Trockene Augen: Ursachen, Symptome & schnelle Hilfe
✓ Pharmazeutisch geprüft - Lesezeit: 4 Minuten
Von Lisa Stenschke,
Apothekerin bei mycare.de
Aktualisiert: 12.01.2026
Trockene Augen, medizinisch als Sicca-Syndrom bezeichnet, entstehen durch eine mangelnde Produktion oder eine fehlerhafte Zusammensetzung der Tränenflüssigkeit. Diese Benetzungsstörung der Augenoberfläche äußert sich typischerweise durch Brennen, Jucken, Rötungen oder ein störendes Fremdkörpergefühl. Häufige Auslöser sind intensive Bildschirmarbeit, trockene Heizungsluft sowie Entzündungen am Lidrand (Blepharitis). Zur schnellen Linderung verhelfen befeuchtende Augentropfen mit Hyaluronsäure, die den Tränenfilm stabilisieren, sowie eine gezielte Lidrandhygiene und ein verbessertes Raumklima. Bei extrem trockenen Augen oder anhaltenden Schmerzen ist eine augenärztliche Untersuchung ratsam, um Langzeitschäden an der Hornhaut zu vermeiden. Eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme und bewusste Blinzelpausen unterstützen die natürliche Regeneration des Auges nachhaltig.
Was hilft bei trockenen und extrem trockenen Augen?
Bei einer Benetzungsstörung der Augenoberfläche ist das Ziel der Behandlung immer gleich: Die fehlende Tränenflüssigkeit ersetzen und den Tränenfilm stabilisieren. Besonders wenn Sie unter extrem trockenen Augen leiden, hilft meist eine Kombination aus physikalischen Maßnahmen und der passenden Medikation.
Die wichtigsten Schritte zur Linderung auf einen Blick:
- Augentropfen richtig anwenden: Nutzen Sie Präparate mit Hyaluronsäure, um die Augenoberfläche langanhaltend zu befeuchten. Bei starken Beschwerden eignen sich hochkonzentrierte Tropfen oder Gele.
- Raumklima verbessern: Meiden Sie direkte Zugluft durch Klimaanlagen oder Gebläse im Auto.
- Luftfeuchtigkeit erhöhen: Stellen Sie Wasserschalen auf Heizkörper oder nutzen Sie Luftbefeuchter, um die Verdunstung der Tränenflüssigkeit zu minimieren.
- Flüssigkeitszufuhr: Trinken Sie mindestens 2 Liter Wasser oder ungesüßten Tee am Tag, um den Körper von innen mit Feuchtigkeit zu versorgen.
- Lidrandpflege: Reinigen Sie regelmäßig Ihren Lidrand, um die Funktion der Meibom-Drüsen zu unterstützen und einer Blepharitis (Lidrandentzündung) vorzubeugen.
Was bringt sofortige Linderung bei trockenen Augen?
Wenn die Augen brennen oder sich wie Sandpapier anfühlen, können diese Sofortmaßnahmen den Schmerz lindern und das Sicca-Syndrom abmildern:
- Feuchtwarme Kompressen: Legen Sie für ca. 10 Minuten warme, feuchte Baumwolltücher auf die geschlossenen Augen. Dies verflüssigt gestautes Sekret in den Drüsen.
- Lidrand-Massage: Massieren Sie nach der Wärmeanwendung vorsichtig Ihre Lidkanten in Richtung der Wimpern. Das hilft, die schützende Fettschicht des Tränenfilms wieder aufzubauen.
- Augen-Spray für unterwegs: Ein Lipidspray, das auf die geschlossenen Lider gesprüht wird, stabilisiert die äußere Schicht des Tränenfilms direkt und ist besonders praktisch für die Anwendung im Büro oder auf Reisen.
Was sind die häufigsten Ursachen von trockenen Augen?
Das Sicca-Syndrom ist selten auf nur einen Auslöser zurückzuführen. Meist ist es ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren, die die Zusammensetzung des Tränenfilms stören oder die Produktion der Tränenflüssigkeit drosseln. Unterscheiden wird hierbei zwischen einer mangelnden Tränenmenge und einer zu starken Verdunstung (meist durch eine Störung am Lidrand).
