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Was braucht die Haut bei Neurodermitis?

Von Janet Baron, Apothekerin bei mycare.de
Aktualisiert: 01.09.2022

Was braucht die Haut bei Neurodermitis?

Neurodermitis ist eine Entzündungsreaktion der Haut. Sie ist die häufigste chronische Hauterkrankung, welche in der Regel in Schüben verläuft. Die Ursachen sind bislang noch nicht vollständig geklärt. Fest steht, dass genetische Faktoren beteiligt sind. Auch psychische Faktoren und Umwelteinflüsse können den Krankheitsausbruch bei entsprechender Veranlagung provozieren.

Wodurch wird Neurodermitis ausgelöst?

Rund 10 bis 20 Prozent der Kinder leiden an Neurodermitis. Jedoch verbessert sich das Hautbild bei vielen Menschen im Jugendalter. Bei den Erwachsenen sind etwa zwei bis vier Prozent erkrankt. Es gibt keine Standardtherapie – für jeden Patienten muss sie individuell abgestimmt werden.

Es gibt verschiedene Auslöser, oder auch Trigger genannt:

  • allergische Reize, ausgelöst durch Pollen, Schimmelpilze, bestimmte Nahrungsmittel, Tier-Allergene
  • Überempfindlichkeit gegen beispielsweise Kosmetika, Seife oder Waschmittel
  • Umwelteinflüsse
  • akute Infekte und Stress

Das Atopisches Ekzem wird wahrscheinlich vererbt. Das Auftreten der Hautsymptome ist zu 70% aller Fälle an Allergien gekoppelt. Wenn sich die Beschwerden jedes Jahr in der Pollenzeit verschlimmern, liegt sehr wahrscheinlich eine Reaktion auf Aeroallergene (Allergieauslöser aus der Luft) vor. Viele Patienten leiden zusätzlich unter Heuschnupfen.

Wie identifiziere ich die Auslöser?

Breitet sich die Neurodermitis immer mehr aus, ist das Behandeln der Symptome allein nicht mehr ausreichend. Es ist wichtig, die Trigger zu kennen, um diese vermeiden zu können. Unter anderem kann dies durch einen Allergietest passieren, der auch nach einiger Zeit wiederholt werden kann.. Besonders sinnvoll ist dies, wenn sich Lebensumstände verändert haben, aber auch bei vorübergehenden Faktoren, wie

  • Umzug, Renovierungsmaßnahmen, Urlaub,
  • neue Kleidung & Kosmetik,
  • Umstellung der Ernährung sowie
  • neues Haustier oder
  • Pollenflug.

Mögliche Allergene lassen sich durch kritische Analyse der Lebensumstände und der Gewohnheiten etwas eingrenzen. Das erleichtert dem Arzt die Diagnose deutlich und hilft dem Patienten, die Trigger zu vermeiden. Falls einer der Auslöser der Pollenflug ist, ist es sinnvoll, wenn die gleichen Vorsichtsmaßnahmen wie bei einer Pollenallergie oder Heuschnupfen getroffen werden. Unter anderem zählt dazu das Wechseln der Kleidung nach dem Aufenthalt im Freien, Pollenschutzgitter an den Fenstern und abends duschen und Haare waschen, um alle Pollen von der Haut zu entfernen.

Wie äußert sich Neurodermitis?

Zentral ist die grundlegende Störung der Hautbarriere, wodurch die Haut sehr empfindlich auf äußere und innere Einflüsse reagiert. Neurodermitis äußert sich insbesondere durch eine sehr empfindliche und trockene Haut, die oft auch gerötet ist. Für die Betroffenen steht meist der extreme Juckreiz im Vordergrund, der nachts am stärksten ist. Ist die Haut aufgekratzt, können Erreger wie Bakterien, Viren oder Pilze leichter in die Haut eindringen und die Entzündung verschlimmern. Oft bestehen zusätzlich Allergien, die sich ebenfalls negativ auf den Zustand der Haut auswirken.

