Das Alongshan-Virus: Ein neuer Zeckenerreger und wie Sie sich schützen

✓ Medizinisch geprüft - Lesezeit: 4 Minuten

Von Dr. Leonie Dolder, Medizinjournalistin
Aktualisiert: 06.07.2026

Eine Frau besprüht sich im Wald mit Insekten-Spray.

Das Alongshan-Virus (ALSV) ist ein relativ junger Erreger, der erst 2017 in China entdeckt wurde und seitdem auch in europäischen Zecken und vereinzelt bei Menschen nachgewiesen wird. Eine Infektion äußert sich meist mit grippeähnlichen Symptomen wie Fieber und Kopfschmerzen. In diesem Ratgeber erfahren Sie alles Wichtige über das Alongshan-Virus, seine Übertragungswege, typische Symptome und wie Sie sich wirksam vor Zeckenstichen schützen können.

Alongshan-Virus: Ein neuer Zeckenerreger auf dem Vormarsch

Das Alongshan-Virus ist ein segmentiertes RNA-Virus, das erst vor wenigen Jahren bei Patienten in der Inneren Mongolei in China identifiziert wurde. Nachdem es zunächst in China auftauchte, verbreitete sich das Alongshan-Virus in den letzten Jahren auch nach Europa. Forscher haben den Erreger in Zecken, aber auch bei Menschen in Ländern wie Finnland, Frankreich, Deutschland, Italien, der Schweiz und Österreich gefunden. Das Alongshan-Virus gilt als „emerging“ oder neu auftretender Erreger, dessen Entwicklung aufmerksam verfolgt wird.

Infografik Alongshan-Virus: Symptome, Behandlung & Vorbeugung

Wie das Alongshan-Virus übertragen wird

Der wichtigste Weg, auf dem das Alongshan-Virus auf den Menschen übergeht, ist der Stich einer infizierten Zecke. In Europa spielt dabei vor allem der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus) eine Rolle, der auch für die Übertragung von FSME und Borreliose verantwortlich sein kann. Die Zecke gibt das Virus beim Saugakt über ihren Speichel direkt in die Haut und den Blutkreislauf des Wirts ab. Neben dem Menschen können auch Wild- und Nutztiere natürliche Wirte für das Alongshan-Virus sein. Aktuell gibt es keine Hinweise darauf, dass sich Menschen direkt untereinander anstecken können. Es wird noch erforscht, ob möglicherweise auch Stechmücken als Überträger eine Rolle spielen könnten, dies ist aber bisher nicht abschließend geklärt.

Symptome einer Alongshan-Virus-Infektion: Ähnlich einer Grippe

Wenn sich Menschen mit dem Alongshan-Virus infizieren, zeigen sich nach den bisherigen Beobachtungen meist unspezifische, grippeähnliche Symptome. Dazu gehören plötzlich einsetzendes Fieber, starke Kopfschmerzen, eine ausgeprägte Müdigkeit sowie Muskel- und Gelenkschmerzen. Diese Beschwerden sind anfangs kaum von einer gewöhnlichen Virusgrippe oder der Frühphase einer Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) zu unterscheiden. Meist klingen die Symptome innerhalb weniger Tage bis Wochen von selbst wieder ab, ohne dauerhafte Schäden zu hinterlassen.

Gibt es schwere Verläufe beim Alongshan-Virus?

Im Gegensatz zu anderen Zeckenkrankheiten wie Borreliose oder schweren Verläufen der FSME sind für das Alongshan-Virus bisher keine ernsten Komplikationen wie schwere neurologische Schäden, Lähmungen oder gar Todesfälle dokumentiert. Die bekannten Erkrankungen in China und Europa verliefen nach heutigem Kenntnisstand überwiegend mild und die Betroffenen erholten sich ohne bleibende Beschwerden. Da es sich jedoch um einen noch recht neuen Erreger handelt und die Anzahl gut dokumentierter Fälle begrenzt ist, ist die Einschätzung des Langzeitrisikos noch nicht vollständig gesichert. Daher ist weitere Forschung und Überwachung wichtig, um ein umfassendes Bild zu erhalten.

Behandlung und Impfung: Was tun bei einer Alongshan-Virus-Infektion?

Derzeit gibt es weder eine spezielle Schutzimpfung gegen das Alongshan-Virus noch gezielte antivirale Medikamente, die direkt gegen den Erreger wirken. Die Behandlung konzentriert sich daher auf die Linderung der Symptome. Fieber, Kopfschmerzen und Muskelschmerzen lassen sich beispielsweise mit bewährten fiebersenkenden und schmerzlindernden Wirkstoffen wie Paracetamol oder Ibuprofen behandeln. Hierzu sollten Sie sich stets ärztlich oder in Ihrer Apotheke beraten lassen. Wichtig ist auch, sich körperlich zu schonen, ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen und den Verlauf der Erkrankung zu beobachten. Standardisierte Labortests zum Nachweis des Alongshan-Virus sind in der regulären medizinischen Versorgung bisher kaum verfügbar und werden hauptsächlich in spezialisierten Forschungszentren durchgeführt.

