Borkenflechte erkennen und behandeln: Schnelle Hilfe bei Impetigo contagiosa

✓ Medizinisch geprüft - Lesezeit: 3 Minuten

Von Dr. Leonie Dolder, Medizinjounalistin
Aktualisiert: 26.06.2026

Ein Mädchen sitzt in einem Arztzimmer und schaut zu einem Arzt, der blaue Handschuhe trägt. Neben ihr sitzt eine erwachsene Frau, die ihre Hand hält, wahrscheinlich ihre Mutter.

Die Borkenflechte, medizinisch Impetigo contagiosa genannt, ist eine weit verbreitete und hoch ansteckende bakterielle Hautinfektion. Sie zeigt sich besonders häufig im Gesicht und an den Händen und betrifft oft Kinder. Doch auch Erwachsene können erkranken. Die gute Nachricht: Eine frühzeitige und gezielte Behandlung führt meist schnell zur Heilung. Dieser Ratgeber erklärt Ihnen, wie Sie eine Borkenflechte erkennen, welche Erreger sie verursachen, welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt und wie Sie eine Ansteckung vermeiden können.

Was ist Borkenflechte? Ursachen und bakterielle Erreger

Die Borkenflechte, in der Medizin Impetigo contagiosa genannt, ist eine oberflächliche bakterielle Hautinfektion. Sie befällt vor allem die oberste Hautschicht, die Epidermis. Im Volksmund kennt man sie auch als Eiterflechte, Grindflechte oder Staphylodermie. Meist stecken Bakterien wie Staphylococcus aureus oder Streptococcus pyogenes hinter der Erkrankung. Ohne schnelle Behandlung kann sich die Infektion rasch ausbreiten und auf andere Personen übergehen. Eine zügige Therapie ist wichtig, um die Krankheitsdauer zu verkürzen und Komplikationen zu verhindern.

Symptome: Typische Anzeichen im Anfangsstadium erkennen

Am Anfang zeigen sich oft kleine, rote Flecken oder Papeln auf der Haut. Daraus entwickeln sich schnell Bläschen, die mit Flüssigkeit gefüllt sind und leicht aufplatzen. Die austretende Flüssigkeit trocknet dann zu den namensgebenden, weichen und honiggelben Krusten ein. Diese Krusten geben der Borkenflechte ihr typisches Aussehen.

Oft sind die Bereiche um Mund und Nase betroffen. Bei einer speziellen Form, der bullösen Impetigo, bilden sich größere, dünnwandige Blasen, die ebenfalls verkrusten. Der Juckreiz kann stark sein. Kratzen begünstigt die weitere Ausbreitung der Bakterien auf der eigenen Haut und die Ansteckung anderer Menschen. Fieber oder ein allgemeines Krankheitsgefühl sind selten, können aber bei sehr ausgedehnten oder komplizierten Verläufen auftreten.

Infografik Borkenflechte: Ursachen, Symptome und Behandlung

Betroffene Gruppen: Borkenflechte bei Kindern und Erwachsenen

Am häufigsten erkranken Säuglinge, Kleinkinder und Schulkinder. Ihre Hautbarriere ist noch empfindlicher und in Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindergärten oder Schulen stecken sie sich leicht gegenseitig an. Typische Stellen für die Herde sind Gesicht, Hände und Arme, manchmal auch der Rumpf.

Erwachsene erkranken seltener. Sie bekommen eher eine Borkenflechte, wenn ihre Hautbarriere geschwächt ist. Dies kann zum Beispiel bei Neurodermitis, chronischen Ekzemen oder kleinen Verletzungen durch Rasur oder Kratzen der Fall sein. Enger Körperkontakt spielt eine entscheidende Rolle bei der Übertragung. Deshalb tritt Borkenflechte in Familien, Kindergärten, Schulen und Pflegeeinrichtungen gehäuft auf.

Borkenflechte behandeln: Effektive Medikamente und Pflege

Der Therapiestandard ist eine Behandlung mit Antibiotika. Bei milderen Fällen kommt eine lokale Behandlung mit Salben oder Cremes zum Einsatz, die antibiotische Wirkstoffe wie Fusidinsäure enthalten. Bei ausgedehnten oder wiederkehrenden Fällen ist oft eine zusätzliche oder alleinige systemische Therapie mit Antibiotika-Tabletten notwendig.

Lokale Antibiotika-Salben tragen Sie dünn auf die gereinigten, von Krusten befreiten Hautstellen auf. Die Anwendung muss über mehrere Tage konsequent erfolgen. Apothekenprodukte wie antiseptische Lösungen, wundheilungsfördernde Cremes, rückfettende Waschsyndets und juckreizlindernde Präparate können die ärztliche Therapie sinnvoll unterstützen. Sie ersetzen jedoch nicht die notwendige antibiotische Behandlung. Hausmittel wie Kamillenumschläge oder rückfettende Salben können zwar Beschwerden lindern, bekämpfen aber die verursachenden Bakterien nicht zuverlässig.

Tipp:

Es ist wichtig, die Anweisungen Ihrer Ärztin oder Ihres Arztes genau zu befolgen. Beenden Sie die antibiotische Behandlung nicht vorzeitig, auch wenn die Haut schon besser aussieht. Dies hilft, die Bakterien vollständig zu eliminieren und Rückfälle zu vermeiden.