Die häufigsten Ursachen sind:
Umweltbedingte Ursachen
- Trockene Raumluft: Heizung im Winter und Klimaanlagen im Sommer entziehen der Augenoberfläche Feuchtigkeit.
- Witterung: Kalte Temperaturen im Winter, Wind, Zugluft und starke UV-Strahlung reizen das Auge zusätzlich.
- Schadstoffe: Tabakrauch und Ozon greifen die empfindliche Lipidschicht an.
Verhaltensbedingte Ursachen
- "Office-Eye-Syndrom": Bei konzentrierter Bildschirmarbeit sinkt die Blinzelrate von ca. 25 auf nur etwa 7-mal pro Minute – das Auge wird nicht mehr ausreichend benetzt.
- Kontaktlinsen: Zu langes Tragen kann den Tränenfilm mechanisch unterbrechen.
- Mangelnde Hydratation: Wer zu wenig trinkt, produziert auch weniger Tränenflüssigkeit.
Körperliche Ursachen
- Alter & Hormone: Mit zunehmendem Alter sinkt die Tränenproduktion; besonders Frauen in den Wechseljahren leiden oft unter extrem trockenen Augen.
- Lidrandentzündung (Blepharitis): Sind die Meibom-Drüsen am Lidrand verstopft, fehlt dem Tränenfilm die schützende Fettschicht.
- Erkrankungen: Diabetes, Rheuma oder Schilddrüsenerkrankungen können eine Benetzungsstörung begünstigen.
Medikamentöse Ursachen
- Die Einnahme bestimmter Medikamente kann die Tränenbildung als Nebenwirkung unterdrücken. Dazu gehören:
- Antidepressiva
- Antihistaminika (Allergiemittel)
- Die "Pille" (Hormonpräparate)
- Betablocker (Blutdrucksenker)

Welche Symptome verursachen trockene Augen?
Eine Benetzungsstörung äußert sich keineswegs nur durch ein Gefühl von Trockenheit. Tatsächlich sind die Anzeichen für das Sicca-Syndrom sehr vielfältig und oft widersprüchlich. Da die Augenoberfläche extrem empfindlich ist, reagiert sie auf einen instabilen Tränenfilm meist mit einer Reizung der Nervenenden.
Zu den häufigsten Beschwerden gehören:
- Klassische Reizungen: Brennen, Jucken oder ein stechender Schmerz im Auge.
- Fremdkörpergefühl: Das typische Empfinden, als befände sich ein Sandkorn im Auge.
- Paradoxes Tränen: Obwohl die Diagnose „Trockenes Auge“ lautet, tränen die Augen oft stark (z. B. bei Wind). Das liegt daran, dass die Qualität der Tränenflüssigkeit nicht stimmt und das Auge versucht, den Mangel durch eine Überproduktion der wässrigen Schicht auszugleichen.
- Rote Augen: Durch die mangelnde Versorgung der Hornhaut mit Nährstoffen weiten sich die Blutgefäße in der Bindehaut.
- Müdigkeit & Sehstress: Verschwommenes Sehen, müde Augenlider und eine erhöhte Lichtempfindlichkeit.
- Morgendliche Probleme: Verklebte Lider oder zäher, weißer Schleim in den Augenwinkeln nach dem Aufstehen.
Sollten Sie diese Symptome über einen längeren Zeitraum bemerken, ist eine gezielte Behandlung wichtig. Unbehandelt können extrem trockene Augen zu kleinen Verletzungen auf der Hornhaut führen, die das Sehvermögen dauerhaft beeinträchtigen können.
Welche Augentropfen helfen bei trockenen Augen?
Bei der Behandlung einer Benetzungsstörung sind Augentropfen das Mittel der Wahl. Sie fungieren als künstliche Tränen, die den natürlichen Tränenfilm ergänzen oder ersetzen. Die Wahl des richtigen Präparats richtet sich vor allem nach der Intensität Ihrer Beschwerden: Während leichte Reizungen gut mit dünnflüssigen Tropfen behandelt werden können, benötigen extrem trockene Augen meist eine intensivere Pflege durch hochviskose Gele.
