Hashimoto: Alle wichtigen Fakten zur Autoimmunerkrankung
✓ Medizinisch geprüft - Lesezeit: 6 Minuten
Von Dr. Leonie
Dolder, Medizinjournalistin
Aktualisiert: 02.12.2025
Hashimoto-Thyreoiditis ist eine chronische Autoimmunerkrankung der Schilddrüse, bei welcher das Immunsystem fälschlicherweise das eigene Schilddrüsengewebe angreift und zerstört, was in der Folge zu einer Schilddrüsenunterfunktion führt. Diese Erkrankung betrifft Frauen bis zu zehnmal häufiger als Männer und wird durch genetische, hormonelle sowie Umweltfaktoren begünstigt. Typische Symptome der resultierenden Hormonmangels sind Müdigkeit, Gewichtszunahme und erhöhte Kälteempfindlichkeit. Die Diagnose erfolgt mittels Blutuntersuchung, wobei erhöhte Antikörperwerte und ein hohes TSH ausschlaggebend sind. Die Behandlung erfolgt lebenslang durch die tägliche Einnahme des Schilddrüsenhormons Levothyroxin, wobei regelmäßige ärztliche Kontrollen unerlässlich sind.
Hashimoto-Thyreoiditis - Definition
Hashimoto-Thyreoiditis ist eine chronische Autoimmunerkrankung der Schilddrüse. Das Immunsystem greift dabei irrtümlicherweise die eigene Schilddrüse an und zerstört sie.
Die Krankheit führt zur Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose). Betroffene leiden unter Müdigkeit, Gewichtszunahme und Kälteempfindlichkeit.
Die wichtigsten Fakten im Überblick:
- Häufigkeit: Betrifft vor allem Frauen (8-10x häufiger als Männer)
- Ursachen: Genetik, Umweltfaktoren, Hormone
- Diagnose: Blutuntersuchung auf Schilddrüsenwerte und Antikörper
- Behandlung: Lebenslange Hormonersatztherapie mit Levothyroxin
- Prognose: Bei guter Behandlung normale Lebenserwartung
Ursprung des Namens der Hashimoto-Krankheit
Der Name stammt vom japanischen Arzt Hakaru Hashimoto. Er beschrieb die Krankheit 1912 erstmals wissenschaftlich.
Hashimoto entdeckte Entzündungszellen in Schilddrüsen verstorbener Frauen. Diese Zellen hatten das Schilddrüsengewebe teilweise zerstört.
Unterschiede zwischen Hashimoto und anderen Schilddrüsenerkrankungen
Hashimoto vs. Andere Schilddrüsenerkrankungen:
- Hashimoto: Führt zur Schilddrüsenunterfunktion
- Basedow-Krankheit: Verursacht Schilddrüsenüberfunktion
- Jodmangel-Kropf: Entsteht durch Jodmangel, nicht durch Autoimmunreaktion
- Schilddrüsenkrebs: Bösartige Tumorbildung
Häufigkeit der Hashimoto-Thyreoiditis
Hashimoto ist die häufigste Autoimmunerkrankung der Schilddrüse. Frauen erkranken 8-10x häufiger als Männer.
Häufigkeits-Statistiken:
- Frauen: 1-2% der Bevölkerung betroffen
- Männer: 0,1-0,2% der Bevölkerung betroffen
- Familiäre Häufung: 50% genetisches Risiko bei Verwandten
Die Krankheit tritt oft zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr auf.
Ursachen der Hashimoto-Thyreoiditis
Die genauen Ursachen für Hashimoto sind nicht vollständig verstanden. Es wird davon ausgegangen, dass mehrere Faktoren zusammenwirken:
Genetische Faktoren
Menschen mit familiärer Vorgeschichte haben erhöhtes Risiko. Bestimmte Gene begünstigen Autoimmunreaktionen gegen die Schilddrüse.
Umweltfaktoren
- Chronischer Stress
- Rauchen
- Virale Infektionen (Epstein-Barr-Virus, Hepatitis C)
- Bakterielle Infektionen
- Schwermetalle (Quecksilber, Blei)
- Bestimmte Medikamente
Hormonelle Einflüsse
- Schwangerschaft: Immunsystem verändert sich
- Menopause: Hormonelle Umstellung
- Pubertät: Erste hormonelle Schwankungen
Frauen haben durch das Hormon Östrogen ein höheres Autoimmunrisiko.
