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Was ist eine bipolare Störung?

Von Grit Ritter, Pharmazieökonomin bei mycare.de
Aktualisiert: 30.08.2021

Frau im Spiegel

Gefühle und Stimmungen schwanken. Das ist normal, kennt jeder und gehört zum Mensch sein und Leben dazu. Menschen mit Bipolarer Störung jedoch erleben extreme Emotionen, in deren Spannungsfeld ein geregeltes Leben nur schwer möglich ist.

Früher als manisch-depressiv bezeichnet, verwendet man heutzutage den Begriff Bipolare Störung für die Symptomatik dieser schweren psychischen Erkrankung. Betroffene haben einen hohen Leidensdruck und erleben ein extremes Auf und Ab der Gefühle. Es gibt Zeiten, da erlebt man solche Menschen sehr depressiv und niedergeschlagen. Dann wiederum sind scheinen sie völlig aufgedreht zu sein, euphorisch, hyperaktiv und überschätzen sich bisweilen auch. Diese Stimmungsschwankungen treten schubweise im Wechsel auf. Das wiederkehrende Auf und Ab der Emotionen in den jeweils bipolaren manischen und depressiven Phasen ist erschwerende Realität im Alltag. Studienergebnissen zufolge sollen Erkrankte im Vergleich zur erwachsenen Allgemeinbevölkerung ein zwanzig Mal höheres Risiko für Suizidgedanken haben. Das sollte Grund genug sein, sich mit dieser psychischen Erkrankung ein wenig genauer auseinanderzusetzen.

Gibt es verschiedene Arten dieser Erkrankung?

Manische Phasen und depressive Episoden als starke Stimmungsschwankungen sind charakteristische Symptome von Bipolaren Störungen. Sie gehen weit über das normale Auf und Ab der Emotionen hinaus und sind für die Betroffenen nicht kontrollierbar. Der Fachbereich Psychiatrie mit Psychologen und Neurologen als Fachärzte dieser Erkrankung unterscheiden vor allem die Bipolar-I-Störung und Bipolar-II-Störung als Muster. Bei der Bipolar-I-Störung erleben die Betroffenen extrem starke gegensätzliche Phasen. Deutlich geringer ausgeprägt sind die Stimmungsschwankungen bei der Bipolar-II-Störung. Das zeigt sich wohl vor allem in einer manischen Phase, die die Mediziner als Hypomanie bezeichnen.

Welche Symptome können auftreten?

Eine hypomane Phase im Krankheitsbild dauert ungefähr vier Tage. Kennzeichnend sind eine außergewöhnlich gehobene Stimmung, wobei man Betroffene gleichzeitig als besonders reizbar wahrnehmen kann. Um eine Hypomanie von einem gesunden sogenannten emotionalen Höhenflug unterscheiden zu können, braucht es noch mehrere Kriterien für die Diagnose.

Dazu gehören zum Beispiel:

  • Ein geringeres Schlafbedürfnis
  • Ein erhöhtes Maß an Geselligkeit und Gesprächsvorliebe
  • Schwierigkeiten, sich zu Fokussieren und Konzentrieren
  • Plötzlicher Redeschwall und/oder Monologe
  • Ein gesteigertes Sexualverlangen
  • ungewohnter Ideenreichtum
  • Leichtsinn
  • vermehrte Aktivität und Unruhe

In der folgenden manischen Phase ist die Symptomatik deutlich stärker. Nicht selten berichten Familienangehörige oder Freunde, dass sie die betreffende Person in der Manie kaum noch wieder erkennen. Manische Personen verlieren bisweilen ihre Risikokontrolle und kennen keine Grenzen. Das führt zu rücksichtslosem Verhalten dem gegenüber anderen, aber insbesondere auch gegenüber sich selbst. Während einer manischen Episode springen Menschen manchmal von Brücken. Sie wiegen sich dann im Bewusstsein, unverletzbar zu sein und fliegen zu können. Nach ein bis zwei Wochen der manischen Zeit kehrt häufig ein sogenannter Normalzustand für kurze Zeit zurück. Gefühle und Stimmungen lassen sich selbst wieder kontrollieren und beeinflussen. Einige Zeit darauf gerät der erkrankte Patient in eine anhaltende Depression. Die depressive Episode kann über Wochen oder Monate hinweg anhalten. Betroffene Patienten können zum Beispiel extrem traurig sein, Gewicht zu- oder abnehmen, kaum noch Interesse am Familienleben oder Kontakt zu Freunden haben. Sie sind meistens übermäßig energielos und erschöpft und haben auch am Tag ein erhöhtes Schlafbedürfnis. Auch wiederkehrende Selbstmordgedanken sind in dieser Phase Teil des Krankheitsbildes.