Augentropfen-Arten im Überblick
| Art der Hilfe | Viskosität | Ideale Anwendung | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Augentropfen | Dünnflüssig | Tagsüber, bei der Arbeit | Keine Sichtbeeinträchtigung |
| Augengele | Dickflüssig | Bei starken Beschwerden | Lange Haftdauer auf dem Auge |
| Augensalben | Sehr fettreich | Vor dem Schlafengehen | Regeneriert die Lipidschicht über Nacht |
| Lidrand-Sprays | Lipidhaltig | Unterwegs (auf das geschlossene Lid) | Stabilisiert die Fettschicht |
Um die Augenoberfläche nachhaltig zu schützen, setzen moderne Präparate auf Wirkstoffe, die Feuchtigkeit binden oder die Wundheilung fördern:
- Hyaluronsäure: Der Goldstandard. Sie bindet enorme Mengen Wasser und bildet einen stabilen Schutzfilm, ohne das Sehvermögen zu trüben.
- Dexpanthenol: Fördert die Regeneration kleinerer Verletzungen auf der Horn- und Bindehaut, die durch Reibung entstehen können.
- Lipide (Öle): Unverzichtbar bei Störungen am Lidrand. Sie verhindern, dass die wässrige Tränenflüssigkeit zu schnell verdunstet.
- Ectoin: Ein natürliches Molekül, das Entzündungen lindert und die Zellmembranen stabilisiert.
Tipp: Achten Sie nach Möglichkeit auf konservierungsmittelfreie Produkte (oft in Einzeldosis-Ophtiolen oder speziellen Mehrdosissystemen). Konservierungsstoffe können bei dauerhafter Anwendung die Zellen der Augenoberfläche zusätzlich reizen.
Wann sollte ich bei trockenen Augen zum Arzt?
Obwohl Gele und Augentropfen viele Beschwerden effektiv lindern können, ist das Sicca-Syndrom eine ernstzunehmende Erkrankung der Augenoberfläche. Eine fachärztliche Untersuchung ist wichtig, um dauerhafte Schäden an der Hornhaut zu vermeiden und die genaue Ursache der Benetzungsstörung zu klären.
Ein Besuch beim Augenarzt ist insbesondere in folgenden Fällen ratsam:
- Anhaltende Beschwerden: Wenn sich die Symptome trotz regelmäßiger Anwendung von Tränenersatzmitteln nach wenigen Tagen nicht bessern.
- Starke Schmerzen: Bei stechenden Schmerzen, starkem Druckgefühl oder extremer Lichtempfindlichkeit.
- Sehverschlechterung: Wenn Sie plötzlich verschwommen sehen oder Ihre Sehleistung schwankt.
- Eitrige Absonderungen: Verklebte Augen am Morgen in Kombination mit gelblichem Sekret können auf eine bakterielle Infektion hindeuten.
- Fremdkörpergefühl: Wenn das Gefühl, „etwas im Auge zu haben“, dauerhaft bestehen bleibt.
- Veränderungen am Lid: Bei Rötungen, Schwellungen oder Schuppenbildung am Lidrand, die auf eine chronische Blepharitis hinweisen könnten.
Der Arzt kann mittels spezieller Tests (wie dem Schirmer-Test zur Messung der Tränenmenge oder der Tränenfilm-Aufbrechzeit) genau feststellen, welche Schicht Ihres Tränenfilms gestört ist. So erhalten Sie eine gezielte Therapieempfehlung, die exakt auf Ihre Bedürfnisse abgestimmt ist.
Häufig gestellte Fragen rund um trockene Augen
Allgemeiner Hinweis: In unseren Ratgebern verwenden wir für die bessere Lesbarkeit überwiegend das generische Maskulinum. Gemeint sind damit aber auch Angehörige des weiblichen Geschlechts und anderer Geschlechtsidentitäten.

Über unsere Autorin:
Lisa Stenschke | Apothekerin in der Robert-Koch-Apotheke
Seit 6 Jahren bin ich Apothekerin und von Anfang an mit Herzblut hauptsächlich in den Vor-Ort-Apotheken von myCare e.K. im Einsatz. Eine kompetente, umfassende und vertrauensvolle Beratung der Patienten ist mir sehr wichtig. Auch bei Instagram und Facebook freue ich mich bei "Frag Lisa" auf das Interesse an unseren Produkten. Mehr über L. Stenschke
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