Wichtiger Hinweis: Wenn Sie nach einem Zeckenstich grippeähnliche Symptome entwickeln, insbesondere hohes Fieber, starke Kopfschmerzen oder neurologische Auffälligkeiten, suchen Sie bitte umgehend eine Ärztin oder einen Arzt auf. Diese Beschwerden können auch auf andere, potenziell schwerere Zeckenkrankheiten wie FSME oder Borreliose hindeuten, die eine spezifische Behandlung erfordern. -> am besten so wie gerade auch, in dieser blauen Infobox

So schützen Sie sich vor dem Alongshan-Virus und Zeckenstichen

Da es keine Impfung gegen das Alongshan-Virus gibt, ist der beste Schutz die konsequente Vermeidung von Zeckenstichen. Besonders beim Aufenthalt in der Natur, wie in Wäldern, hohem Gras, Büschen oder im Unterholz, sollten Sie vorbeugende Maßnahmen ergreifen:

  • Kleidung: Tragen Sie lange Hosen und langärmelige Oberteile. Stecken Sie die Hosenbeine in die Socken, um Zecken den Zugang zur Haut zu erschweren.
  • Repellents: Nutzen Sie zeckenabweisende Insektensprays, sogenannte Repellents, die Wirkstoffe wie DEET oder Icaridin enthalten. Beachten Sie hierbei immer die Anwendungshinweise und Altersbeschränkungen.
  • Körper absuchen: Suchen Sie Ihren Körper nach jedem Aufenthalt im Freien gründlich nach Zecken ab. Achten Sie besonders auf warme und feuchte Stellen wie Kniekehlen, Leistenregion, Achseln und den Haaransatz.
  • Zecke entfernen: Entdecken Sie eine Zecke, entfernen Sie diese möglichst schnell und vorsichtig mit einer feinen Pinzette, Zeckenzange oder Zeckenkarte. Achten Sie darauf, die Zecke nicht zu quetschen oder zu drehen. Desinfizieren Sie die Einstichstelle anschließend gründlich.

Diese Maßnahmen schützen Sie nicht nur vor dem Alongshan-Virus, sondern auch vor anderen Zeckenkrankheiten wie FSME und Borreliose.

Fazit

Das Alongshan-Virus ist ein neuer, von Zecken übertragener Erreger, der sich von China bis nach Europa ausgebreitet hat. Obwohl die Infektion meist milde, grippeähnliche Symptome hervorruft und bislang keine schweren Komplikationen bekannt sind, ist konsequenter Zeckenschutz die wichtigste Präventionsstrategie. Da es keine Impfung oder spezifische Therapie gibt, lindert man die Symptome mit gängigen Schmerzmitteln und Schonung.

Häufig gestellte Fragen rund um das Alongshan-Virus

Was ist das Alongshan-Virus?
Welche Symptome löst das Alongshan-Virus aus?
Wie wird das Alongshan-Virus übertragen?
Wie kann ich mich vor dem Alongshan-Virus schützen?
Gibt es eine Behandlung für das Alongshan-Virus?
Sind schwere Komplikationen durch das Alongshan-Virus zu befürchten?

Literatur

  1. https://aerztezeitung.at/2026/oaz-artikel/medizin/im-fokus-alongshan-virus/
  2. https://www.tagesschau.de/thema/zecken
  3. https://virologisch.podigee.io/51-51-alongshan-virus-der-neue-zeckenerreger-in-osterreich
  4. https://www.ages.at/mensch/krankheit/ages-radar-fuer-infektionskrankheiten/detail/ages-radar-fuer-infektionskrankheiten-18-juni-2026

Allgemeiner Hinweis: In unseren Ratgebern verwenden wir für die bessere Lesbarkeit überwiegend das generische Maskulinum. Gemeint sind damit aber auch Angehörige des weiblichen Geschlechts und anderer Geschlechtsidentitäten.

Autorin Ärztin Dr. Leonie Dolder

Über unsere Autorin:

Dr. Leonie Dolder | Ärztin
Ich bin Ärztin und medizinische Autorin aus Leidenschaft. Es liegt mir am Herzen, den Menschen Gesundheitsthemen näher zu bringen und Medizin verständlich zu erklären, denn ein gut informierter und aufgeklärter Patient kann sich besser um sein größtes Gut - seine Gesundheit - kümmern.
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