Metronidazol: Ein wichtiges Medikament gegen Bakterien und Parasiten

✓ Pharmazeutisch geprüft - Lesezeit: 5 Minuten

Von Carolin Schulze, Apothekerin bei mycare.de
Aktualisiert: 01.09.2026

Junge Frau traegt eine Creme auf geroetete Haut im Gesicht auf und betrachtet sich im Handspiegel

Metronidazol ist ein wirksames Medikament, das Ärzte oft bei verschiedenen Infektionen verschreiben. Ob bei bakteriellen Entzündungen im Darm, bei Rosacea auf der Haut oder bestimmten Parasiteninfektionen – Metronidazol findet breite Anwendung. Doch wie genau wirkt dieser Arzneistoff, welche Nebenwirkungen kann er haben und worauf müssen Sie bei der Einnahme besonders achten? Dieser Ratgeber erklärt Ihnen die wichtigsten Fakten zu Metronidazol, damit Sie gut informiert sind.

Wie Metronidazol wirkt: Ein zielgerichteter Mechanismus

Metronidazol gehört zu einer Medikamentengruppe namens Nitroimidazole. Es ist ein sogenanntes Prodrug. Das bedeutet, es wird erst im Körper aktiv. Seine besondere Stärke liegt darin, dass es gezielt gegen bestimmte Bakterien und Parasiten vorgeht, die unter sauerstoffarmen Bedingungen leben. Fachleute nennen diese Keime „anaerobe Bakterien“ und „Protozoen“.

In diesen Keimen wandeln Stoffwechselvorgänge das Metronidazol um. Dabei entstehen reaktive Stoffe. Diese Stoffe schädigen dann die DNA der Keime und verursachen Brüche in den DNA-Strängen. Das führt dazu, dass die Keime absterben. Gesunde Körperzellen bleiben dabei weitgehend unversehrt. Der Grund: In ihnen fehlt der spezielle sauerstoffarme Stoffwechsel, der Metronidazol aktiviert. Oder Sauerstoff inaktiviert die schädlichen Stoffe schnell wieder.

Breite Anwendungsgebiete: Viele Einsatzbereiche

Metronidazol wurde 1959 eingeführt und hat sich seitdem als Standardtherapie für zahlreiche Infektionen etabliert. Es kommt in verschiedenen medizinischen Bereichen zum Einsatz:

  • Magen-Darm-Bereich (Gastroenterologie): Ärzte setzen es bei bestimmten bakteriellen Darminfektionen ein, zum Beispiel bei der pseudomembranösen Kolitis. Auch bei der Bekämpfung von Helicobacter pylori, einem Bakterium, das Magengeschwüre verursachen kann, gehört Metronidazol oft zu einer Kombinationstherapie.
  • Frauenheilkunde (Gynäkologie): Hier ist Metronidazol ein wichtiges Mittel bei bakterieller Vaginose und Trichomoniasis. Es steht sowohl als Tablette zum Einnehmen als auch als Vaginalzäpfchen zur Verfügung.
  • Hautheilkunde (Dermatologie): Bei der entzündlichen Hauterkrankung Rosacea verwenden Ärzte Metronidazol oft äußerlich als Creme oder Gel.
  • Zahnmedizin (Parodontologie): Bei schweren Entzündungen des Zahnhalteapparates (Parodontitis) oder Infektionen um Zahnimplantate herum kommt Metronidazol systemisch (im ganzen Körper wirkend) oder lokal zum Einsatz.
  • Tiermedizin: Auch bei Tieren, etwa Hunden mit Giardienbefall, findet Metronidazol Anwendung. Hier ist es jedoch unerlässlich, dass ein Tierarzt das Medikament verschreibt.

