Übelkeit verstehen: Ursachen, Symptome und wirksame Hilfe für Ihren Magen
✓ Pharmazeutisch geprüft - Lesezeit: 4 Minuten
Von Kristin Schöfisch, PTA bei mycare.de
Aktualisiert: 06.08.2026

Ein flaues Gefühl im Magen, ein unangenehmer Brechreiz oder sogar Erbrechen – Übelkeit kann vielfältige Ursachen haben und den Alltag stark belasten. Ob auf Reisen, während der Schwangerschaft oder bei Magen-Darm-Problemen: Viele Menschen kennen dieses Unwohlsein. Dieser Ratgeber erklärt Ihnen, was medizinisch unter Nausea verstanden wird, welche gängigen Auslöser es gibt und welche Hausmittel sowie Medikamente Linderung verschaffen können. Sie erfahren auch, wann Sie unbedingt einen Arzt aufsuchen sollten.
Was Übelkeit medizinisch bedeutet
Übelkeit, fachsprachlich Nausea genannt, beschreibt ein unangenehmes Unwohlsein im Oberbauch. Es geht häufig mit einem flauen Gefühl und Brechreiz einher, muss aber nicht zwingend zu Erbrechen (Emesis) führen. Dieses Gefühl entsteht, wenn das Brechzentrum im Hirnstamm aktiviert wird. Dort laufen Signale aus dem Magen-Darm-Trakt, dem Gleichgewichtsorgan, der Blutbahn und der Psyche zusammen. Erst wenn diese Reize eine bestimmte Schwelle überschreiten, löst das Brechzentrum den Schutzreflex des Erbrechens aus. Dies geschieht durch koordinierte Kontraktionen von Magen, Zwerchfell und Bauchmuskeln. Warnzeichen sind insbesondere das Erbrechen von blutigem Inhalt oder gelb-grüner, bitter schmeckender Flüssigkeit, die auf Galle aus dem oberen Dünndarm hinweist. Dies sollte immer ärztlich abgeklärt werden.
Häufige Ursachen von Übelkeit und Brechreiz
Die Auslöser für Übelkeit sind vielfältig. Zu den häufigsten zählen akute Magen-Darm-Infektionen, verursacht durch Viren wie Noro- oder Rotaviren, die oft mit Durchfall, Erbrechen und Bauchkrämpfen einhergehen. Auch Lebensmittelvergiftungen, Unverträglichkeiten gegenüber Alkohol oder bestimmten Medikamenten, eine akute Gastritis oder Magengeschwüre sowie funktionelle Verdauungsstörungen mit Völlegefühl und Blähungen spielen eine Rolle.
Spezifische Situationen wie die Schwangerschaft mit der typischen Morgenübelkeit, hormonelle Schwankungen, starker Stress oder Angst sowie Reiseübelkeit (Kinetose) durch widersprüchliche Signale des Gleichgewichtsorganes sind ebenfalls verbreitete Ursachen. Seltener stecken schwerwiegende organische Erkrankungen, neurologische Störungen oder Stoffwechselentgleisungen hinter anhaltender oder wiederkehrender Übelkeit. Daher ist bei länger bestehenden Beschwerden immer eine ärztliche Abklärung nötig.

