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Der vollständige Leitfaden zu Haarausfall und wie Sie diesen stoppen können

Von Grit Ritter, Pharmazieökonomin bei mycare.de
Aktualisiert: 21.09.2022

Frau mit Haarausfall

Gesundes, volles und schönes Haar - davon träumen viele. Ein stetiges Verlieren von Haaren ist allerdings normal, etwa 100 Haare fallen einem täglich aus. Von richtigem Haarausfall wird daher erst gesprochen, wenn täglich mehr als 100 Haare in der Bürste hängen bleiben. In Deutschland sind nicht wenige Menschen von Haarausfall betroffen. Dabei ist es nicht immer das Alter, das einem die Haare vom Kopf „frisst“.

Warum fallen die Haare aus?

Der Verlust von einigen Haaren am Tag ist im Grunde normal, da sich die Haare ständig erneuern. Die unter der Kopfhaut liegenden Haarfollikel bilden die Haare, an deren unterem Ende sich die Haarwurzeln befinden. Diese durchlaufen einen Zyklus, der aus drei Phasen besteht:

  • Wachstumsphase: Diese Anagenphase dauert zwei bis sechs Jahre. Das Haar erhält über die Wurzel alle notwendigen Nährstoffe.
  • Übergangsphase: In der Katagenphase stoppt die Versorgung des Haars. Diese Phase ist sehr kurz.
  • Ruhephase: Die Telogenphase dauert zwei bis vier Monate an. Am Ende der Ruhephase fällt das Haar aus und der Zyklus beginnt von vorne, in dem neues Haar gebildet wird.

Ein Gleichgewicht besteht bei etwa 100 ausgefallenen Haaren pro Tag. Wenn es mehr Haare sind, die ausfallen, spricht man von Haarausfall. Für die Alopezie kommen ganz verschiedene Ursachen infrage. Hier sind die häufigsten Gründe für ein regressives Haarwachstum:

  • Stressbedingter Haarausfall rührt, wie bereits der Name andeutet, von Stress. Der Körper schüttet in Stressphasen Botenstoffe aus, die den Haarwuchs einschränken
  • Auch saisonaler Haarausfall, beispielsweise durch Kälte, ist möglich.
  • Haarausfall kann auch von einer unausgewogenen Ernährungsweise kommen. Dem Körper fehlen wichtige Nähr- und Mineralstoffe für ein gesundes Haarwachstum.
  • Erblich bedingter Haarausfall, genannt Alopecia androgenetica, ist die häufigste Ursache für einen kahlen Kopf. Er zeigt sich bei Männern meist anfangs durch ausgeprägte Geheimratsecken. Bei Frauen tritt er durch schütteres Haar im Scheitelbereich auf.

Was ist die androgenetische Alopezie?

Diese Art der Alopezie ist durch die Erbanlage festgelegt und wird durch die Alterung ausgelöst. Auslöser dieses erblich bedingten Haarausfalls ist eine Überempfindlichkeit der Haarfollikel gegenüber den Androgenen, also den männlichen Hormonen. Wenn die Haarfollikel beginnen, auf den Androgenspiegel zu reagieren, können sie sich verkleinern. Dadurch wird die Haarbildung eingeschränkt und die Kopfhaare können schneller ausfallen. Die Haare auf dem Kopf werden dabei an bestimmten Stellen lichter, sodass sich typische Muster ergeben:

  • Das Hamilton-Norwood-Schema: Bei den meisten betroffenen Männern beginnt die androgenetische Alopezie meist bei den Geheimratsecken – die vordere Haarlinie weicht dabei an die Stirn-Haar-Grenze in Dreiecksform zurück. Danach dünnen die Haare im oberen Bereich des Hinterkopfs aus. Die kahlen Stellen können mit der Zeit größer werden, bis sie sich verbinden und eventuell nur noch ein Haarkranz übrig bleibt. Im weiteren Verlauf des erblichen Haarausfalls ist auch die Bildung einer vollständigen Glatze möglich.
  • Das Ludwig-Schema: Dieses Schema tritt bei den meisten vom anlagebedingten Haarausfall betroffenen Frauen auf. Es verursacht in der Regel keine vollständig kahlen Stellen. Die Haare werden im Scheitelbereich dünner, wobei am Haaransatz ein Streifen ohne die Ausdünnung bestehen bleibt. Von oben gesehen kann auch ein sogenanntes Christmas-Tree-Muster entstehen: Auch hierbei lichten sich die Haare im Bereich des Mittelscheitels und seitlich davon. Vorn über der Stirn ist der ausgedünnte Bereich am breitesten, Richtung Hinterkopf verschmälert er sich.

