Alle Fakten zum Alongshan-Virus

✓ Medizinisch geprüft - Lesezeit: 3 Minuten

Von Dr. Leonie Dolder, Medizinjournalistin
Aktualisiert: 25.09.2025

Eine Frau besprüht sich im Wald mit Insekten-Spray.

Das Alongshan-Virus (ALSV) ist ein 2017 in China entdecktes Flavivirus, das durch Zecken übertragen wird und sich inzwischen in Europa verbreitet hat. Es verursacht grippeähnliche Symptome wie Fieber und Kopfschmerzen, jedoch wurde bislang noch von keinen schweren Komplikationen berichtet. Da es weder eine spezifische Behandlung noch einen Impfstoff gibt, besteht der beste Schutz in der konsequenten Vermeidung von Zeckenstichen, etwa durch entsprechende Kleidung und sorgfältiges Absuchen nach dem Aufenthalt in der Natur.


Alongshan-Virus - kurz erklärt

Zecken können viele verschiedene Krankheitserreger übertragen, darunter auch Viren. Das erste Mal wurde das Alongshan-Virus (kurz ALS Virus oder ALSV) 2017 in einem Spital in der inneren Mongolei nachgewiesen. 2019 wurde ALSV zudem in Finnland entdeckt und Ende 2022 schließlich auch in der Schweiz. Das Alongshan-Virus gehört zur Familie der Flaviviren, zu der auch das FSME-Virus, das Dengue- und Zika-Virus und viele mehr gehören(3). Die Symptome scheinen sich meist ähnlich zu präsentieren wie bei einer Erkältung oder zu Beginn einer FSME-Ansteckung: Kopfschmerzen, Fieber, Müdigkeit, Muskelschmerzen und Gelenkschmerzen. Zudem deuten alle Ergebnisse darauf hin, dass die Krankheit von Zecken übertragen wird, jedoch Mücken als Überträger nicht ausgeschlossen werden können(2).

Infografik Alongshan-Virus: Symptome, Behandlung & Vorbeugung

Entdeckung des ALS-Virus

ALSV wurde im Jahr 2017 in China entdeckt. Chinesische Mediziner hätten damals Patienten behandelt, die nach einem Zeckenstich Symptome einer Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) wie Fieber und Kopfschmerzen gezeigt hätten.

Übertragung des Viruses

Als Wirt bezeichnet man ein Lebewesen, das einem in der Regel deutlich kleineren Organismus als vorübergehender oder dauernder Lebensraum dient. Das genaue Wirtsspektrum des ALS-Virus ist noch nicht vollständig bekannt. Bisher konnten Menschen, Rotwild, Rehe, Schafe, Ziegen und Pferde als Wirte identifiziert werden. Typische Krankheitsüberträger sind die Zeckenarten Ixodes ricinus und Ixodes persulcatus, sowie Dermacentor reticulatus(2). Das Virus wurde im Jahr 2021 in der Schweiz nachgewiesen, inzwischen gibt es Nachweise auch Russland, Finnland und Frankreich – auch in Deutschland gibt es erste Nachweise(3). Eine weite Verbreitung in Europa ist somit sehr wahrscheinlich.

Symptome des Alongshan-Virus

Typische Symptome sind Fieber und Kopfschmerzen, ähnlich wie zu Beginn einer Infektion mit FSME-Viren.

Mögliche Komplikationen bei ALSV

Schwere Erkrankungen, die über grippeähnliche Beschwerden hinausgehen, wurden mit einer ALSV-Infektion bislang noch nicht in Verbindung gebracht.

 Zusatzinfo: Durch Zecken übertragene Krankheitserreger können durchaus gefährlich sein. Bei einer nicht behandelten Borreliose kann es etwa zu schweren Entzündungen an Gelenken und Nerven kommen. Eine Frühsommer-Meningoenzephalitis kann sogar tödlich verlaufen, wenn gestochene Menschen nicht geimpft sind.

