Folsäure in der Schwangerschaft – warum sie so wichtig ist
✓ Pharmazeutisch geprüft - Lesezeit: 4 Minuten
Von Dr. Leonie
Dolder, Medizinjournalistin
Aktualisiert: 16.03.2026
Folsäure ist als essenzielles B-Vitamin unverzichtbar für die Zellteilung und die gesunde Entwicklung des kindlichen Neuralrohrs. Da sich Gehirn und Rückenmark bereits in den ersten vier Schwangerschaftswochen formen, sollten Frauen idealerweise schon bei Kinderwunsch täglich 400 µg supplementieren. Bei einem späten Start im ersten Trimester wird oft eine höhere Dosis von 800 µg sowie die Verwendung von aktivem Folat (L-Methylfolat) empfohlen, um eine sofortige Verwertung im Körper zu garantieren. Da Folat aus Lebensmitteln extrem hitzeempfindlich ist und der Bedarf in der Schwangerschaft massiv steigt, stellt die Kombination aus folatreicher Ernährung und gezielter Supplementierung, oft ergänzt durch Jod und Vitamin B12, die sicherste Versorgung bis zum Ende der Stillzeit dar.
Warum Folsäure in der Schwangerschaft so wichtig ist
Folsäure ist in der Schwangerschaft besonders wichtig, weil sie die frühe Entwicklung des Kindes unterstützt und entscheidend für die Zellteilung ist. Besonders in den ersten Wochen nach der Empfängnis beeinflusst Folsäure die Bildung lebenswichtiger Strukturen. Da sich das Neuralrohr bereits etwa 3 Wochen nach der Befruchtung zu schließen beginnt und mit dem Ende der 4. Schwangerschaftswoche vollständig geschlossen ist – also zu einem Zeitpunkt, an dem viele Frauen noch gar nichts von ihrem Glück wissen – ist ein aufgefüllter Speicher von Tag 1 an essenziell.
Folsäure:
- Unterstützt die Zellteilung und Blutbildung
- Ist wichtig für die Entwicklung des Neuralrohrs von Gehirn und Rückenmark
- Senkt das Risiko für Neuralrohrdefekte wie Spina bifida (“offener Rücken”, angeborene Neuralrohrfehlbildung, bei der sich Wirbelbögen und Rückenmark in der Embryonalentwicklung nicht vollständig schließen)
- Trägt zur gesunden Entwicklung der Plazenta bei
- Unterstützt die Bildung von DNA und RNA
- Fördert das Wachstum von Gewebe und Organen beim Fötus
- hilft bei der Regulierung des Homocysteinspiegels, was Herz-Kreislauf-Risiken senken kann
- Ist mitentscheidend für die kognitive Entwicklung und das spätere Geburtsgewicht
Folsäure in der Schwangerschaft ist deshalb essenziell, und eine ausreichende Versorgung bereits vor der Schwangerschaft hilft, diesen wichtigen Risikofaktor zu reduzieren. Besonders Frauen, die zuvor länger die „Pille“ genommen haben, sollten auf ihre Speicher achten. Sobald die hormonelle Verhütung abgesetzt ist, gehört neben der Folsäure auch ein zuverlässiger Schwangerschaftstest zur Grundausstattung für die Babyplanung.

Ab wann und wie lange sollte Folsäure eingenommen werden?
Mit der Einnahme von Folsäure sollte bereits vor der Schwangerschaft begonnen werden, um den erhöhten Bedarf bei Kinderwunsch frühzeitig zu decken. Da die Entwicklung des zentralen Nervensystems bereits in den ersten Tagen der Schwangerschaft beginnt, ist ein „Vorsprung“ beim Folsäurespiegel der beste Schutz. Auch während der Schwangerschaft bleibt die Versorgung besonders in den ersten Wochen entscheidend.
Empfehlungen:
- Idealer Start: mindestens 4 Wochen vor der Schwangerschaft
- Während der Schwangerschaft besonders wichtig im 1. Trimester
- Mindestdauer: bis zum Ende der 12. Schwangerschaftswoche, aber auch bis zum Ende der Stillzeit, da Folat auch über die Muttermilch an das Baby abgegeben wird
- In vielen Fällen sinnvoll: Einnahme während der gesamten Schwangerschaft, um die Blutbildung der Mutter und das Wachstum der Plazenta zu unterstützen
- Einnahme über Nahrungsergänzungsmittel oder folatreiche Lebensmittel kombinieren
- Bei Kinderwunsch Folsäure gezielt einplanen, um Risikofaktoren früh zu reduzieren
- Besonderheit: Wer die Pille absetzt, sollte direkt mit der Supplementierung beginnen, da die körpereigenen Depots oft niedrig sind
Wie viel Folsäure wird in der Schwangerschaft empfohlen?
