Vorbeugung und frühzeitige Erkennung von interstitieller Zystitis - Was Sie wissen sollten
✓ Medizinisch geprüft - Lesezeit: 3 Minuten
Von Dr. Leonie
Dolder, Medizinjournalistin
Aktualisiert: 25.09.2025
Interstitielle Zystitis ist eine chronische Blasenentzündung, die im Gegensatz zu einer typischen Harnwegsinfektion nicht durch Bakterien verursacht wird. Sie ist auch als schmerzhaftes Blasensyndrom bekannt. Typische Symptome sind Schmerzen und Druck im Beckenbereich sowie häufiger Harndrang, wobei die genauen Ursachen unklar sind. Auch Ernährung und Stress können die Beschwerden beeinflussen. Die Diagnose ist oft ein Ausschlussverfahren und da es keine Heilung gibt, ist das Ziel der Behandlung, die Symptome durch Medikamente, Physiotherapie oder Blaseninstillationen zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern.
Interstitielle Zystitis - kurz erklärt
Interstitielle Zystitis ist eine chronische Erkrankung des Harnblasenwandgewebes, die durch Schmerzen und Druck in der Blase sowie häufiges Wasserlassen gekennzeichnet ist. Sie wird auch als schmerzhafte Blasensyndrom (PBS) bezeichnet. Das Wort interstitiell heißt so viel wie “in den Zwischenräumen liegend” (z. B. von Gewebe). Zystitis heißt übersetzt Entzündung der Blase.
Menschen mit interstitieller Zystitis können starke Schmerzen im Beckenbereich verspüren, die sich oft verschlimmern, wenn die Blase voll ist und sich dann lindern, wenn sie entleert wird. Wichtig zu unterscheiden: Die interstitielle Zystitis ist eine nichtinfektiöse Blasenentzündung. Die Diagnose erfolgt durch Anamnese und Ausschluss anderer Erkrankungen klinisch und durch Zystoskopie und Biopsie.

Abgrenzung der interstitiellen Zystitis von einer Harnwegsinfektion
Interstitielle Zystitis unterscheidet sich von einer Harnwegsinfektion in mehreren Aspekten. Eine Harnwegsinfektion wird durch Erreger wie beispielsweise Bakterien verursacht, die in die Harnwege gelangen und eine Entzündung verursachen. Im Gegensatz dazu ist bei interstitieller Zystitis keine bakterielle Infektion nachweisbar. Die Symptome sind ähnlich, jedoch sind bei interstitiellen Zystitis die Schmerzen nicht unbedingt mit jeder Blasenentleerung verbunden.
Ursachen für eine Zystitis
Die genauen Ursachen für die interstitielle Zystitis sind nicht vollständig verstanden. Es wird angenommen, dass verschiedene Faktoren eine Rolle spielen können, darunter eine gestörte Blasenwand, eine abnormale Immunantwort, neurologische Probleme und eine gesteigerte Empfindlichkeit der Nerven in der Blase. Bei manchen Betroffenen werden die Symptome durch den Eisprung, die Menstruation, saisonale Allergien, physischen oder emotionalen Stress oder beim Geschlechtsverkehr schlimmer. Nahrungsmittel mit hohem Kaliumgehalt (z. B. Zitrusfrüchte, Schokolade, koffeinhaltige Getränke, Tomaten) können eine Verschlimmerung auslösen1. Tabak, Alkohol und stark gewürzte Speisen können die Symptome verschlechtern. Wird die Blasenwand narbig umgewandelt, nehmen Blasencompliance und -kapazität ab, woraus sich Harndrang und häufiges Wasserlassen resultieren oder sogar verschlechtern.
Risikofaktoren für interstitielle Zystitis
- Frauen haben ein höheres Risiko als Männer, an interstitieller Zystitis zu erkranken.
- Die Erkrankung tritt häufiger im mittleren Lebensalter auf.
- Eine familiäre Veranlagung könnte eine Rolle spielen.
- Vorherige Verletzungen oder Operationen im Bereich der Blase können das Risiko erhöhen.