Infografik Metronidazol: Anwendungsgebiete, Darreichungsformen, Nebenwirkungen

Formen, Dosierung und Therapiedauer

Metronidazol ist in vielen verschiedenen Formen erhältlich:

  • Tabletten (oft 250 mg oder 400 mg)
  • Lösungen für Infusionen
  • Vaginalzäpfchen
  • Cremes und Gele für die Haut

Bei Erwachsenen liegen die üblichen oralen Dosierungen meist zwischen 500 und 1500 mg pro Tag. Diese Menge verteilt sich auf zwei bis drei Einzeldosen.

Bei manchen Infektionen kann auch eine einmalige Gabe von 2 Gramm erforderlich sein. Die Behandlungsdauer liegt normalerweise zwischen 5 und 10 Tagen. Die Fachinformationen empfehlen oft eine maximale Dauer von 10 Tagen und seltene Wiederholungen, um Nebenwirkungen und Resistenzentwicklungen zu vermeiden.

Kinder erhalten eine an ihr Gewicht angepasste Dosierung. Für Tiere wie Hunde oder Katzen legt der Tierarzt ebenfalls individuelle Dosierungen fest.

Metronidazol verbleibt etwa 6 bis 9 Stunden im menschlichen Körper. Daher ist eine regelmäßige Einnahme wichtig. Falls Sie eine Dosis vergessen haben, gleichen Sie diese nicht durch eine doppelte Menge aus. Nehmen Sie die nächste Dosis einfach zum geplanten Zeitpunkt ein.

Mögliche Nebenwirkungen und seltene Komplikationen

Wie jedes Medikament kann auch Metronidazol Nebenwirkungen hervorrufen. Häufig betreffen diese den Magen-Darm-Trakt:

  • Übelkeit
  • Bauchschmerzen
  • Erbrechen
  • Durchfall

Oft begleitet ein charakteristischer metallischer Geschmack im Mund die Einnahme. Auch Kopfschmerzen, Schwindel und Müdigkeit können auftreten. Gelegentlich kommt es zu allergischen Hautreaktionen wie Ausschlag oder Juckreiz.

Bei einer längeren oder sehr hoch dosierten Therapie sind selten neurologische Nebenwirkungen möglich. Dazu gehören:

  • Periphere Polyneuropathien: Kribbeln oder Taubheitsgefühle an Händen und Füßen.
  • Sehr selten Krampfanfälle.

Deshalb sollte eine Einnahme über die empfohlene Dauer hinaus stets ärztlich streng überwacht werden.

Auch Veränderungen im Blutbild, wie eine vorübergehende Verringerung der weißen Blutkörperchen, sind beschrieben.

Insgesamt ist Metronidazol bei korrekter Anwendung ein wirksames Medikament. Es ist jedoch nicht nebenwirkungsfrei und muss stets verantwortungsvoll und unter ärztlicher Kontrolle eingesetzt werden.

Wann Metronidazol nicht angewendet werden darf: Kontraindikationen

Metronidazol darf nicht angewendet werden, wenn Sie bekanntermaßen überempfindlich auf den Wirkstoff oder andere Nitroimidazole reagieren. Besondere Vorsicht ist in folgenden Situationen geboten:

  • Schwangerschaft: Im ersten Drittel der Schwangerschaft wird Metronidazol normalerweise nicht eingesetzt. Ärzte bevorzugen hier andere Therapien. Ab dem zweiten Drittel wägt der Arzt den Nutzen und die möglichen Risiken sorgfältig ab.
  • Stillzeit: Auch in der Stillzeit prüft der Arzt die Anwendung kritisch. Je nach Dosis kann es sinnvoll sein, das Stillen für eine kurze Zeit zu unterbrechen.
  • Schwere Lebererkrankungen: Bei einer schweren Leberfunktionsstörung ist oft eine Dosisanpassung nötig oder das Medikament sollte ganz vermieden werden, da Metronidazol in der Leber abgebaut wird.
  • Erkrankungen des zentralen Nervensystems: Wenn Sie bereits schwere Erkrankungen des zentralen Nervensystems, wie zum Beispiel Epilepsie, haben, muss Metronidazol mit großer Vorsicht eingesetzt werden. Neurologische Nebenwirkungen könnten sich verstärken.
  • Blutbildveränderungen: Hatten Sie früher bereits Veränderungen im Blutbild unter Metronidazol oder ähnlichen Medikamenten, überwacht der Arzt die Behandlung besonders sorgfältig.