In der Schwangerschaft ist der Bedarf an Folsäure höher als bei nicht-schwangeren Frauen, weil Zellteilung, Blutbildung und die Entwicklung des Kindes besonders in den ersten Wochen erhöht sind.
Orientierende Richtwerte:
- Empfohlene Zufuhr: 400 Mikrogramm Folsäure pro Tag (bei rechtzeitigem Beginn, mindestens 4 Wochen vor der Empfängnis)
- Bei Kinderwunsch bereits vor der Schwangerschaft beginnen
- Für Kurzentschlossene: Wer weniger als 4 Wochen vor der Befruchtung mit der Einnahme beginnt, sollte laut Experten in den ersten 12 Wochen oft auf 800 Mikrogramm zurückgreifen, um den Speicher schneller aufzubauen.
- In bestimmten Fällen kann eine höhere Dosierung ärztlich empfohlen werden
- Folsäure kann über Nahrungsergänzungsmittel oder folatreiche Lebensmittel aufgenommen werden
Wichtig: Die genaue Dosierung sollte idealerweise mit einem Arzt oder Hebamme abgestimmt werden.
Folsäure über die Ernährung – welche Lebensmittel helfen?
Folat ist die natürliche Form von Folsäure in Lebensmitteln. Sie unterstützt die Zellteilung und die Entwicklung des Kindes in der Schwangerschaft. Synthetische Folsäure in Präparaten wird vom Körper besonders gut aufgenommen und hilft, den erhöhten Bedarf vor und während der Schwangerschaft zu decken.
Folatreiche Lebensmittel:
- Grünes Blattgemüse wie Spinat, Mangold, Spargel und Brokkoli
- Hülsenfrüchte wie Linsen, Kichererbsen und Bohnen
- Vollkornprodukte wie Haferflocken und Vollkornbrot
- Nüsse und Samen wie Sonnenblumenkerne oder Walnüsse
- Obst wie Orangen, Bananen und Avocado
- Beerenfrüchte wie Erdbeeren oder Himbeeren
- Leber und andere Innereien in kleinen Mengen
- Eier und Milchprodukte
- Angereicherte Lebensmittel wie bestimmte Frühstückszerealien
Achtung bei Innereien: Leber enthält zwar sehr viel Folat, sollte jedoch im ersten Trimester der Schwangerschaft komplett gemieden werden. Der extrem hohe Gehalt an Vitamin A (Retinol) kann in dieser Phase die Entwicklung des Embryos schädigen. Später sind kleine Mengen (max. einmal pro Woche) unbedenklich.
Praxis-Hinweis:
Folat ist extrem hitze-, wasser- und lichtempfindlich. Beim
Kochen können bis zu 90 % des Vitamins verloren gehen. Waschen
Sie Gemüse daher nur kurz und dämpfen oder dünsten Sie es bei
niedrigen Temperaturen, um den Gehalt zu erhalten.
Reicht Ernährung allein aus?
Für viele Frauen ist es schwierig, den erhöhten Bedarf an Folsäure in der Schwangerschaft nur über die Ernährung zu decken. Besonders in den ersten Wochen nach der Empfängnis ist der Bedarf hoch, und Folat aus Lebensmitteln geht beim Kochen teilweise verloren. Kochverluste reduzieren den Folatgehalt in Lebensmitteln, deshalb ist eine zusätzliche Supplementierung empfohlen. Zudem wird synthetische Folsäure vom Körper besonders gut aufgenommen. Weitere wertvolle Unterstützung für diese Phase bieten umfassende Schwangerschafts-Tipps zur Ernährung und Vorsorge.
Folsäure-Präparate vor und während der Schwangerschaft – was sollte man beachten?
Folsäure-Präparate helfen, den erhöhten Bedarf bei Kinderwunsch und in der Schwangerschaft zuverlässig zu decken. Es gibt reine Folsäure-Präparate oder Kombinationspräparate, die zusätzlich Jod, Vitamin B12 oder Eisen enthalten.