Hygienemaßnahmen: Ansteckung stoppen

Strikte Hygiene ist entscheidend, um die Ausbreitung der Borkenflechte zu verhindern und erneute Infektionen zu vermeiden. Beachten Sie besonders folgende Punkte:

  • Waschen Sie Ihre Hände häufig und gründlich mit Seife.
  • Halten Sie Fingernägel kurz geschnitten.
  • Versuchen Sie, die betroffenen Hautstellen nicht zu kratzen, um die Ausbreitung der Bakterien zu verhindern.
  • Wechseln Sie Handtücher und Bettwäsche täglich und waschen Sie diese bei hohen Temperaturen.
  • Reinigen Sie regelmäßig Spielzeug, Türklinken und andere häufig berührte Flächen.
  • Vermeiden Sie engen Körperkontakt wie Küssen im Bereich der infizierten Haut während der akuten Phase.

In Gemeinschaftseinrichtungen gelten zusätzliche Regeln nach dem Infektionsschutzgesetz: Betroffene Kinder oder Erwachsene dürfen Kitas, Schulen oder Pflegeheime vorübergehend nicht besuchen, bis sie nicht mehr ansteckend sind.

Fazit: Frühzeitige Therapie verkürzt den ansteckenden Hautausschlag

Bei einer frühzeitigen und konsequenten Behandlung mit passenden Antibiotika heilen die Hautveränderungen in der Regel innerhalb von sieben bis vierzehn Tagen ab. Meist bleiben keine Narben zurück, wenn nicht stark gekratzt wurde. Ohne Behandlung können die infizierten Stellen über Wochen bestehen bleiben, sich weiter ausbreiten und andere Personen anstecken.

Die Ansteckungsfähigkeit besteht grundsätzlich so lange, wie frische Bläschen, eitrige Wunden oder feuchte Krusten auf der Haut vorhanden sind. Sobald eine wirksame antibiotische Behandlung beginnt, sinkt die Infektiosität jedoch schnell. Nach etwa 24 Stunden adäquater Therapie gelten die meisten Patienten als nicht mehr ansteckend, vorausgesetzt, die Wunden trocknen deutlich ab und es tritt kein Sekret mehr aus.

Mögliche Komplikationen und Warnzeichen

Die unkomplizierte Borkenflechte verläuft meist harmlos. Eine unzureichende Behandlung kann jedoch zu Komplikationen führen. Dazu gehören tiefere Hautinfektionen wie Zellulitis oder Lymphangitis, die sich durch rote Streifen entlang der Lymphbahnen zeigen können. In seltenen Fällen können auch systemische Infektionen entstehen. Nach Infektionen mit Streptokokken können in Ausnahmefällen immunvermittelte Folgeerkrankungen wie eine Nierenentzündung (poststreptokokkenbedingte Glomerulonephritis) auftreten.

Warnzeichen, die sofort eine ärztliche Vorstellung erfordern, sind:

  • Hohes Fieber
  • Starke Schmerzen
  • Rasche Zunahme von Rötung oder Schwellung
  • Rote Streifen, die von der Wunde wegführen

Diese Anzeichen können auf eine Ausbreitung der Infektion hindeuten. Suchen Sie in solchen Fällen umgehend eine Ärztin oder einen Arzt auf, gegebenenfalls in einer Klinik, um eine Ausbreitung zu stoppen und Komplikationen zu vermeiden.

Fazit

Die Borkenflechte ist eine hochansteckende bakterielle Hautinfektion, die sich besonders bei Kindern schnell ausbreitet. Sie erkennen sie an den typischen honiggelben Krusten, die aus aufgeplatzten Bläschen entstehen. Eine gezielte antibiotische Behandlung ist entscheidend für eine rasche Heilung und verhindert Komplikationen. Strenge Hygienemaßnahmen sind essenziell, um die Ausbreitung zu stoppen und andere zu schützen. Suchen Sie bei Verdacht auf Borkenflechte immer eine Ärztin oder einen Arzt auf.

 

Häufig gestellte Fragen rund um die Borkenflechte

Wie bekommt man Borkenflechte weg?
Wie lange ist man mit Borkenflechte ansteckend?
Ist die Borkenflechte meldepflichtig?
Warum bekommt man Borkenflechte?
Wie lange dauert eine Borkenflechte?

Quellen & weiterführende Informationen

  1. https://gesund.bund.de/borkenflechte#auf-einen-blick
  2. https://www.aponet.de/artikel/borkenflechte-impetigo-contagiosa--18827
  3. https://www.gesetze-im-internet.de/ifsg/__34.html

Allgemeiner Hinweis: In unseren Ratgebern verwenden wir für die bessere Lesbarkeit überwiegend das generische Maskulinum. Gemeint sind damit aber auch Angehörige des weiblichen Geschlechts und anderer Geschlechtsidentitäten.

Autorin Ärztin Dr. Leonie Dolder

Über unsere Autorin:

Dr. Leonie Dolder | Ärztin
Ich bin Ärztin und medizinische Autorin aus Leidenschaft. Es liegt mir am Herzen, den Menschen Gesundheitsthemen näher zu bringen und Medizin verständlich zu erklären, denn ein gut informierter und aufgeklärter Patient kann sich besser um sein größtes Gut - seine Gesundheit - kümmern.
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