Umfassender Ratgeber gegen Haarausfall: Ursachen und Lösungen

✓ Pharmazeutisch geprüft - Lesezeit: 8 Minuten

Von Grit Ritter, Pharmazieökonomin bei mycare.de
Aktualisiert: 18.06.2026

Eine dunkelhaarige Frau guckt schockiert in ihre Bürste, die voll ist mit ausgefallenen Haaren.

Ein gewisser Haarverlust ist völlig normal. Bis zu etwa 100 Haare pro Tag zu verlieren, gehört zum natürlichen Haarzyklus und ist kein Grund zur Sorge. Wenn das Haar jedoch über einen längeren Zeitraum flächig dünner wird, büschelweise ausfällt oder sich kahle Stellen bilden, liegt meist eine Form von Haarausfall (Alopezie) vor.

Die biologischen Ursachen dafür sind vielfältig und reichen von genetischer Veranlagung über hormonelle Umstellungen bis hin zu Autoimmunreaktionen, akutem Nährstoffmangel oder saisonalen Einflüssen. Für eine gezielte Therapie ist die genaue Bestimmung der jeweiligen Form sowie das Verständnis der biologischen Hintergründe entscheidend. Dies hilft Ihnen dabei, die passende Behandlungsstrategie zu wählen und das Haarwachstum mit wirksamen Wegen sowie Produkten aus der Apotheke aktiv zu unterstützen.

Die verschiedenen Formen von Haarausfall im Überblick

Um Haarausfall effektiv zu behandeln, muss zunächst die genaue Form bestimmt werden. Die folgende Tabelle zeigt die drei häufigsten Arten und ihre typischen Merkmale:

Form des Haarausfalls Typisches Erscheinungsbild Hauptursachen
Androgenetische Alopezie (Erblich bedingt) Männer: Geheimratsecken & Tonsur.

Frauen: Ausdünnung im Scheitelbereich.
Genetische Überempfindlichkeit gegen das Hormon DHT.
Alopecia areata (Kreisrund) Scharf umrissene, kreisrunde, völlig kahle Flecken auf Kopf oder Körper. Autoimmunerkrankung (Immunsystem greift Haarwurzeln an).
Diffuser / Saisonaler Haarausfall Gleichmäßiger Haarverlust auf der gesamten Kopfhaut. Stress, Nährstoffmangel, Kälte, hormonelle Schwankungen.

Der natürliche Haarzyklus: Wie Haare wachsen und ausfallen

Die unter der Kopfhaut liegenden Haarfollikel bilden die Haare, an deren unterem Ende sich die schützenden Haarwurzeln befinden. Jedes einzelne Haar durchläuft kontinuierlich einen Zyklus, der aus drei Phasen besteht:

  1. Wachstumsphase (Anagenphase): Diese Phase dauert zwei bis sechs Jahre. Das Haar ist aktiv mit der Wurzel verbunden und wird über Blutgefäße mit allen notwendigen Nährstoffen versorgt.
  2. Übergangsphase (Katagenphase): Das Wachstum stoppt, der Follikel verengt sich und die Nährstoffversorgung des Haars wird eingestellt. Diese Phase ist mit wenigen Wochen sehr kurz.
  3. Ruhephase (Telogenphase): Das Haar ruht über zwei bis vier Monate lose im Follikel. Am Ende dieser Phase fällt es schließlich (z. B. beim Kämmen oder Waschen) aus, und der Follikel beginnt von vorne, ein neues Haar zu bilden.

Ein biologisches Gleichgewicht besteht, solange sich etwa 80 bis 90 Prozent der Haare in der Wachstumsphase befinden. Verschiebt sich dieses Verhältnis zugunsten der Ruhephase, kommt es zu sichtbarem Haarausfall.