Gibt es verschiedene Formen von Neurodermitis?

Mediziner unterscheiieden zwischen zwei Formen dieser Hautkrankheit. Zum einen die extrinsische: Bei dieser reagiert das Immunsystem sensibel auf allergieauslösende Stoffe – diese Reaktion kann im Blutbild nachgewiesen werden. Die meisten Neurodermitis-Patienten haben diese Form. Bei Kindern ist meist eine Lebensmittelallergie der Auslöser der Neurodermitis, bei Erwachsenen Heuschnupfen oder die Hausstaubmilbenallergie. Bei der intrinsischen Form gibt es diesen externen Auslöser der Neurodermitis nicht, die Betroffenen leiden auch im Normalfall nicht an einer Allergie. Etwa ein Fünftel der Neurodermitiker leidet an dieser Form. Gemeinsam haben die beiden Formen allerdings, dass die Haut entsprechende Pflege braucht, um widerstandsfähig zu werden und dadurch die Neurodermitis-Schübe so lange wie möglich hinauszuzögern.

Wie pflege ich meine Haut richtig?

An Neurodermitis erkrankte Haut reagiert sehr sensibel auf Umwelteinflüsse und Stress. Deshalb sollte man sich für die tägliche Hautpflege ausreichend Zeit nehmen. Mit ihr soll die Haut geschützt und neue Schübe vermieden werden. Da die empfindliche Haut von Neurodermitikern zu trocken ist und über zu wenig Hautfette verfügt, muss ihr über die Pflege viel Fett und Feuchtigkeit zugeführt werden. So kann die Haut ihre Schutzfunktion besser erfüllen. Jedoch sollte bei der Pflegeauswahl der Hautzustand beachtet werden: Akute Entzündungen sollten mit Produkten auf Wasserbasis behandelt werden. Das Jucken kann durch Cremes mit den Inhaltsstoffen Nachtkerzenöl oder Harnstoff (jedoch nicht bei einer akuten Entzündung, da Harnstoff sonst auf der Haut ein brennendes Gefühl hervorrufen kann) gelindert werden. Eine kurzzeitige Behandlung mit Kortison ist normalerweise bei Ekzemen mit Entzündungen nötig. Viele Produkte sind verschreibungspflichtig, niedrig dosierte Varianten gibt es freiverkäuflich in der Apotheke. Im Sommer sollte auch auf den richtigen Sonnenschutz geachtet werden. Speziell für Neurodermitiker geeignete Produkte schützen die empfindliche, trockene Haut vor den UV-Strahlen, wie das LETI AT4 Defense SPF 50+ Spray

Welche Produkte eignen sich für die Reinigung?

Neurodermitiker sollten für die Hautreinigung Produkte mit rückfettenden Eigenschaften und einem hautfreundlichen pH-Wert verwenden. Sinnvoll sind Duschöl und medizinische Duschbäder aus der Apotheke. Sie reinigen sanft und wirken Hautirritationen entgegen. Beim Baden sollte darauf geachtet werden, dass das Wasser nicht zu heiß ist. Ein zu langes Duschen oder Baden schadet ebenfalls der Haut, da ihr so Feuchtigkeit entzogen wird. Anschließend sollte man die Haut trocken tupfen. Schwungvolles Abrubbeln ist nicht empfehlenswert – es kann die Haut zusätzlich reizen.

WIe äußert sich Neurodermitis bei Kleinkindern?

Zum einen kommen viele Kleinkinder aus Allergikerfamilien und erben die Überempfindlichkeit des Immunsystems. Jedoch haben Ärzte und Wissenschaftler eine Reihe weiterer Ursachen festgestellt:

  • Nahrungsmittel
  • Mechanische Reize, wie Kleidung oder Klima
  • Infektionen und Stress

So individuell, wie jedes Kind ist, so unterschiedlich sind auch die Auslöser. Daher kann man nur sehr schlecht allgemeine Faktoren ausfindig machen. Es besteht allerdings die Hoffnung, dass bis zum Schulalter oder der Pubertät die Symptome zurückgehen und sich das Hautbild verbessert.

