Der Leitfaden zum diabetischen Fuß
✓ Pharmazeutisch geprüft - Lesezeit: 4 Minuten
Von Kristin Schöfisch, PTA bei mycare.de
Aktualisiert: 22.09.2025

Das diabetische Fußsyndrom ist eine Folge von langfristig hohem Blutzucker, der Nerven und Gefäße schädigt. Dies führt zu einem verminderten Schmerzempfinden und einer schlechten Durchblutung der Füße, sodass kleine Verletzungen oft unbemerkt bleiben. Unbehandelt können diese zu schweren Infektionen führen und im Extremfall Amputationen zur Folge haben. Symptome sind unter anderem Taubheit, trockene Haut und Wunden. Die Prävention ist entscheidend und umfasst tägliche Fußkontrollen, sorgfältige Pflege sowie die Verwendung von passendem, druckentlastendem Schuhwerk. Auch die professionelle Fußpflege beim Podologen ist für Diabetiker essenziell.
Diabetischer Fuß - kurz erklärt
Ein über längere Zeit erhöhter Blutzuckerspiegel kann zur Entstehung des diabetischen Fußsyndroms führen. Die Zuckerkrankheit schädigt dabei sowohl die Nerven als auch die Gefäße, was zu einer eingeschränkten Durchblutung der Füße und einem Verlust der Empfindungsfähigkeit führt. Bagatellverletzungen werden dadurch oft übersehen, wodurch Infektionen leichtes Spiel haben. Die Durchblutungs und Nervenstörungen können außerdem eine Fehlbelastung des Fußes verursachen. Dies kann zur Bildung von Hornhaut und Druckstellen beitragen, aus denen wiederum Wunden entstehen können. Zusätzlich kann die Zuckerkrankheit die körpereigene Immunabwehr beeinträchtigen. Schon geringfügige Hautschäden können sich so unbemerkt infizieren und zu schwerwiegenden Wunden entwickeln. Generell gilt, dass infizierte Wunden bei Diabetikern schlechter heilen.
Risiken des Krankheitsverlaufs
Bereits bestehende Wunden oder bekannte Gefäß und Nervenveränderungen erfordern eine engmaschige Überwachung durch den Hausarzt, Diabetologen oder eine spezialisierte Fußambulanz. Personen, die vom diabetischen Fußsyndrom betroffen sind, sollten daher unbedingt eine Behandlung durch Spezialisten in Anspruch nehmen. Ziel der Therapie ist es, den Krankheitsverlauf so weit abzuschwächen, dass die schlimmsten Konsequenzen vermieden werden. Denn ohne adäquate Behandlung könnten im schlimmsten Fall Amputationen einzelner Zehen, des Fußes oder sogar des gesamten Beines nötig werden. Glücklicherweise lässt sich dies dank der fortschrittlichen Therapiemethoden heute vermeiden.

Symptome des diabetischen Fußes
Diabetiker müssen ihren Füßen besondere Aufmerksamkeit schenken und diese regelmäßig selbst auf bestimmte Anzeichen kontrollieren. Zu diesen Symptomen, die auf eine Schädigung hindeuten können, gehören unter anderem:
- Unempfindlichkeit gegen Schmerzen und Temperaturunterschieden
- Trockene Haut und vermehrte Hornhaut an den Füßen
- Missempfindungen wie Stechen, Brennen oder ein Gefühl von Taubheit
- Fehlstellungen der Zehen
- Schwellungen, Rötungen und Wunden
- Schlecht durchblutete Stellen am Fuß, sichtbar durch blasse bis bläuliche Verfärbungen
Behandlung des diabetische Fußsyndroms
Die Therapie des diabetischen Fußsyndroms richtet sich nach dem jeweiligen Stadium der Erkrankung. Im Frühstadium genügt in der Regel eine fortlaufende Kontrolle, um Veränderungen frühzeitig zu erkennen und rechtzeitig geeignete Maßnahmen ergreifen zu können. Sind bereits Wunden aufgetreten, ist deren Behandlung essenziell. Zudem muss für eine Druckentlastung des Fußes gesorgt werden, was beispielsweise durch den Einsatz von speziellem Diabetiker Schuhwerk geschieht. Bei einer vorhandenen Infektion des Fußes erfolgt meist eine Behandlung mit Antibiotika, um die Ausbreitung der Keime zu stoppen. Eine Amputation wird nur dann in Betracht gezogen, wenn die Infektion trotz aller Bemühungen nicht mehr kontrolliert werden kann.