1. Erblich bedingter Haarausfall (Androgenetische Alopezie)

Die androgenetische Alopezie ist die häufigste Ursache für dauerhaften Haarverlust. Auslöser ist eine genetisch festgelegte Überempfindlichkeit der Haarfollikel gegenüber Androgenen (männlichen Hormonen), insbesondere gegenüber dem Testosteron-Abbauprodukt DHT. Unter DHT-Einfluss verkleinern sich die Follikel, wodurch die Wachstumsphase verkürzt wird und die Haare vorzeitig ausfallen. Die Symptome zeigen sich bei Männern und Frauen jedoch völlig unterschiedlich:

  • Bei Frauen (Das Ludwig-Schema): Der anlagebedingte Haarausfall verursacht bei Frauen in der Regel keine vollständig kahlen Stellen. Stattdessen werden die Haare diffus im Bereich des Mittelscheitels dünner. Von oben betrachtet entsteht oft ein sogenanntes Christmas-Tree-Muster (vorne über der Stirn am breitesten, nach hinten schmaler werdend). Häufig bemerken Frauen diesen Verlust verstärkt nach der Menopause durch den sinkenden Östrogenspiegel.
  • Bei Männern (Das Hamilton-Norwood-Schema): Hier beginnt der Prozess meist mit zurückweichenden Geheimratsecken und dünner werdendem Haar am Hinterkopf (Tonsur), was bis zur vollständigen Glatzenbildung führen kann.

Detaillierte Informationen zu den hormonellen blockierenden Therapien (wie Finasterid), Genetik und speziellen Pflegeroutinen finden Sie in unserem fokussierten Ratgeber zu Haarausfall bei Männern.

Behandlungsmöglichkeiten bei erblich bedingtem Haarverlust

Diese Art der Alopezie ist durch die Erbanlage festgelegt und wird durch die Alterung ausgelöst. Auslöser dieses erblich bedingten Haarausfalls ist eine Überempfindlichkeit der Haarfollikel gegenüber den Androgenen, also den männlichen Hormonen. Wenn die Haarfollikel beginnen, auf den Androgenspiegel zu reagieren, können sie sich verkleinern. Dadurch wird die Haarbildung eingeschränkt und die Kopfhaare können schneller ausfallen. Die Haare auf dem Kopf werden dabei an bestimmten Stellen lichter, sodass sich typische Muster ergeben:

  • Das Hamilton-Norwood-Schema: Bei den meisten betroffenen Männern beginnt die androgenetische Alopezie meist bei den Geheimratsecken – die vordere Haarlinie weicht dabei an die Stirn-Haar-Grenze in Dreiecksform zurück. Danach dünnen die Haare im oberen Bereich des Hinterkopfs aus. Die kahlen Stellen können mit der Zeit größer werden, bis sie sich verbinden und eventuell nur noch ein Haarkranz übrig bleibt. Im weiteren Verlauf des erblichen Haarausfalls ist auch die Bildung einer vollständigen Glatze möglich.
  • Das Ludwig-Schema: Dieses Schema tritt bei den meisten vom anlagebedingten Haarausfall betroffenen Frauen auf. Es verursacht in der Regel keine vollständig kahlen Stellen. Die Haare werden im Scheitelbereich dünner, wobei am Haaransatz ein Streifen ohne die Ausdünnung bestehen bleibt. Von oben gesehen kann auch ein sogenanntes Christmas-Tree-Muster entstehen: Auch hierbei lichten sich die Haare im Bereich des Mittelscheitels und seitlich davon. Vorn über der Stirn ist der ausgedünnte Bereich am breitesten, Richtung Hinterkopf verschmälert er sich.

Betroffene Personenkreise bei erblichem Haarausfall

Auch wenn die ersten Symptome dieser erblichen Veranlagung schon im Teenageralter auftreten können, tritt der erblich bedingte Haarausfall vor allem zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr auf. Frauen bemerken oft nach der Menopause, dass ein starker Haarausfall auftritt.

Behandlungsmöglichkeiten bei genetisch bedingtem Haarverlust

Die androgenetische Alopezie ist zwar genetisch vorgegeben und nicht im klassischen Sinne "heilbar", ihr Fortschreiten lässt sich durch eine frühzeitige Behandlung jedoch effektiv bremsen:

  • Wirkstoff Minoxidil: Sowohl für Männer als auch für Frauen stehen Mittel mit dem Wirkstoff Minoxidil zur Verfügung, die als Lösung oder Schaum direkt auf die Kopfhaut aufgetragen werden, um die Durchblutung der Follikel zu reaktivieren.
  • Mikronährstoffe für Frauen: Speziell für Frauen bietet sich eine gezielte Kur mit Mikronährstoffen an, um die Haarwurzel von innen zu stärken. Produkte wie die Priorin Kapseln versorgen die Haarwurzel mit essenziellem Hirseextrakt, Vitamin B5 (Pantothensäure) und L-Cystin, um das gesunde Haarwachstum wieder anzuregen. Ergänzend kann das Priorin Shampoo für mehr sichtbares Volumen verwendet werden.
  • Weitere Optionen: Bei weit fortgeschrittenem Haarverlust bleiben kosmetische Kaschierungen durch Perücken oder operative Haartransplantationen als dauerhafte Lösung.

2. Kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata)

Beim kreisrunden Haarausfall fallen an eng begrenzten Stellen des Kopfes plötzlich büschelweise Haare aus, sodass scharf umrissene, glatte, kahle Flächen entstehen. In schweren Fällen kann dies zum Verlust des gesamten Kopfhaares (Alopecia totalis) oder sogar der gesamten Körperbehaarung führen.

Die Auslöser der Alopecia areata

Es handelt sich hierbei um eine Autoimmunerkrankung. Das körpereigene Immunsystem ist fehlerhaft programmiert: Statt Krankheitserreger zu bekämpfen, attackiert es die eigenen Haarwurzeln. Die Haarzwiebeln werden von Entzündungszellen umzingelt, welche Stoffe absondern, die das Haarwachstum komplett unterbinden. Während die Genetik eine große Rolle spielt, können bei Kindern auch vorausgegangene Infekte als Trigger fungieren. Akuter Stress wird als Verstärker diskutiert; Radikaldiäten oder normale Hormonschwankungen reichen als alleinige Erklärung jedoch nicht aus.

Behandlung von kreisrundem Haarausfall

Diese Erkrankung gehört zwingend in die Hände eines Dermatologen. Die Therapie erfolgt symptomorientiert, entzündungshemmend und immunmodulierend:

  • Medikamentöse Therapie: Bei geringer Ausprägung sind Corticosteroide (z. B. Clobetasol, Betamethason oder Mometason) in Form von Lösungen, Cremes oder Schäumen für eine kurzzeitige Anwendung das Mittel der Wahl. Oft bilden sich kleine kahle Stellen nach einigen Monaten sogar ganz spontan von selbst zurück.
  • Äußerliche Immuntherapie: Bei schweren, großflächigen Verläufen gilt die topische Immuntherapie mit speziellen Kontaktallergenen als wirksamstes Verfahren, um die Fehlleitung des Immunsystems an den Follikeln zu stoppen. Diese Therapie erfordert viel Geduld (Dauer oft 1 bis 1,5 Jahre).

Infografik Kreisrunder Haarausfall: Ursachen, Behandlung, Prognose

Naturheilkundliche Alternativen bei kreisrundem Haarverlust

Zur Unterstützung der klassischen Therapie zeigen sich im Alltag bewährte Hausmittel beliebt:

  • Gerstengras Wird gern als Nahrungsergänzungsmittel (z. B. in Smoothies oder Salaten) eingenommen. Es ist reich an Antioxidantien, schützt vor freien Radikalen und fördert die Durchblutung der Kopfhaut.
  • Schwarzkümmelöl Kann sanft auf die betroffenen, kahlen Flecken einmassiert werden. Es besitzt entzündungshemmende Eigenschaften und kann die lokale Gewebereizung lindern.

3. Saisonaler und diffuser Haarausfall

Viele Menschen bemerken im Herbst und Winter einen verstärkten Haarverlust. Ein saisonaler Haarausfall ist bis zu einem gewissen Grad völlig natürlich: Viele Haare treten im Hochsommer (Juli) kollektiv in die dreimonatige Ruhephase ein, weshalb sie vermehrt in den Herbstmonaten ausfallen. Es gibt jedoch spezifische Winter-Faktoren, die diesen Effekt verstärken:

  • Einfluss von Kälte: Bei eisigen Temperaturen ziehen sich die feinen Blutgefäße der Kopfhaut enger zusammen. Die Kopfhaut wird schlechter durchblutet, wodurch deutlich weniger Nährstoffe bis zur Haarwurzel gelangen. Das Haarwachstum wird gehemmt. Tipp: Das Tragen einer warmen, aber lockeren Mütze schützt vor Kälte. Zu enge Mützen hingegen begünstigen Reibung und Haarbruch.
  • Lichtmangel (Vitamin D): Durch die abnehmende Sonnenintensität im Winter droht ein Vitamin-D-Mangel. Dieses Vitamin ist jedoch maßgeblich an den Wachstumszyklen der Haare beteiligt.
  • Weihnachtsstress und Ernährung: Die Wochen vor dem Jahreswechsel bedeuten oft Hektik, Schlafmangel und eine einseitige Ernährung (deftige Speisen, Zucker, vermehrter Alkoholgenuss zu Festlichkeiten). Alkohol entzieht dem Körper wichtige Flüssigkeit und stört den Zellstoffwechsel. Da Haare zu einem Teil aus Wasser und Proteinen bestehen, begünstigt ein temporärer Nährstoffmangel den diffusen Haarverlust.
Medienalternative zum Video Tipps gegen Haarausfall:
Gerade bei erblich bedingtem Haarausfall ist es wichtig, die Haarwurzeln zu stärken. Vier Tipps helfen, Haarverlust zu reduzieren: Keine strengen Frisuren tragen, Haare nach dem Waschen sanft in einen Turban wickeln statt trocken zu rubbeln, das Haar Schritt für Schritt von unten nach oben bürsten und die Haarwurzeln mit Priorin kräftigen. Priorin versorgt das Haar mit Hirseextrakt, Vitamin B5 und Cystin, unterstützt die Zellregeneration und fördert gesundes Haarwachstum. Ergänzend sorgt das Priorin Shampoo für mehr Glanz und Volumen bei dünner werdendem Haar.

Allgemeine Tipps und Schutzmaßnahmen für gesundes Haar

Unabhängig von der genauen Ursache können Sie Ihre Kopfhaut und Follikel im Alltag durch die richtige Pflege effektiv schonen und unterstützen:

  • Wassertemperatur: Verwenden Sie zum Haarewaschen lauwarmes statt heißes Wasser, um die hauteigenen Lipide nicht zu entziehen.
  • Schonendes Trocknen: Rubbeln Sie das Haar nach dem Waschen nicht trocken, sondern wickeln Sie es sanft in einen Handtuch-Turban. Vermeiden Sie zu heißes Föhnen und halten Sie ausreichend Abstand zur Kopfhaut.
  • Haarschonende Frisuren: Verzichten Sie auf dauerhaft streng zurückgebundene Zöpfe (Pferdeschwanz, Dutt), da der permanente Zug die Haarwurzeln mechanisch schädigt.
  • Sonnenschutz: Schützen Sie Kopfhaut und Haare im Sommer (oder beim Wintersport im Hochgebirge) stets durch eine Kopfbedeckung vor intensiver UV-Strahlung.

Häufig gestellte Fragen rund um den Haarausfall

Was sind die häufigsten Ursachen für Haarausfall?
Wie äußert sich die androgenetische Alopezie bei Männern und Frauen?
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es für erblich bedingten Haarausfall?
Was ist kreisrunder Haarausfall und wie wird er behandelt?
Wie kann ich saisonalen Haarausfall vorbeugen?

Allgemeiner Hinweis: In unseren Ratgebern verwenden wir für die bessere Lesbarkeit überwiegend das generische Maskulinum. Gemeint sind damit aber auch Angehörige des weiblichen Geschlechts und anderer Geschlechtsidentitäten.

Autorin Pharmazieökonomin Grit Ritter

Über unsere Autorin:

Grit Ritter | Pharmazeutische Kundenbetreuung
Seit über 20 Jahren bin ich im Pharmateam des Unternehmens verwurzelt. Grundlegend dafür ist die Leidenschaft für Gesundheitsthemen incl. Prävention. Regelmäßige Fortbildungen sind da essenziell. Neben Kundenberatung sind Betriebl. Gesundheitsmanagement, Haus- und Reiseapothekenchecks und pharmazeutisches Marketing Schwerpunkte meiner Tätigkeit bei mycare.de. Mehr über G. Ritter

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