Durch welche Ursachen können die bipolaren Störungen entstehen?

Welche Ursachen für die Entstehung einer bipolaren Störung oder manisch-depressiven Erkrankung letztendlich ausschlaggebend sind, kann bis heute nicht eindeutig belegt werden. Auf eine genetische Komponente weisen Studienergebnisse hin. Kinder eines erkrankten Elternteils sollen demnach eine um zehn Prozent höhere Wahrscheinlichkeit aufweisen, ebenfalls manisch-depressiv zu werden. Ein Trauma in der frühen Kindheit des Patienten soll ebenfalls eine Rolle bei der Beeinträchtigung der psychischen Gesundheit und Entstehung der psychischen Krankheit spielen. Bei Betroffenen sollen Störungen in der Plastizität der Nervenzellen sowie ein abweichender Gehirnstoffwechsel festgestellt worden sein. Das kann dazu führen, dass bereits ein gestörter Schlaf-Wach-Rhythmus sprichwörtlich das Fass zum Überlaufen bringt und bei genetischer Veranlagung Auslöser sein kann. Des Weiteren fällt auf, dass bipolare Störungen häufig mit anderen psychischen Erkrankungen in Gesellschaft auftreten. Das können Suchterkrankungen sein (besonders Alkohol- und Drogensucht), aber auch Zwangs-und Angststörungen oder ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Syndrom) Ein Zusammenhang ist aber ebenfalls bisher nicht abschließend erforscht und belegt.

Wie wird die psychische Krankheit behandelt?

Nach entsprechender Diagnostik gehört die Behandlung (Psychotherapie) eindeutig in den Bereich der ärztlichen Kompetenz. In der Regel wird der Patient mit einer Kombination aus psychotherapeutischer Behandlung und medikamentöser Therapie behandelt. Antidepressiva können Einsatz finden, um den Antrieb zu verbessern und die Stimmung in den depressiven Phasen zu heben. Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer werden derzeit bei bipolaren Störungen alternativ in den depressiven Phasen eher gewählt und haben sich wohl bewährt. Dazu gehören unter anderem Arzneistoffe wie Citalopram, Fluoxetin, Paroxetin und Sertralin. Als Phasenprophylaktika verordnet der Arzt manchmal Arzneistoffe wie Carbamazepin, Valproinsäure oder Lamotrigin. Eine positive Nachricht ist, dass bipolare Störungen in der Regel gut auf psychotherapeutische Therapie an sprechen. Selbstverständlich muss die Bereitschaft des Erkrankten dafür gegeben sein und ein zuträglicher Rahmen für die psychische Stabilität desjenigen vorhanden sein. Häufig wird die Therapie stationär begonnen und ambulant fortgesetzt. Nach einer längeren Behandlungsdauer, die durchschnittlich bis zu zwei Jahre dauern kann, kann die Erkrankung stabil und symptomfrei sein. Das heißt, es gibt Hoffnung und Aussicht auf ein normales Leben.

Autorin Pharmazieökonomin Grit Ritter

Über unsere Autorin:

Grit Ritter | Pharmazeutische Kundenbetreuung
Seit über 20 Jahren bin ich im Pharmateam des Unternehmens verwurzelt. Grundlegend dafür ist die Leidenschaft für Gesundheitsthemen incl. Prävention. Regelmäßige Fortbildungen sind da essenziell. Neben Kundenberatung sind Betriebl. Gesundheitsmanagement, Haus- und Reiseapothekenchecks und pharmazeutisches Marketing Schwerpunkte meiner Tätigkeit bei mycare.de. Mehr erfahren

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Martina, Marketing bei mycare.de

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