Andere Autoimmunerkrankungen als häufige Begleiterkrankungen:
- Typ-1-Diabetes
- Rheumatoide Arthritis
- Lupus erythematodes
- Morbus Basedow
Wer bereits eine Autoimmunerkrankung hat, erkrankt häufiger an Hashimoto.
Symptome der Hashimoto-Thyreoiditis
Die Hashimoto-Symptome entwickeln sich langsam und werden oft übersehen. Sie entstehen durch den Schilddrüsenhormon-Mangel.
Erste Anzeichen von Hashimoto:
- Schmerzlose Schwellung der Schilddrüse
- Völlegefühl im Hals
- Leichte Müdigkeit
- Konzentrationsschwäche
Typische Hashimoto-Symptome
Zu den typischen Symptomen einer Hashimoto-Erkrankung gehören körperliche und psychische Beschwerden.
Körperliche Symptome:
- Müdigkeit: Extreme Erschöpfung trotz ausreichend Schlaf
- Gewichtszunahme: Unerklärliche Zunahme bei gleicher Ernährung
- Kälteempfindlichkeit: Frieren bei normalen Temperaturen
- Trockene Haut: Rissige, schuppige Haut
- Haarausfall: Dünne, brüchige Haare
- Verstopfung: Verlangsamte Verdauung
Psychische Symptome:
- Kälteempfindlichkeit: Depressive Verstimmungen
- Trockene Haut: Reizbarkeit
- Haarausfall: Gedächtnisprobleme
- Verstopfung: Konzentrationsstörungen
Weitere Symptome:
- Kälteempfindlichkeit: Heisere Stimme
- Trockene Haut: Langsame Sprache
- Haarausfall: Geschwollenes Gesicht
- Verstopfung: Verlangsamter Herzschlag
Hashimoto-Schub
Ein Hashimoto-Schub ist eine plötzliche Freisetzung großer Mengen Schilddrüsenhormone durch absterbendes Schilddrüsengewebe. Dieser Vorgang führt kurzzeitig zu Symptomen einer Schilddrüsenüberproduktion und erfordert sofortige ärztliche Behandlung.
Entstehung eines Hashimoto-Schubs
Zu Beginn der Erkrankung kann das noch bestehende Schilddrüsengewebe die fehlende Hormonproduktion meist gut ausgleichen. In der Folge wächst das funktionierende Gewebe der Schilddrüse und es kann sich ein sogenannter Kropf beziehungsweise Struma bilden.
Das absterbende Gewebe setzt große Mengen Hormone auf einmal frei. Auch die orale Einnahme von zu viel Schilddrüsenhormonen kann ebenfalls zu einer Schilddrüsenüberfunktion führen und ist eine der häufigsten Ursachen für einen niedrigen TSH- oder erhöhten T4-Spiegel.
Welche Symptome bei einem Hashimoto-Schub
Symptome eines Hashimoto-Schubs können sein:
Weitere Symptome:
- Herzrasen oder Herzrhythmusstörungen
- Unruhe oder Angstzustände
- Zittern
- Schwitzen
- Gewichtsverlust trotz erhöhten Appetits
- Müdigkeit
- Hitzeintoleranz
- Schlafstörungen
- Durchfall
Maßnahmen bei Hashimoto-Schub
Ein Hashimoto-Schub erfordert eine sofortige ärztliche Behandlung, um schwerwiegende Komplikationen zu vermeiden.
Diagnose der Hashimoto-Thyreoiditis
Die Diagnose von Hashimoto erfolgt durch Blutuntersuchungen und körperliche Untersuchung.
Laborwerte für Hashimoto-Diagnose:
- TSH: Meist erhöht (über 4,0 mU/l)
- fT3/fT4: Oft erniedrigt
- TPO-Antikörper: Meist stark erhöht (über 35 U/ml)
- Thyreoglobulin-Antikörper: Häufig erhöht
Weitere Untersuchungen
- Ultraschall: Zeigt Größe und Struktur der Schilddrüse
- Szintigrafie: Bei unklaren Befunden
- Körperliche Untersuchung: Abtasten der Schilddrüse
Die TPO-Antikörper sind bei 90% der Hashimoto-Patienten erhöht.
Behandlung der Hashimoto-Krankheit
Die Standardbehandlung ist die lebenslange Hormonersatztherapie. Diese gleicht den Hormonmangel aus.
Hauptmedikament: Levothyroxin
- Künstliches Schilddrüsenhormon T4
- Tägliche Einnahme morgens nüchtern
- Dosierung individuell angepasst
Regelmäßige Kontrollen:
- Alle 6-8 Wochen nach Therapiebeginn
- Alle 6-12 Monate bei stabiler Einstellung
- Bei Beschwerdeänderung sofort
Die Blutwerte müssen regelmäßig überwacht werden.