- Personen mit anderen Autoimmunerkrankungen wie Lupus oder Fibromyalgie haben möglicherweise ein höheres Risiko.
Typische Symptome für interstitielle Zystitis
- Häufiges Wasserlassen, auch in der Nacht (Nykturie)
- Druckgefühl oder Schmerzen im Beckenbereich, oft verstärkt durch eine volle Blase
- Brennen oder Schmerzen beim Wasserlassen
- Schmerzen beim Geschlechtsverkehr (hier sollte unter anderem aber auch an Endometrios gedacht werden)
- Ein ständiges Gefühl, auf die Toilette zu müssen, auch wenn die Blase leer ist
- Blasenkrämpfe
Einfluss von Ernährung, Stress und Lebensstil auf Symptome der interstitiellen Zystitis
Ja, Ernährung, Stress und Lebensstil können die Symptome von interstitieller Zystitis beeinflussen. Bestimmte Lebensmittel und Getränke wie scharfe Speisen, Alkohol, koffeinhaltige Getränke und künstliche Süßstoffe können die Symptome verschlimmern.
Begleiterkrankungen
Menschen mit interstitieller Zystitis haben oft Begleiterkrankungen, die die Symptome verschlimmern können. Dazu gehören Reizdarmsyndrom, Fibromyalgie, Endometriose und Beckenbodendysfunktion.
Mögliche Komplikationen
Die interstitielle Zystitis kann zu verschiedenen Komplikationen führen, darunter eine Verschlechterung der Lebensqualität aufgrund chronischer Schmerzen und häufigem Wasserlassen. Zusätzlich kann sie zu psychischen Belastungen wie Angstzuständen und Depressionen führen. In einigen Fällen kann die Erkrankung auch zu Komplikationen wie Harnverhalt oder Beeinträchtigung der sexuellen Funktion führen.
Diagnose der interstitiellen Zystitis
Die Diagnose von interstitieller Zystitis kann eine Herausforderung darstellen, da es keine spezifischen Tests gibt, um die Erkrankung nachzuweisen. Der Arzt wird eine gründliche Anamnese, körperliche Untersuchungen und verschiedene Tests wie Urinuntersuchungen, Zystoskopie (eine Untersuchung der Blase mit einem flexiblen Instrument) und Urodynamik (eine Messung der Blasenfunktion) durchführen, um andere Erkrankungen auszuschließen und die Diagnose zu stellen.
Behandlungsmöglichkeiten
Die Behandlung von interstitieller Zystitis zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern.
- Schmerzmittel, entzündungshemmende Medikamente und Medikamente zur Stärkung der Blasenwand können verschrieben werden.
- Pflanzliche Arzneimittel helfen bei leichten Beschwerden.
- Medikamente können direkt in die Blase eingeführt werden, um Entzündungen zu reduzieren.
- Beckenbodenübungen können helfen, die Blasenfunktion zu verbessern und die Symptome zu lindern. Hier hilft die Physiotherapie.
- Eine elektrische Stimulation der Nerven kann helfen, die Symptome zu lindern.
- Akupunktur kann helfen, die Blasenfunktion zu regulieren und Schmerzen zu lindern.
Literatur:
- Interstitielle Zystitis - Urogenitaltrakt - MSD Manual Profi-Ausgabe (msdmanuals.com) (besucht am 31.05.2024).
Häufig gestellte Fragen rund um die interstitielle Zystitis
Allgemeiner Hinweis: In unseren Ratgebern verwenden wir für die bessere Lesbarkeit überwiegend das generische Maskulinum. Gemeint sind damit aber auch Angehörige des weiblichen Geschlechts und anderer Geschlechtsidentitäten.

Über unsere Autorin:
Dr. Leonie Dolder | Ärztin
Ich bin Ärztin und medizinische Autorin aus Leidenschaft. Es liegt mir am Herzen, den Menschen Gesundheitsthemen näher zu bringen und Medizin verständlich zu erklären, denn ein gut informierter und aufgeklärter Patient kann sich besser um sein größtes Gut - seine Gesundheit - kümmern.
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