Ibuprofen in der Schwangerschaft und Stillzeit: Ein umfassender Ratgeber
✓ Pharmazeutisch geprüft - Lesezeit: 5 Minuten
Von Marcus Schulze, Apotheker bei mycare.de
Aktualisiert: 16.09.2026
Viele Menschen greifen bei Schmerzen oder Fieber ganz selbstverständlich zu Ibuprofen. Doch was passiert, wenn Sie schwanger sind oder stillen und Schmerzen haben? Darf Ibuprofen dann eingenommen werden, oder gibt es Risiken für Sie und Ihr Baby? Dieser Ratgeber erklärt Ihnen genau, wann Ibuprofen in der Schwangerschaft und Stillzeit eine Option sein kann und wann Sie besser darauf verzichten sollten, um die Gesundheit Ihres Kindes nicht zu gefährden.
Ibuprofen: Wie es wirkt und warum es in der Schwangerschaft eine Rolle spielt
Ibuprofen gehört zur Gruppe der sogenannten nicht-steroidalen Antirheumatika, kurz NSAR. Dieser Wirkstoff wirkt, indem er bestimmte Enzyme namens Cyclooxygenasen (COX) hemmt. Dadurch verringert sich die Bildung von Prostaglandinen im Körper. Prostaglandine sind Stoffe, die Schmerzen, Entzündungen und Fieber verursachen. Eine verminderte Produktion führt also dazu, dass diese Beschwerden nachlassen.
In der Schwangerschaft spielen Prostaglandine jedoch eine entscheidende Rolle. Sie sind wichtig für die Durchblutung des ungeborenen Kindes, beeinflussen die Nierenfunktion des Fötus und bereiten den Körper auf die Geburt vor. Daher kann die Hemmung dieser wichtigen Stoffe in der Schwangerschaft besondere Risiken bergen.
Ibuprofen im 1. und 2. Trimester: Was Sie wissen sollten
Im ersten und zweiten Drittel der Schwangerschaft (1. und 2. Trimester) sollten Sie Ibuprofen nur nach strenger Abwägung und Rücksprache mit Ihrem Arzt einnehmen. Die Fachinformationen empfehlen, es dann in der niedrigsten wirksamen Dosis und für den kürzestmöglichen Zeitraum anzuwenden.
Wichtiger Hinweis: Ab etwa der 20. Schwangerschaftswoche steigt das Risiko für eine mögliche Nierenschädigung und Veränderungen der Blutgefäße beim Fetus. Nehmen Sie Ibuprofen über mehrere Tage ein, sollte Ihr Arzt prüfen, ob eine pränatale Überwachung, zum Beispiel durch Ultraschall, sinnvoll ist.
Warum Ibuprofen im 3. Trimester tabu ist: Risiken für Ihr Baby
Im letzten Drittel der Schwangerschaft (3. Trimester), insbesondere ab der 28. Schwangerschaftswoche, ist Ibuprofen strikt verboten. Die Risiken für das ungeborene Kind sind in dieser Phase zu hoch und können schwerwiegende Folgen haben:
- Verschluss des Ductus arteriosus: Ibuprofen kann dazu führen, dass sich ein wichtiges Blutgefäß im Herzen des Fötus, der sogenannte Ductus arteriosus, verengt oder sogar vorzeitig verschließt. Dieses Gefäß ist entscheidend für den Kreislauf des Babys vor der Geburt. Ein Verschluss kann Herz und Lunge des Kindes dauerhaft schädigen.
- Oligohydramnion: Die Anwendung von Ibuprofen ab der etwa 20. Woche kann mit einem Risiko für Oligohydramnion verbunden sein. Das bedeutet, dass sich die Fruchtwassermenge verringert. Dies hängt oft mit einer Störung der Nierenfunktion des ungeborenen Kindes zusammen. Meist bildet sich das Oligohydramnion nach dem Absetzen von Ibuprofen wieder zurück.
- Nierenfunktionsstörung: Die Nieren des Fötus können durch Ibuprofen beeinträchtigt werden. Diese Veränderungen können die Entwicklung des Kindes stark beeinflussen und sind der Hauptgrund für das absolute Verbot von Ibuprofen im späten Verlauf der Schwangerschaft.
Einfluss auf die Geburt: Wehen und Blutungen
Ibuprofen kann die Geburt auf zweierlei Weise beeinflussen:
- Wehenhemmung: Da Prostaglandine eine Schlüsselrolle bei der Auslösung und Aufrechterhaltung der Wehen spielen, kann Ibuprofen die Kontraktionen der Gebärmutter hemmen. Das bedeutet, die Geburt kann sich verzögern oder der Geburtsverlauf kann sich verlängern, wenn der Wirkstoff kurz vor der Geburt eingenommen wird.