Rolle der Ernährung
Eine gesunde Ernährung unterstützt die Behandlung. Spezielle Hashimoto-Diäten sind meist nicht nötig.
Ernährungs-Empfehlungen:
- Viel Obst und Gemüse
- Vollkornprodukte
- Mageres Fleisch und Fisch
- Nüsse und Samen
Vorsicht bei:
- Jod: Nicht zusätzlich zuführen (kann Entzündung verstärken)
- Soja: Kann Medikamentenaufnahme stören
- Rohkost: Kohlgewächse nur in Maßen
Schädliche Faktoren vermeiden
- Rauchen aufhören
- Alkoholkonsum reduzieren
- Stress abbauen
Komplikationen bei unbehandelter Erkrankung
Unbehandelte Hashimoto-Thyreoiditis kann schwere Folgen haben.
Herz-Kreislauf-Komplikationen
- Herzerkrankungen und Rhythmusstörungen
- Hoher Blutdruck
- Erhöhtes Herzinfarktrisiko
- Herzinsuffizienz
Myxödemkoma: Lebensbedrohliche Komplikation bei schwerer Unterfunktion
- Bewusstseinseintrübung bis Koma
- Extreme Unterkühlung
- Sehr niedrige Herzfrequenz
- Notfall: Sofortige Intensivbehandlung nötig!
Fruchtbarkeitsprobleme bei Frauen
- Menstruationsstörungen
- Unfruchtbarkeit
- Erhöhtes Fehlgeburtsrisiko (3x höher)
- Schwangerschaftskomplikationen
Psychische Folgen
- Schwere Depressionen
- Angstzustände
- Gedächtnisprobleme
- Demenz-ähnliche Symptome
Schwangerschaft bei Hashimoto
Bei guter Hormoneinstellung sind normale Schwangerschaften möglich.
Vor der Schwangerschaft - wichtige Vorbereitung:
- TSH-Wert unter 2,5 mU/l einstellen
- Schilddrüsenwerte optimieren
- Folsäure supplementieren
Während der Schwangerschaft - besondere Überwachung nötig:
- Monatliche Blutkontrolle
- Häufig höhere Levothyroxin-Dosis nötig
- Engmaschige gynäkologische Betreuung
Risiken bei schlechter Einstellung:
- 3x höheres Fehlgeburtsrisiko
- Frühgeburt
- Präeklampsie
- Entwicklungsstörungen beim Kind
Bei optimaler Behandlung sind gesunde Kinder möglich.
Leben mit Hashimoto-Thyreoiditis
Mit der richtigen Behandlung ist ein normales Leben möglich. Die Lebenserwartung ist nicht eingeschränkt.
Alltag mit Hashimoto
- Medikamente täglich zur gleichen Zeit
- Regelmäßige Arzttermine einhalten
- Auf Körpersignale achten
- Stressmanagement praktizieren
Prognose und Lebenserwartung
- Lebenserwartung: Normal bei guter Behandlung
- Lebensqualität: Meist vollständige Normalisierung
- Therapiedauer: Lebenslang, aber gut verträglich
Literatur:
- https://www.deutsches-schilddruesenzentrum.de/pioniere-der-schilddruesenmedizin/ (abgerufen am 16.04.2024).
- Hashimoto-Thyreoiditis - Endokrine und metabolische Krankheiten - MSD Manual Profi-Ausgabe (msdmanuals.com) (abgerufen am 10.04.2024).
- Autoimmunthyreoiditis: Hashimoto-Thyreoiditis-Behandlung USZ (abgerufen am 10.04.2024).
Häufig gestellte Fragen rund um Hashimoto-Thyreoiditis
Allgemeiner Hinweis: In unseren Ratgebern verwenden wir für die bessere Lesbarkeit überwiegend das generische Maskulinum. Gemeint sind damit aber auch Angehörige des weiblichen Geschlechts und anderer Geschlechtsidentitäten.

Über unsere Autorin:
Dr. Leonie Dolder | Ärztin
Ich bin Ärztin und medizinische Autorin aus Leidenschaft. Es liegt mir am Herzen, den Menschen Gesundheitsthemen näher zu bringen und Medizin verständlich zu erklären, denn ein gut informierter und aufgeklärter Patient kann sich besser um sein größtes Gut - seine Gesundheit - kümmern.
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