Gerstenkorn am Auge: Was tun bei einer Lidentzündung?
✓ Pharmazeutisch geprüft - Lesezeit: 6 Minuten
Von Ulrike Wendt, PTA bei mycare.de
Aktualisiert: 08.09.2026
Ein plötzlich gerötetes, geschwollenes Augenlid kann beunruhigend wirken und unangenehme Schmerzen verursachen. Oft steckt dahinter ein Gerstenkorn, medizinisch Hordeolum genannt. Dieser Ratgeber erklärt Ihnen, was ein Gerstenkorn genau ist, wie es entsteht, welche Symptome es zeigt und wie Sie es behandeln können. Sie erfahren auch, wann ein Arztbesuch wichtig ist und welche Maßnahmen helfen, einem Gerstenkorn vorzubeugen.
Was ist ein Gerstenkorn und wie entsteht es?
Ein Gerstenkorn ist eine akute, meist eitrige Entzündung der kleinen Drüsen am Augenlid. Es handelt sich dabei um die Talg- oder Schweißdrüsen, die für die Befeuchtung des Auges wichtig sind. Fast immer sind Bakterien die Ursache dieser Entzündung, meistens Staphylokokken. Diese Keime leben ganz natürlich auf unserer Haut. Wenn sie jedoch in die Ausführungsgänge der Liddrüsen gelangen, etwa durch kleine Verletzungen oder Reizungen am Lidrand, können sie dort eine Infektion auslösen. Das Resultat ist eine schmerzhafte Rötung und Schwellung, oft mit einem kleinen gelblichen Punkt in der Mitte, der den Eiterherd anzeigt. Ein Gerstenkorn verläuft in den meisten Fällen harmlos und heilt innerhalb von etwa ein bis zwei Wochen von selbst ab. Es ist wichtig zu wissen, dass ein Gerstenkorn ansteckend ist. Die Bakterien können sich über Hände, Handtücher oder Kosmetik auf andere Menschen oder andere Stellen Ihres Körpers übertragen.

Warum bekommen manche Menschen häufiger ein Gerstenkorn?
Es gibt verschiedene Faktoren, die das Entstehen eines Gerstenkorns begünstigen können:
- Geschwächtes Immunsystem: Wenn Ihre Abwehrkräfte nicht auf Hochtouren laufen, haben Bakterien leichteres Spiel.
- Schlechte Hygiene: Das Reiben der Augen mit ungewaschenen Händen, verunreinigte Kosmetika oder mangelnde Hygiene bei Kontaktlinsen können Bakterien ins Auge bringen.
- Chronische Lidrandentzündungen (Blepharitis): Eine bereits bestehende Entzündung am Lidrand macht die Augen anfälliger.
- Diabetes mellitus: Menschen mit Diabetes haben oft ein höheres Risiko für Infektionen.
Gerstenkorn versus Hagelkorn: Wo liegt der Unterschied?
Es ist wichtig, ein Gerstenkorn von einem Hagelkorn (Chalazion) zu unterscheiden, da die Behandlung unterschiedlich sein kann.
- Gerstenkorn: Dies ist eine akute, bakterielle Infektion. Sie verursacht deutliche Schmerzen, Rötung und Schwellung, oft mit einem sichtbaren Eiterpunkt.
- Hagelkorn: Dies ist eine chronische, meist schmerzlose Verdickung oder ein Knoten im Lid. Es entsteht durch eine sterile Verstopfung der Meibom-Drüsen, ohne dass eine aktive bakterielle Entzündung vorliegt.
Während ein Gerstenkorn typischerweise von selbst abheilt, kann ein Hagelkorn über Monate bestehen bleiben und erfordert manchmal einen operativen Eingriff beim Augenarzt.
Behandlung: Was hilft bei einem Gerstenkorn am Auge?
Bei einem Gerstenkorn können Sie selbst einiges tun, um den Heilungsprozess zu unterstützen:
- Trockene Wärme: Dies ist eine der wichtigsten Maßnahmen. Trockene Wärme, zum Beispiel durch eine Rotlichtlampe in sicherem Abstand oder ein warmes, trockenes Kompressenkissen, fördert die Reifung des Gerstenkorns und hilft dem Eiter, sich zu entleeren. Feuchte Umschläge sollten Sie hingegen vermeiden, da sie Keime verteilen und die Entzündung verschleppen können.
- Rezeptfreie Augensalben und -tropfen: In Ihrer Apotheke erhalten Sie spezielle Augensalben oder -tropfen mit desinfizierenden oder mild antibakteriellen Wirkstoffen. Diese können den Heilungsprozess zusätzlich unterstützen. Ihr Apotheker berät Sie gerne zur richtigen Anwendung. Die Visiodoron Euphrasia comp. Augensalbe kann bereits bei Säuglingen und Kindern angewendet werden.