Nutzen der Fußpflege beim Podologen
Die Fußpflege bei einem diabetischen Fußsyndrom kann für Betroffene oft schwierig selbst durchzuführen sein. Insbesondere bei bereits bestehenden Wunden oder der Tendenz zu einwachsenden Fußnägeln ist der Besuch beim Podologen ratsam. Dabei ist zu beachten, dass die Bezeichnungen "Podologe" und "medizinischer Fußpfleger" gesetzlich geschützt sind. Wer diese Titel führt, hat eine mehrjährige Ausbildung absolviert, die unter anderem die speziellen Anforderungen der diabetischen Fußpflege umfasst.
Der medizinische Fußpfleger übernimmt bei Ihrem Besuch nicht nur die reine Pflege der Füße, sondern untersucht diese auch sorgfältig auf Hühneraugen, Druckstellen und kleinere Läsionen. Stellt er Auffälligkeiten fest, leitet er die Erstversorgung ein und überweist Sie anschließend an einen Arzt. Des Weiteren hält der Podologe in einem Anamnesebogen wichtige Daten zu Ihrem Gesundheitszustand, Ihren Vorerkrankungen und eventuellen Allergien fest.
Weitere Ansprechpartner für die Behandlung
Ihr Hausarzt oder Diabetologe ist die erste Anlaufstelle bei auftretenden Fußproblemen. Bei Bedarf entscheidet dieser, ob zusätzliche Spezialisten in die Behandlung des diabetischen Fußsyndroms miteinbezogen werden müssen.
Dies umfassen zum Beispiel:
- Einen Orthopädie Schuhmacher, der in der Lage ist, druckentlastende Einlagen maßzufertigen.
- Den zuvor beschriebenen Podologen (medizinischer Fußpfleger).
- Einen Gefäßspezialisten (Angiologen), der oft die gestörte Durchblutung wiederherstellen kann.
Zeigen sich schwerwiegendere Probleme an Ihrem diabetischen Fuß, wird Ihr behandelnder Arzt Sie idealerweise an eine Fußambulanz überweisen. Dort arbeiten verschiedene Experten für das diabetische Fußsyndrom strukturiert und koordiniert zusammen. Sie verfolgen dabei ein gemeinsames Ziel: Ihre Wunden zur Heilung zu bringen und somit Ihre Füße zu erhalten.
Vorbeugung des diabetischen Fußsyndroms
Wurde bei Ihnen eine Diabeteserkrankung diagnostiziert, ist die tägliche Kontrolle Ihrer Füße unerlässlich. Sobald Sie Druckstellen, Wunden, Verfärbungen oder Anzeichen einer Infektion bemerken, ist umgehend ein Arzt aufzusuchen. Diabetikerfüße benötigen jedoch nicht nur Beobachtung, sondern auch die richtige Pflege. Beachten Sie dabei die folgenden Punkte:
- Fußbäder, nicht länger als 5 Minuten bei höchstens 37 Grad. Für die Reinigung verwenden Sie am besten einen milden und pflegenden Badezusatz wie Allgäuer Latschenkiefer Sole Fußbad. Füße nach dem Baden gründlich abtrocknen, auch die Zehenzwischenräume. Tupfen ist besser als reiben.