Welche Symptome zeigen sich?

Der ständige Juckreiz, der Tag und Nacht quält, ist wohl am schlimmsten. Außerdem trocknet die Haut infolge der Erkrankung stark aus und schuppt sich. Zu den typischen Symptomen gehören auch Rötungen, nässende Stellen sowie Bläschen. Diese zeigen sich bei Kindern meist zunächst auf den Wangen, der Stirn und der Kopfhaut und breiten sich später über den gesamten Körper aus. Die Haut im Nacken, den Kniekehlen, den Armbeugen und den seitlichen Körperpartien ist nicht nur trocken und rissig, sondern häufig auch verdickt und erscheint von der Struktur her gröber.

Was tun gegen das Jucken?

Das nervige und quälende Jucken, auch Pruritus genannt, verleitet gerade Kinder dazu, die betroffenen Hautstellen zu kratzen, zu scheuern und zu reiben. Das bringt nur kurzfristig Linderung, da der entstehende Schmerzimpuls den Juckreiz überdeckt.

Beim Kratzen wird die Haut zusätzlich geschädigt und Bakterien und Pilze können leichter eindringen. Das sorgt für weiteren Juckreiz und es entsteht so etwas wie ein Teufelskreis. Oft wird das Jucken dann noch schlimmer, da die Haut noch stärker verletzt ist.

Die auslösenden Faktoren zu bestimmen und nach Möglichkeit auszuschalten, ist der erste wichtige Schritt, um weitere Neurodermitisschübe und den damit verbundenen Juckreiz zu stoppen.

Zudem ist die richtige Behandlung entscheidend. Für die Basispflege eignen sich Cremes und Lotionen, die den Fett- und Feuchtigkeitsgehalt der Haut erhöhen. Auf reizende Zusatzstoffe sollte grundsätzlich verzichtet werden.

Kann Neurodermitis geheilt werden?

Nein, die atopische Dermatitis kann nicht geheilt werden. Die Symptome können behandelt werden und Vorsichtsmaßnahmen können ergriffen werden. Eine Änderung des Lebenswandels kann auch sinnvoll sein. Es ist bis heute nicht erforscht, welchen Einfluss die Ernährung auf die Entstehung der Neurodermitis hat. Trotzdem stehen Lebensmittel in Verdacht, die Erkrankung auszulösen oder zumindest zu begünstigen. Die Beschwerden können gelindert werden, meidet man bestimmte Lebensmittel. Häufig reagieren Neurodermitiker allergisch auf Kuhmilch, Nüsse, Weizenmehl, Fisch, Hühnereier und Soja, jedoch gibt es keine allgemein gültige Regel. Auch auf Kaffee und Alkohol sollte verzichtet werden. Zucker und stark gewürzte Speisen können ebenfalls einen Neurodermitisschub verstärken.

Da Zigarettenrauch die Symptome verstärkt, sollte der Haushalt komplett rauchfrei gehalten werden. Auch Stress wirkt sich negativ auf die Neurodermitis aus. Daher ist Entspannung sehr wichtig. Eine Heilfastenkur kann positive Effekte erzielen. Patienten sollten zudem ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen.

Autorin Apothekerin Janet Baron

Über unsere Autorin:

Janet Baron | Stellvertretende Leitung Heimversorgung
Seit 2013 bin ich Apothekerin und startete 2014 bei mycare in der Heimversorgung. Mit der Fachweiterbildung „Pharmazie in der Geriatrie“ erlangte ich die Voraussetzung für ein qualifiziertes Medikationsmanagement für unsere geriatrischen Patienten sowie die tägliche praktische Anwendung in der Heimversorgung. Zudem führe ich Schulungen zu aktuellen Themen für Laien und Fachpersonal durch. Mehr erfahren

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