Wichtiger Hinweis: Bitte versuchen Sie niemals, ein Gerstenkorn selbst auszudrücken, aufzustechen oder aufzukratzen. Dadurch könnten Bakterien tiefer in das Gewebe gelangen und schwerwiegende Entzündungen wie Abszesse oder sogar eine Augenhöhlenentzündung auslösen. Lassen Sie das Gerstenkorn immer von selbst reifen und sich öffnen.
Bei einem komplizierten Verlauf, wenn das Gerstenkorn nicht von selbst abheilt oder die Entzündung stark ist, kann Ihr Arzt oder Augenarzt antibiotische Augentropfen oder -salben verschreiben. In sehr seltenen Fällen ist es nötig, das Gerstenkorn unter sterilen Bedingungen zu eröffnen, damit der Eiter abfließen kann.
Wann sollten Sie einen Arzt aufsuchen?
Obwohl ein Gerstenkorn meist harmlos ist, gibt es Situationen, in denen ein Arztbesuch dringend notwendig ist:
- Starke Schmerzen oder Sehstörungen: Wenn die Schmerzen sehr stark sind oder Sie Schwierigkeiten beim Sehen bekommen.
- Fieber oder allgemeines Krankheitsgefühl: Sollten Fieber oder andere allgemeine Krankheitssymptome auftreten.
- Rasche Ausbreitung: Wenn sich die Schwellung schnell auf das gesamte Augenlid, die Wange oder das Gesicht ausbreitet.
- Keine Besserung nach zwei Wochen: Wenn das Gerstenkorn nach dieser Zeit nicht von selbst abheilt oder sich verschlimmert.
- Wiederkehrende Gerstenkörner: Wenn Sie häufiger ein Gerstenkorn bekommen, kann dies ein Hinweis auf Grunderkrankungen wie Diabetes mellitus oder eine chronische Lidrandentzündung sein, die abgeklärt werden sollten.
- Besondere Risikogruppen: Bei Säuglingen, kleinen Kindern, Menschen mit einem geschwächten Immunsystem oder bereits bestehenden Augenerkrankungen ist eine frühzeitige ärztliche Untersuchung besonders wichtig, um Komplikationen vorzubeugen.
Prävention: So schützen Sie Ihre Augen
Sie können das Risiko, ein Gerstenkorn zu entwickeln, deutlich senken:
- Gute Handhygiene: Waschen Sie Ihre Hände gründlich, bevor Sie Ihre Augen berühren.
- Kontaktlinsenpflege: Wenn Sie Kontaktlinsen tragen, achten Sie auf eine konsequente und hygienische Handhabung sowie regelmäßige Reinigung.
- Augen-Make-up: Entfernen Sie Augen-Make-up täglich und sorgfältig. Teilen Sie Kosmetika nicht mit anderen.
- Persönliche Gegenstände: Verwenden Sie eigene Handtücher und Waschlappen und teilen Sie diese nicht mit anderen.
- Lidrandpflege: Bei chronischer Lidrandentzündung profitieren Sie von regelmäßiger Lidrandpflege mit warmen Kompressen und milden Reinigungsprodukten. Die Produkte von Posiforlid können hierbei helfen.
- Gesunder Lebensstil: Eine gute Blutzuckereinstellung bei Diabetes mellitus sowie die Stärkung des Immunsystems durch eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Schlaf tragen ebenfalls zur Vorbeugung bei.
Fazit
Ein Gerstenkorn ist eine häufige, meist harmlose bakterielle Entzündung der Liddrüsen, die in der Regel von selbst abheilt. Unterstützen Sie den Heilungsprozess mit trockener Wärme und geeigneten Augensalben aus der Apotheke, aber drücken Sie das Gerstenkorn niemals aus. Achten Sie auf gute Hygiene, um einer Ausbreitung oder erneuten Entstehung vorzubeugen und suchen Sie bei starken Beschwerden oder ausbleibender Besserung immer einen Arzt auf.
Häufige Fragen (FAQ)
Quellen & weiterführende Informationen
- https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/gerstenkorn-am-auge-ursache-ansteckung-und-behandlung,gerstenkorn104.html
Allgemeiner Hinweis: In unseren Ratgebern verwenden wir für die bessere Lesbarkeit überwiegend das generische Maskulinum. Gemeint sind damit aber auch Angehörige des weiblichen Geschlechts und anderer Geschlechtsidentitäten.

Über unsere Autorin:
Ulrike Wendt | Pharmazeutische Kundenbetreuung
Ich bin seit 17 Jahren Pharmazeutisch-technische Assistentin bei mycare.de. Aufgrund der langen Berufserfahrung und der regelmäßigen Fortbildung sind wir schon Experten in Gesundheitsthemen. Mehr erfahren über U. Wendt
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