahl bei leichten, oberflächlichen Infektionen.
- Systemische Antimykotika: Diese Medikamente nehmen Sie als Tabletten ein oder erhalten sie manchmal sogar als Infusion. Sie verteilen sich über den Blutkreislauf im gesamten Körper und können so auch tief sitzende oder ausgedehnte Pilzinfektionen erreichen. Da sie stärker wirken und möglicherweise Organe wie die Leber belasten können, sind systemische Antimykotika meist verschreibungspflichtig und erfordern eine ärztliche Überwachung.
Wie Antimykotika den Pilzen zu Leibe rücken: Die Wirkmechanismen
Pilze sind komplexe Lebewesen. Um sie zu bekämpfen, greifen Antimykotika an ganz bestimmten Stellen an, die für Pilze lebenswichtig sind.
Ein zentraler Angriffspunkt vieler Antimykotika ist die sogenannte Ergosterol-Synthese. Ergosterol ist ein wichtiger Baustein der Zellmembran von Pilzen – vergleichbar mit Cholesterin in menschlichen Zellen. Fehlt Ergosterol oder ist es beschädigt, kann die Pilzzelle nicht mehr richtig funktionieren und stirbt ab.
- Azole sind eine Wirkstoffklasse, die ein bestimmtes Enzym der Pilze (Lanosterol-14-Alpha-Demethylase) hemmt. Dieses Enzym ist entscheidend für die Bildung von Ergosterol. Wird es blockiert, entsteht kein Ergosterol mehr, die Membran des Pilzes wird instabil, und der Pilz kann sich nicht weiter vermehren oder stirbt sogar ab.
- Polyene wie Nystatin binden direkt an das Ergosterol in der Membran des Pilzes. Sie bilden dort kleine Löcher oder Poren. Durch diese Poren kann der Zellinhalt der Pilze austreten, was zum Tod der Pilzzelle führt.
- Andere Wirkstoffe, wie die Echinocandine, greifen die Zellwand der Pilze an. Sie hemmen die sogenannte Glucan-Synthase, ein Enzym, das für den Aufbau der Pilzzellwand unerlässlich ist. Ohne eine stabile Zellwand können Pilze nicht überleben.
Diese Wirkmechanismen zeigen, wie gezielt Antimykotika arbeiten, um Pilzinfektionen effektiv zu behandeln.
Die verschiedenen Arten von Antimykotika: Ein Überblick über Wirkstoffe
Die Welt der Antimykotika ist vielfältig und umfasst verschiedene Wirkstoffklassen, die je nach Art der Pilzinfektion und dem betroffenen Körperbereich eingesetzt werden.
Azole: Diese Klasse wird weiter unterteilt in Imidazole und Triazole.
- Imidazole wie Clotrimazol, Bifonazol und Miconazol finden Sie häufig in rezeptfreien Cremes und Salben, die bei Hautpilz oder Scheidenpilz zum Einsatz kommen. Sie wirken hauptsächlich lokal. Triazole wie Fluconazol, Itraconazol oder Voriconazol sind stärkere Wirkstoffe, die meist systemisch als Tabletten oder Infusion bei schwereren oder tiefsitzenden Infektionen eingesetzt werden.
- Allylamine und Morpholine: Zu den Allylaminen gehört zum Beispiel Terbinafin, das bei hartnäckigem Fußpilz oder Nagelpilz sowohl lokal als auch systemisch angewendet wird. Amorolfin ist ein Morpholin und häufig in medizinischen Nagellacken gegen Nagelpilz enthalten. Diese Wirkstoffe stören ebenfalls die Ergosterol-Synthese.
- Polyene: Nystatin ist ein bekanntes Polyen, das vor allem bei Candida-Hefepilzen, zum Beispiel bei Mundsoor oder Hautpilz, verwendet wird. Amphotericin B ist ein sehr starkes Polyen, das bei lebensbedrohlichen systemischen Pilzinfektionen zum Einsatz kommt.
- Echinocandine: Diese neuere Wirkstoffklasse, zu der zum Beispiel Caspofungin gehört, ist besonders wirksam gegen bestimmte Hefepilze wie Candida-Arten und Schimmelpilze. Sie wirken, indem sie die Pilzzellwand angreifen.
Rezeptfrei oder verschreibungspflichtig? Wann Sie zum Arzt sollten
Die Verfügbarkeit von Antimykotika hängt stark von ihrer Art und Wirkungsweise ab.
- Rezeptfreie Antimykotika: Viele lokale Präparate zur Behandlung von leichten Pilzinfektionen sind ohne Rezept in der Apotheke erhältlich. Dazu gehören Cremes gegen Fußpilz, Salben gegen Hautpilz, Vaginaltabletten gegen Scheidenpilz oder medizinische Nagellacke gegen Nagelpilz.
Wichtiger Hinweis: Echte Antimykotika sind immer apothekenpflichtig. Das bedeutet, Sie bekommen sie ausschließlich in einer Apotheke, wo Sie auch eine pharmazeutische Beratung zur richtigen Anwendung erhalten. Sie sind nicht im Supermarkt oder in Drogerien frei verkäuflich.
- Verschreibungspflichtige Antimykotika: Verschreibungspflichtige Antimykotika, die systemisch wirken und in Form von Tabletten oder als Infusion verabreicht werden, sind aufgrund ihrer stärkeren Wirkung und möglicher Nebenwirkungen grundsätzlich verschreibungspflichtig. Wirkstoffe wie Fluconazol oder Itraconazol müssen ärztlich verordnet und die Behandlung überwacht werden.