Behandlung des Alongshan-Viruses

Im Unterschied zum FSME-Virus gibt es für das ALS-Virus derzeit weder eine Impfung noch ein Nachweisverfahren. Es gibt derzeit keine spezifische antivirale Behandlung für das Alongshan-Virus. Die Behandlung konzentriert sich auf die Linderung der Symptome und die Unterstützung der betroffenen Personen. Gegen Fieber und Kopfschmerzen kann man Paracetamol einnehmen, um die Symptome zu lindern.

Schutz vor dem Virus

Da es aktuell weder ein standardisiertes Nachweisverfahren noch einen Impfstoff gegen ALSV gibt, kann man sich am besten schützen, indem man sich konsequent vor Zecken schützt. Bei einem Ausflug in die Natur oder auch in den Garten sollte man lange Kleidung tragen und sich mit Mückensprays einsprühen. Danach sollte man sich gründlich auf Zecken absuchen. Zecken mögen es warm, weshalb sie oft in Achselhöhlen und in der Genital- und Leistengegend oder aber hinter den Ohren anzutreffen sind.

Übrigens: Zecken überleben auch Wäschegänge bei 60°C. Wie Sie eine Zecke korrekt entfernen:

  • Die goldene Regel lautet: hautnah, langsam und kontrolliert.
  • Nehmen Sie nach Möglichkeit eine feine Pinzette, Zeckenkarte oder -zange zur Hand.
  • Befindet sich der Stich an einer schwer erreichbaren Stelle, bitten Sie eine Person um Hilfe.
  • Greifen Sie die Zecke so nahe an der Haut wie möglich, ohne sie zu quetschen. Drehen Sie die Zecke nicht aus der Haut!
  • Ziehen Sie die Zecke langsam, nicht ruckartig, sondern durch kontinuierlichen Zug heraus.
  • Vergessen Sie Hausmittel: Lassen Sie Nagellack, Öl, Alkohol oder Zahnpasta außen vor: Mit diesen Mitteln lassen sich Zecken nicht einfacher entfernen, vielmehr erhöhen diese möglicherweise das Infektionsrisiko.
  • Desinfizieren Sie die Einstichstelle, um die Heilung der Wunde zu unterstützen.
  • Sollten Sie unsicher sein, wie sich eine Zecke richtig entfernen lässt, suchen Sie einen Arzt oder eine Apotheke auf.

 

Literatur:

  1. Wang, Ze-Dong, et al. "A new segmented virus associated with human febrile illness in China." New England Journal of Medicine 380.22 (2019): 2116-2125.
  2. https://reisemedizin.uzh.ch/de/blog/neues_zeckenvirus (abgerufen am 20.12.2023).
  3. https://www.mdpi.com/2076-2607/11/3/543 (abgerufen am 20.12.2023).
  4. Stefanie Stegmüller, Cornel Fraefel, Jakub Kubacki. Complete Genome Sequence of Alongshan Virus sequenced from Ixodes ricinus ticks collected in Switzerland. Zenodo (CERN). 6. December 2022.




Häufig gestellte Fragen rund um das Alongshan-Virus

Was ist das Alongshan-Virus?
Welche Symptome löst das Alongshan-Virus aus?
Wie wird das Alongshan-Virus übertragen?
Wie kann ich mich vor dem Alongshan-Virus schützen?
Gibt es eine Behandlung für das Alongshan-Virus?

Allgemeiner Hinweis: In unseren Ratgebern verwenden wir für die bessere Lesbarkeit überwiegend das generische Maskulinum. Gemeint sind damit aber auch Angehörige des weiblichen Geschlechts und anderer Geschlechtsidentitäten.

Autorin Ärztin Dr. Leonie Dolder

Über unsere Autorin:

Dr. Leonie Dolder | Ärztin
Ich bin Ärztin und medizinische Autorin aus Leidenschaft. Es liegt mir am Herzen, den Menschen Gesundheitsthemen näher zu bringen und Medizin verständlich zu erklären, denn ein gut informierter und aufgeklärter Patient kann sich besser um sein größtes Gut - seine Gesundheit - kümmern.
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