- Um Hornhaut und Druckstellen vorzubeugen, sollte die Füße nach dem Baden sorgfältig eingecremt werden, zum Beispiel mit einer harnstoffhaltigen Creme oder Schaum – verwenden Sie keine Scheren, Messer, Rasierklingen oder Hornhautraspeln.
- Zum Kürzen der Nägel eine Nagelzange oder Sandpapierfeile verwenden, Hornhaut schonend mit einem Bimsstein entfernen.
- Achten Sie bei der Fußpflege besonders darauf, weder Nagelbett noch Haut zu verletzen.
- Um Verletzungen am Fuß generell vorzubeugen, sollten Sie möglichst auf das Barfußlaufen verzichten.
Geeignete Schuhe bei diabetischen Füßen
Während gesunde Füße kleinere Unannehmlichkeiten wie drückendes Schuhwerk verzeihen, kann dies beim diabetischen Fuß schnell zu ernsten Komplikationen führen. Deshalb ist es von größter Bedeutung, Fußbekleidung zu wählen, die den Fuß nirgends einengt oder reizt und keine Scheuerstellen verursacht. Ein einfacher Tipp für den Schuhkauf ist, den genauen Umriss Ihres Fußes auf Pappe zu zeichnen, auszuschneiden und mit ins Geschäft zu nehmen. Legen Sie diesen Pappumriss vor der Anprobe in den Schuh und nehmen Sie ihn wieder heraus: Ist der Umriss geknickt oder verbogen, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass der Schuh nicht die nötige Passform bietet.
Sollten bei Ihnen bereits diabetesbedingte Nerven oder Gefäßschäden vorliegen, ist es ratsam, vor der Anschaffung neuer Schuhe den Rat Ihres Arztes einzuholen. Dieser kann gegebenenfalls spezielle Diabetes Schutzschuhe verschreiben, sofern dies medizinisch notwendig ist. Diese Schuhwerke sind aufgrund ihrer besonderen Konstruktion dazu gedacht, Ihre Füße wirksam vor Druckstellen und weiteren Schäden zu bewahren.
Rolle der Socken
Neben dem passenden Schuhwerk spielen auch die Socken eine entscheidende Rolle, um Reibung und die Entstehung von Wunden am Fuß zu verhindern. Achten Sie hierbei besonders darauf, dass der Strumpf faltenfrei sitzt und wie eine zweite Haut anliegt. Die übliche Naht am Übergang zu den Zehen sollte, wann immer möglich, vermieden werden, da diese die Haut aufscheuern kann. Da der diabetische Fuß ohnehin schlecht durchblutet ist, sollten die Socken zudem einen breiten, weichen Bund besitzen, um keine Einschnürungen zu verursachen und die Blutzufuhr nicht zusätzlich zu behindern. Zur Vorbeugung von Pilzinfektionen sollten Sie die Socken außerdem täglich wechseln.
Häufig gestellte Fragen rund um den diabetischen Fuß
Allgemeiner Hinweis: In unseren Ratgebern verwenden wir für die bessere Lesbarkeit überwiegend das generische Maskulinum. Gemeint sind damit aber auch Angehörige des weiblichen Geschlechts und anderer Geschlechtsidentitäten.

Über unsere Autorin:
Kristin Schöfisch | Pharmazeutische Kundenbetreuung
Mein Beruf als Pharmazeutisch-technische Assistentin beinhaltet die qualifizierte Beratung zu allen Fragen rund um Gesundheitsthemen, Arzneimittel, Medizinprodukte und Nahrungsergänzungsmittel. Durch meine Weiterbildung zur Fach-PTA für Homöopathie und Naturheilverfahren verfüge ich über eine besondere Spezialisierung in der Beratung zu pflanzlichen Arzneimitteln und komplementären Behandlungsmethoden. Um stets fachlich auf dem Laufenden zu sein und Ihnen die beste Beratung zu bieten, ist die regelmäßige Fortbildung unerlässlich. Mehr über Kristin Schöfisch
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