Ohne ärztliche Verordnung sollten Sie Metronidazol in diesen Fällen keinesfalls eigenmächtig anwenden!

Wichtiger Hinweis: Striktes Alkoholverbot während der Therapie

Während der Behandlung mit Metronidazol und für eine bestimmte Zeit danach müssen Sie strikt auf Alkohol verzichten. Warum ist das so wichtig? Metronidazol kann den Abbau von Alkohol im Körper stören. Dadurch sammelt sich ein Stoff namens Acetaldehyd an. Dies führt zu einer sogenannten Disulfiram-ähnlichen Reaktion. Die Symptome sind sehr unangenehm und können bei höherem Alkoholkonsum sogar lebensbedrohlich werden:

  • Starke Übelkeit
  • Erbrechen
  • Kopfschmerzen
  • Hitzewallungen (Flush)
  • Herzklopfen
  • Blutdruckabfall

Die Fachinformationen empfehlen, während der Therapie und noch mindestens 48 Stunden, manchmal sogar bis zu zwei Wochen nach der letzten Einnahme, keinen Alkohol zu trinken. Der Grund: Abbauprodukte des Metronidazols können länger im Körper verbleiben.

Beachten Sie auch versteckten Alkohol in Speisen, Mischgetränken oder anderen Medikamenten. Ein „kleines Glas“ oder „nur Bier“ ist in dieser Zeit nicht unbedenklich.

Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln

Metronidazol kann die Wirkung anderer Medikamente beeinflussen:

  • Blutverdünner: Es kann die Wirkung von Cumarin-Derivaten wie Warfarin verstärken. Dies hemmt deren Abbau in der Leber und erhöht das Blutungsrisiko. Eine engmaschige Kontrolle der Blutgerinnung (INR-Werte) ist dann nötig.
  • Lithium: Die Kombination mit Lithium kann zu erhöhten Lithiumspiegeln und damit zu einer verstärkten Giftigkeit führen. Der Arzt sollte eine Dosisanpassung oder eine alternative Therapie in Betracht ziehen.
  • Disulfiram: Die gleichzeitige Einnahme von Metronidazol und Disulfiram kann schwere psychische oder neurologische Reaktionen auslösen und ist daher verboten.
  • Cimetidin: Dieses Medikament kann den Abbau von Metronidazol verlangsamen und so dessen Konzentration im Blut erhöhen.
  • Enzyminduktoren (z.B. Barbiturate): Diese können die Wirkung von Metronidazol abschwächen.
  • Medikamente, die die Krampfschwelle senken: Bei gleichzeitiger Anwendung solcher Mittel, wie zum Beispiel bestimmten Antidepressiva, ist Vorsicht geboten, da Metronidazol selbst selten Krampfanfälle auslösen kann.

Vor Beginn der Therapie überprüft Ihr Arzt sorgfältig alle möglichen Wechselwirkungen.

Metronidazol bei H. pylori-Eradikation und Parodontitistherapie

Metronidazol spielt in zwei speziellen Therapiebereichen eine wichtige Rolle:

  • Helicobacter pylori-Eradikation: In Regionen, in denen das Bakterium H. pylori gegen das Antibiotikum Clarithromycin resistent ist, wird Metronidazol oft als Teil einer speziellen Vierfachtherapie eingesetzt. Diese Therapie beinhaltet neben Metronidazol einen Protonenpumpenhemmer (z.B. Omeprazol), Tetracyclin und Bismuthsalze. Protonenpumpenhemmer erhöhen den pH-Wert im Magen. Das verbessert die Stabilität und Wirksamkeit von Metronidazol gegen H. pylori.
  • Parodontitistherapie: Bei schweren Zahnfleischentzündungen mit überwiegend anaeroben Keimen in den Zahnfleischtaschen kann Metronidazol systemisch zur Unterstützung der mechanischen Reinigung (Scaling und Root Planing) verwendet werden. Ziel ist es, die Keimlast im Zahnhalteapparat zu senken.