Reiseübelkeit (Kinetose) – warum Bewegung den Magen durcheinanderbringt
Reiseübelkeit, auch Kinetose genannt, entsteht, wenn Ihr Gleichgewichtsorgan im Innenohr eine Bewegung wahrnimmt, Ihre Augen aber etwas anderes sehen. Dies passiert beispielsweise, wenn Sie im Auto lesen oder auf ein statisches Handy-Display schauen. Diese widersprüchlichen Informationen verarbeitet das Gehirn als irritierendes Signal, was das Brechzentrum aktivieren kann. Die Folge sind Übelkeit, Schwindel, Blässe, Kopfschmerzen und Kaltschweißigkeit.
Typische Auslöser sind kurvenreiche Autofahrten, Seegang auf Schiffen, Turbulenzen im Flugzeug oder schnelle Fahrten in Bussen. Besonders Kinder und empfindliche Personen sind betroffen, da ihr Gleichgewichtssystem noch sensibler auf solche Reize reagiert.
Reiseübelkeit im Auto, Zug oder Flugzeug lässt sich mit einigen einfachen Methoden lindern. Ablenkung durch Gespräche, Musik oder Podcasts kann helfen, ebenso wie Kaugummi oder Bonbons, da die Kaubewegungen die Beschwerden mindern. Akupressur am Handgelenk kann zusätzlich unterstützend wirken. Ingwer, in Form von frischer Knolle, Kapseln, Shots oder Tropfen, reduziert nachweislich Übelkeit und Brechreiz. Bei Bedarf stehen außerdem spezielle Medikamente gegen Reiseübelkeit zur Verfügung.
Hausmittel und nichtmedikamentöse Maßnahmen bei Übelkeit
Viele bewährte Hausmittel zielen darauf ab, den gereizten Magen-Darm-Trakt zu beruhigen und gleichzeitig den Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt zu stabilisieren. Als pflanzliches Mittel ist Ingwer besonders gut untersucht. Seine Scharfstoffe unterstützen die Magenfunktion und können Übelkeit, etwa bei Reiseübelkeit und Morgenübelkeit, messbar lindern, wenn er als Tee, Kapsel oder Pulver eingenommen wird.
Leicht verdauliche Schonkost wie Zwieback, Reisbrei, Bananen, Apfelmus, Brühe oder gekochte Kartoffeln entlastet den Magen. Vermeiden Sie fettreiche, stark gewürzte oder säurehaltige Speisen. Zusätzlich helfen Wärme (Wärmflasche auf dem Bauch), ruhige Atmung, frische Luft und bei Reisekrankheit der Blick nach vorne oder auf den Horizont, um die Sinnesreize zu harmonisieren.
Rezeptfreie Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen
Die wichtigste Wirkstoffgruppe der rezeptfreien Antiemetika ist Dimenhydrinat. Dieser Wirkstoff blockiert direkt im Brechzentrum und im Gleichgewichtsorgan die Übelkeitssignale. Dimenhydrinat gibt es in verschiedenen Formen: als Tabletten, Schmelztabletten, Kapseln, Säfte, Zäpfchen oder spezielle Reise-Kaugummis. Es wird vor allem bei akuter Reiseübelkeit und kurzzeitigen Übelkeitszuständen eingesetzt.
In der Apotheke finden Sie zudem pflanzliche Bitterstoffpräparate, die bei funktionellen Verdauungsbeschwerden mit Völlegefühl und leichter Übelkeit den Speichelfluss und die Produktion von Verdauungssäften anregen. Ergänzend kommen Elektrolytlösungen, Probiotika und sanfte Magenmittel zum Einsatz, um Flüssigkeitsverluste auszugleichen und die gestörte Darmflora nach Durchfallerkrankungen zu stabilisieren.
Warnsignale: Wann Übelkeit und Erbrechen ein Notfall sind
Kurzzeitige Übelkeitsepisoden, etwa bei einer leichten Magenverstimmung oder einmaliger Reiseübelkeit, sind meist harmlos und klingen innerhalb weniger Stunden wieder ab. Ein dringender Arztbesuch ist jedoch erforderlich, wenn über 24 bis 48 Stunden kein Essen und vor allem keine Flüssigkeit im Körper verbleibt. Dann droht eine Dehydration mit Kreislaufproblemen, dunklem Urin und starkem Schwächegefühl.
Weitere Alarmsymptome sind das Erbrechen von Blut, von kaffeebraunem Inhalt, von gelb-grüner Galle oder sogar von Stuhl, sowie starke Bauchschmerzen, hohes Fieber oder Bewusstseinsstörungen. Bei plötzlicher Übelkeit nach einem Sturz oder Kopftrauma, bei sehr starker Schwangerschaftsübelkeit (Hyperemesis gravidarum) oder bei Kindern und älteren Menschen mit rascher Verschlechterung des Allgemeinzustands sollten Sie immer sofort ärztliche Hilfe suchen.
Rolle der Apotheke bei Übelkeit
Apotheken sind eine wichtige erste Anlaufstelle für Betroffene mit akuter Übelkeit. Dort erhalten Sie eine individuelle Beratung zu geeigneten Hausmitteln und rezeptfreien Medikamenten. Fachkundige Teams können Ihnen helfen, zwischen eher harmlosen Ursachen wie Reiseübelkeit, leichter Magenverstimmung oder stressbedingter Übelkeit und möglichen Alarmsymptomen zu unterscheiden. Im Zweifel raten sie Ihnen zur ärztlichen Abklärung.
Darüber hinaus halten Apotheken Elektrolytlösungen, Probiotika und sanfte Magenmittel bereit. Sie erläutern Ihnen die richtige Dosierung, Einnahmezeitpunkte und Altersgrenzen, etwa bei Dimenhydrinat-haltigen Präparaten. Durch diese leicht zugängliche Beratung lassen sich viele Beschwerden rasch lindern, ohne dass Sie die Warnhinweise auf Dehydration oder komplizierte Verläufe übersehen.
Häufige Fragen (FAQ)
Fazit
Ob leichte Übelkeit oder anhaltender Brechreiz, es gibt viele Wege, Linderung zu finden. Wichtige Hausmittel wie Ingwer oder Schonkost können helfen, und Ihre Apotheke bietet Ihnen passende Medikamente wie Dimenhydrinat. Achten Sie jedoch immer auf Alarmsymptome wie starke Dehydration oder Blut im Erbrechen, und suchen Sie im Zweifel frühzeitig ärztlichen Rat, um ernstere Ursachen abzuklären.
Quellen & weiterführende Informationen
- https://www.batigoz.com/de/gesundheitsguide/was-hilft-bei-einer-magenverstimmung
- https://www.teleclinic.com/frauengesundheit/schwangerschaft-uebelkeit/
- https://www.instagram.com/reel/DbOJD3dOSd4/
- https://airfryerkogebogen.dk/de/lebensmittel-lexikon/ingwer/
Allgemeiner Hinweis: In unseren Ratgebern verwenden wir für die bessere Lesbarkeit überwiegend das generische Maskulinum. Gemeint sind damit aber auch Angehörige des weiblichen Geschlechts und anderer Geschlechtsidentitäten.

Über unsere Autorin:
Kristin Schöfisch | Pharmazeutische Kundenbetreuung
Mein Beruf als Pharmazeutisch-technische Assistentin beinhaltet die qualifizierte Beratung zu allen Fragen rund um Gesundheitsthemen, Arzneimittel, Medizinprodukte und Nahrungsergänzungsmittel. Durch meine Weiterbildung zur Fach-PTA für Homöopathie und Naturheilverfahren verfüge ich über eine besondere Spezialisierung in der Beratung zu pflanzlichen Arzneimitteln und komplementären Behandlungsmethoden. Um stets fachlich auf dem Laufenden zu sein und Ihnen die beste Beratung zu bieten, ist die regelmäßige Fortbildung unerlässlich. Mehr über Kristin Schöfisch
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