Empfehlungen:
- Reine Folsäure oder Kombipräparate für Schwangerschaft
- Kombination mit Jod, Vitamin B12 oder Eisen möglich und sinnvoll
- Gezielt Präparate für Schwangere bevorzugen: Diese enthalten oft zusätzlich Omega-3-Fettsäuren (DHA) für die Augen- und Gehirnentwicklung des Babys sowie Eisen gegen Müdigkeit.
- Einnahme täglich, möglichst zur gleichen Zeit
- Vor Beginn der Schwangerschaft mit Arzt oder Hebamme abklären
- Auf die empfohlene Dosierung achten, meist 400 Mikrogramm täglich
- Ergänzend eine folatreiche Ernährung beibehalten
Folsäure in der Schwangerschaft: Gibt es Nebenwirkungen?
In der empfohlenen Dosierung ist Folsäure äußerst gut verträglich, da überschüssige Mengen vom Körper in der Regel einfach über den Urin ausgeschieden werden. In seltenen Fällen oder bei extrem hohen Dosierungen können Magen-Darm-Beschwerden, Schlafstörungen oder allergische Reaktionen (z. B. Hautrötungen) auftreten. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber, wie Sie das Medikament richtig anwenden und dosieren sowie über unerwartete Nebenwirkungen.
Gibt es Wechselwirkungen?
Die Gabe von Folsäure kann die Wirkung von Epilepsiemedikamenten wie Phenytoin oder Phenobarbital senken. Das kann das Risiko für einen epileptischen Anfall erhöhen. Manche Medikamente wie Malariamittel mit Proguanil oder Antibiotika mit Trimethoprim blockieren Folsäure und schwächen somit ihre Wirkung ab, und umgekehrt. Was Sie bei der Einnahme von Folsäure beachten müssen, sagt Ihnen in diesem Fall Ihr Apotheker oder Ihre Apothekerin. Lassen Sie sich beraten und nutzen Sie unseren Arzneimittel-Check.
Wer hat ein erhöhtes Risiko für einen Folsäuremangel?
Nicht alle Frauen haben den gleichen Bedarf oder die gleiche Ausgangslage. Bei einigen steigt das Risiko für einen Mangel an Folsäure, was besonders vor und während der Schwangerschaft relevant ist. Risikogruppen sind:
- Frauen mit unausgewogener Ernährung
- Raucherinnen
- Frauen mit bestimmten Magen-Darm-Erkrankungen, z. B. Zöliakie oder Morbus Crohn
- Einnahme bestimmter Medikamente, die den Folatstoffwechsel beeinflussen
- Frauen, deren frühere Schwangerschaft durch einen Neuralrohrdefekt betroffen war
- Frauen mit starkem Stress oder erhöhtem Nährstoffbedarf
- Frauen mit Übergewicht oder Stoffwechselproblemen
Eine gezielte Folsäure-Supplementierung bei Kinderwunsch oder Folsäure in der Schwangerschaft kann helfen, diesen Risikofaktor zu reduzieren.
Folsäure vor und während der Schwangerschaft auf einen Blick
- Frühzeitig beginnen, idealerweise vor der Schwangerschaft und bei Kinderwunsch
- 400 Mikrogramm Folsäure täglich gelten als Standardempfehlung
- Besonders wichtig in den ersten Wochen nach der Empfängnis
- Ernährung allein reicht oft nicht aus, Supplemente sind sinnvoll und sicher
- Kombination aus folatreichen Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmittel empfehlenswert
- Senkt das Risiko für Neuralrohrdefekte und unterstützt die Zellteilung
- Auch in der weiteren Schwangerschaft sinnvoll für Mutter und Kind
- Rücksprache mit Arzt oder Hebamme zur individuellen Dosierung empfohlen
Häufige Fragen zu Folsäure in der Schwangerschaft
Allgemeiner Hinweis: In unseren Ratgebern verwenden wir für die bessere Lesbarkeit überwiegend das generische Maskulinum. Gemeint sind damit aber auch Angehörige des weiblichen Geschlechts und anderer Geschlechtsidentitäten.

Über unsere Autorin:
Dr. Leonie Dolder | Ärztin
Ich bin Ärztin und medizinische Autorin aus Leidenschaft. Es liegt mir am Herzen, den Menschen Gesundheitsthemen näher zu bringen und Medizin verständlich zu erklären, denn ein gut informierter und aufgeklärter Patient kann sich besser um sein größtes Gut - seine Gesundheit - kümmern.
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