In beiden Fällen erfolgt der Einsatz nach strenger ärztlicher Entscheidung. Eine unnötige oder wiederholte Gabe kann Resistenzentwicklungen und Nebenwirkungen fördern. Metronidazol ist hier immer Teil eines umfassenden Behandlungskonzepts, das weitere Maßnahmen oder Antibiotika einschließt.

Metronidazol in der Tiermedizin: Hilfe bei Giardien beim Hund

In der Tiermedizin setzen Tierärzte Metronidazol vor allem bei Protozoeninfektionen ein. Ein häufiges Beispiel ist der Giardienbefall beim Hund, der zu chronischem oder wiederkehrendem Durchfall führen kann.

Nach einer Diagnose durch Kotuntersuchungen stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung, darunter auch metronidazolhaltige Präparate. Der Tierarzt entscheidet individuell, welches Mittel in welcher Dosierung und für welche Dauer angewendet wird. Typischerweise dauert die Therapie einige Tage, oft etwa fünf Tage, obwohl die Infektion insgesamt mehrere Wochen andauern kann.

Nach der Behandlung sind Kontrolluntersuchungen des Kots wichtig. So stellen Sie sicher, dass die Giardien tatsächlich vollständig beseitigt wurden.

Wichtig: Verwenden Sie niemals tiermedizinische Metronidazol-Produkte eigenmächtig bei sich selbst und umgekehrt. Dosierungen, Hilfsstoffe und Zulassungen unterscheiden sich erheblich.

Fazit

Metronidazol ist ein wirksames Medikament gegen eine Vielzahl bakterieller und parasitärer Infektionen. Es hilft bei Problemen im Magen-Darm-Trakt, in der Gynäkologie, Dermatologie und Zahnmedizin. Beachten Sie stets die ärztliche Verordnung, die richtige Dosierung und die strikte Vermeidung von Alkohol. Informieren Sie Ihren Arzt über alle Medikamente, die Sie einnehmen, und eventuelle Vorerkrankungen. So stellen Sie eine sichere und effektive Behandlung sicher.

Häufige Fragen (FAQ)

Welche Nebenwirkungen hat Metronidazol?
Wie lange wird Metronidazol bei einer Darmentzündung eingenommen?
Wofür nimmt man Metronidazol?
Ist Metronidazol verschreibungspflichtig?
Wie lange braucht Metronidazol, bis es wirkt?
Darf ich unter Metronidazol Alkohol trinken?
Ist Metronidazol krebserregend?

Quellen & weiterführende Informationen

  1. https://www.zooplus.de/magazin/hund/hundegesundheit-pflege/giardien
  2. https://www.frontiersin.org/journals/microbiology/articles/10.3389/fmicb.2026.1947561/full
  3. https://glabrio.de/hautpflege/rosazea-beim-mann

Allgemeiner Hinweis: In unseren Ratgebern verwenden wir für die bessere Lesbarkeit überwiegend das generische Maskulinum. Gemeint sind damit aber auch Angehörige des weiblichen Geschlechts und anderer Geschlechtsidentitäten.

Autorin Apothekerin Carolin Schulze

Über unsere Autorin:

Carolin Schulze | Apothekerin in der Robert-Koch-Apotheke
Als Fachapothekerin für Allgemeinpharmazie berate ich kompetent und individuell zu allen Gesundheitsthemen. Eine umfassende und vertrauensvolle Beratung der Patienten ist mir sehr wichtig. Als Leiterin der Rezeptur- und Defekturherstellung liegt mein Fokus zudem auf der sorgfältigen Entwicklung maßgeschneiderter Arzneimittel – stets mit dem Anspruch, eine vertrauensvolle und qualitativ hochwertige Betreuung zu bieten. Mehr über C. Schulze

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