Wann Sie zum Arzt sollten:
Bei folgenden Anzeichen ist ein Arztbesuch ratsam:
- Wenn sich eine Pilzinfektion trotz rezeptfreier Mittel nicht bessert oder sogar verschlimmert.
- Bei Verdacht auf eine tiefergehende oder ausgedehnte Infektion.
- Wenn Sie unter chronischen Erkrankungen leiden oder andere Medikamente einnehmen.
- Bei Pilzinfektionen im Gesicht, an den Schleimhäuten oder bei Verdacht auf eine innere Infektion.
Wichtige Hinweise zur Anwendung: Nebenwirkungen, Wechselwirkungen und Risiken
Wie alle Medikamente können auch Antimykotika Nebenwirkungen haben und mit anderen Medikamenten in Wechselwirkung treten. Eine korrekte Anwendung ist entscheidend, um Risiken zu minimieren und die Wirksamkeit zu gewährleisten.
- Nebenwirkungen:
- Lokale Antimykotika: Bei der Anwendung von Cremes oder Salben können manchmal milde Hautreaktionen auftreten, wie Rötung, leichtes Brennen oder Juckreiz. Diese sind meist vorübergehend.
- Systemische Antimykotika: Hier können die Nebenwirkungen vielfältiger sein. Dazu gehören Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit oder Bauchschmerzen, Kopfschmerzen oder Hautausschläge. Da einige systemische Antimykotika die Leber belasten können, sind regelmäßige Blutuntersuchungen zur Kontrolle der Leberwerte wichtig. In seltenen Fällen sind auch schwerwiegende Leberschäden möglich.
- Wechselwirkungen: Besonders die Azole können ein Enzymsystem in der Leber, die sogenannten Cytochrom-P450-Enzyme, hemmen. Dieses Enzymsystem ist für den Abbau vieler anderer Medikamente zuständig. Eine Hemmung kann dazu führen, dass die Spiegel anderer gleichzeitig eingenommener Medikamente im Blut gefährlich ansteigen. Dies kann schwerwiegende Folgen haben, etwa bei bestimmten Blutverdünnern, Herzmedikamenten oder Cholesterinsenkern. Informieren Sie Ihren Arzt oder Apotheker daher immer über alle Medikamente, die Sie einnehmen.
- Resistenzrisiko: Eine zu kurze oder unsachgemäße Anwendung von Antimykotika kann dazu führen, dass die Pilze nicht vollständig abgetötet werden. Die überlebenden Pilze können eine Resistenz entwickeln, das heißt, sie werden unempfindlich gegenüber dem verwendeten Medikament. Dies erschwert spätere Behandlungen erheblich. Halten Sie sich daher immer genau an die Anweisungen Ihres Arztes oder Apothekers und die Behandlungsdauer, auch wenn sich die Symptome bereits bessern.
Besondere Vorsicht bei Kindern, Schwangeren und Stillenden
In bestimmten Lebensphasen ist bei der Anwendung von Antimykotika besondere Vorsicht geboten.
- Schwangerschaft und Stillzeit: Während der Schwangerschaft und Stillzeit sind die meisten systemischen Antimykotika, insbesondere bestimmte Triazole wie Fluconazol, nur bei zwingender Notwendigkeit und nach sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiko einsetzbar, oft gelten sie als kontraindiziert. Der Arzt wird dann bevorzugt gut untersuchte, lokale Wirkstoffe wie Clotrimazol wählen, allerdings nur nach ärztlicher Rücksprache.
- Kinder: Auch bei Kindern müssen Dosierung und Behandlungsdauer altersgerecht angepasst werden, um Nebenwirkungen zu vermeiden. Die Behandlung sollte stets unter ärztlicher Aufsicht erfolgen, um eine effektive und sichere Therapie zu gewährleisten und einer Resistenz-Entwicklung vorzubeugen.
Informieren Sie Ihren Arzt oder Apotheker immer, wenn Sie schwanger sind, stillen oder Medikamente für ein Kind benötigen.
Fazit
Antimykotika sind wichtige Medikamente zur Behandlung von Pilzinfektionen. Ob lokal als Creme oder systemisch als Tablette – die korrekte Anwendung und die Einhaltung der Therapiedauer sind entscheidend für den Erfolg und zur Vermeidung von Resistenzen. Holen Sie bei Unsicherheiten, anhaltenden Beschwerden oder bei der Einnahme anderer Medikamente immer ärztlichen oder pharmazeutischen Rat ein.
Häufige Fragen (FAQ)
Quellen & weiterführende Informationen
- https://www.netdoktor.de/krankheiten/pilzinfektionen/
- https://www.onmeda.de/krankheiten/pilzinfektionen.html
Allgemeiner Hinweis: In unseren Ratgebern verwenden wir für die bessere Lesbarkeit überwiegend das generische Maskulinum. Gemeint sind damit aber auch Angehörige des weiblichen Geschlechts und anderer Geschlechtsidentitäten.

Über unsere Autorin:
Kristin Schöfisch | Pharmazeutische Kundenbetreuung
Mein Beruf als Pharmazeutisch-technische Assistentin beinhaltet die qualifizierte Beratung zu allen Fragen rund um Gesundheitsthemen, Arzneimittel, Medizinprodukte und Nahrungsergänzungsmittel. Durch meine Weiterbildung zur Fach-PTA für Homöopathie und Naturheilverfahren verfüge ich über eine besondere Spezialisierung in der Beratung zu pflanzlichen Arzneimitteln und komplementären Behandlungsmethoden. Um stets fachlich auf dem Laufenden zu sein und Ihnen die beste Beratung zu bieten, ist die regelmäßige Fortbildung unerlässlich. Mehr über Kristin Schöfisch
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