- Erhöhtes Blutungsrisiko: Ibuprofen verlängert die Blutungszeit, da es die sogenannten Blutplättchen (Thrombozyten) hemmt, die für die Blutgerinnung wichtig sind. Dieses Risiko besteht auch schon bei niedrigen Dosen. Unter der Geburt kann dies das Risiko für stärkere Blutungen bei Mutter und Kind erhöhen. Diese Effekte tragen ebenfalls zur strikten Kontraindikation von Ibuprofen im dritten Trimester bei.
Ibuprofen in der Stillzeit: Eine sichere Wahl?
Anders als in der Schwangerschaft gilt Ibuprofen in der Stillzeit als bevorzugtes Schmerzmittel, wenn es kurzzeitig und in üblicher Dosierung eingenommen wird. Es ist neben Paracetamol eine der empfohlenen Optionen.
Der Grund: Nur sehr geringe Mengen von Ibuprofen und seinen Abbauprodukten gelangen in die Muttermilch. Bisher gibt es keine Berichte über relevante Nebenwirkungen oder Unverträglichkeiten bei gestillten Säuglingen, wenn die Mutter Ibuprofen therapeutisch anwendet. Eine Stillpause ist daher in der Regel nicht notwendig. Sprechen Sie aber sicherheitshalber mit Ihrem Arzt oder Apotheker, um die richtige Anwendung zu klären.
Alternative zu Ibuprofen in der Schwangerschaft: Paracetamol und andere Optionen
Wenn Sie schwanger sind und Schmerzen oder Fieber haben, gilt Paracetamol weltweit als Mittel der Wahl. Es wird von Experten wie Embryotox und dem Bundesgesundheitsministerium als grundsätzlich sicher eingestuft, solange Sie es korrekt dosieren. Wenden Sie es in der niedrigsten wirksamen Dosis und nur für kurze Zeit an.
Ergänzend können Ihnen auch nicht-medikamentöse Maßnahmen helfen:
- Ruhe und Entspannung
- Ausreichend Flüssigkeitszufuhr
- Kühle Kompressen bei Fieber oder Kopfschmerzen
- Pfefferminzöl, sanft auf die Schläfen massiert, kann bei Kopfschmerzen Linderung verschaffen.
Fahrtüchtigkeit: Ibuprofen und Ihr Alltag
In den meisten Fällen beeinträchtigt Ibuprofen die Fahrtüchtigkeit kaum, da es hauptsächlich im Körper wirkt und nicht müde macht. Allerdings können bei einigen Menschen Nebenwirkungen wie Schwindel, Müdigkeit oder Sehstörungen auftreten, besonders bei höheren Dosen oder wenn Sie empfindlich reagieren.
Sollten solche Symptome bei Ihnen auftreten, verzichten Sie bitte vorübergehend darauf, ein Fahrzeug zu führen oder Maschinen zu bedienen. Ihre Sicherheit und die Sicherheit anderer haben Vorrang.
Fazit
Die Einnahme von Ibuprofen in der Schwangerschaft erfordert besondere Vorsicht: Im ersten und zweiten Trimester nur nach ärztlicher Rücksprache und in geringer Dosis, im dritten Trimester ist es strikt untersagt. In der Stillzeit gilt Ibuprofen hingegen als sicheres Schmerzmittel. Sprechen Sie immer mit Ihrem Arzt oder Apotheker, um die beste und sicherste Lösung für Ihre Situation zu finden.
Häufige Fragen (FAQ)
Quellen & weiterführende Informationen
- https://www.tara24.at/apothekenpraxis/medikamente-in-der-stillzeit/
- https://www.tagesspiegel.de/gesundheit/folgen-fur-die-fruchtbarkeit-16032301.html
- https://www.pharmazeutische-zeitung.de/paracetamol-koennte-weiblichen-babys-schaden-168195/
Allgemeiner Hinweis: In unseren Ratgebern verwenden wir für die bessere Lesbarkeit überwiegend das generische Maskulinum. Gemeint sind damit aber auch Angehörige des weiblichen Geschlechts und anderer Geschlechtsidentitäten.

Über unseren Autor:
Marcus Schulze | Apotheker in der Kreisel-Apotheke
Ich bin seit 2016 Apotheker und seit Mitte 2017 bei mycare in der Kreisel-Apotheke tätig. Ich berate gerne umfassend zu allen Gesundheitsfragen. Durch ständiges Lernen nach dem Studium erweitere ich meine Beratungskompetenzen abseits der üblichen Medikamente, um so dem Kunden ein breites Wissen anbieten zu können. Mehr über M. Schulze
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