Wer ist von der androgenetischen Alopezie betroffen?

Auch wenn die ersten Symptome dieser erblichen Veranlagung schon im Teenageralter auftreten können, tritt der erblich bedingte Haarausfall vor allem zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr auf. Frauen bemerken oft nach der Menopause, dass ein starker Haarausfall auftritt.

Wie behandle ich erblich bedingtem Haarausfall?

Der androgenetischen Alopezie lässt sich nicht vorbeugen – entweder ist die genetische Veranlagung dafür da oder nicht. Wenn die Haare allerdings anfangen, lichter zu werden, ist eine frühzeitige Behandlung am erfolgversprechendsten. Für Frauen bietet sich teilweise eine Kur mit Mikronährstoffen an, damit die Haarwurzel alles erhält, was sie zum Wachsen braucht. Die Priorin Kapseln können beispielsweise bei dieser Art des Haarausfalls helfen. Auch Hormonpräparate können eine Verbesserung des Haarausfalls bewirken. Außerdem können, sowohl bei Männern als auch bei Frauen, Mittel mit dem Wirkstoff Minoxidil helfen. Zur Pflege kann auf Shampoos zurückgegriffen werden, die die Haare mit Nährstoffen versorgen, wie das Priorin Shampoo. Allerdings: heilbar ist der erbliche Haarausfall nicht. Wenn die Therapie abgebrochen wird, wird der Haarverlust wieder einsetzen und das volle Haar weiter ausdünnen. Wenn die androgenetische Alopezie weit fortgeschritten ist, gibt es neben der Behandlung der Kopfhaut noch die Möglichkeit der Haartransplantation oder einer Perücke, um den Haarverlust zu kaschieren.

Was ist kreisrunder Haarausfall?

Beim kreisrunden Haarausfall fallen an bestimmten Stellen des Kopfes büschelweise Haare aus. In der Folge entstehen scharf umrissene einzelne kahle Flächen. Bei starkem Ausmaß können auch alle Kopfhaare ausfallen und eine Glatze entstehen lassen. In seltenen Fällen fallen sogar die Körperhaare mit aus. Der Mediziner bezeichnet dieses Krankheitsbild lateinisch als Alopecia areata. Es handelt sich hierbei um eine Autoimmunerkrankung, die eine Entzündungsreaktion an der Haarwurzel hervorruft und die Haarfollikel dauerhaft beschädigt. Dadurch kommt es zum Ausfall des Haares.

Infografik Kreisrunder Haarausfall - Was ist Kreisrunder Haarausfall und wodurch wird dieser verursacht?

Was sind die Ursachen von kreisrundem Haarausfall?

Fachleute nehmen heute an, dass sowohl genetische als auch Umweltfaktoren bei der Entstehung der Alopecia areata eine Rolle spielen. Endgültig ist das exakte Krankheitsgeschehen jedoch noch nicht geklärt. Bisher geht man von einer Autoimmunreaktion aus. Eine Störung des körpereigenen Immunsystems attackiert keine Krankheitserreger, sondern stattdessen die eigenen Haarwurzeln. Die Haarzwiebeln sind von Entzündungszellen umgeben. Diese sondern Stoffe ab, welche das Haarwachstum behindern, bzw. ganz unterbinden. Aufgrund dieser ablaufenden Entzündungsreaktion fällt das Haar aus. Zu den Auslösern gibt es noch keine abschließenden Antworten. Klar ist, die Genetik hat einen wesentlichen Anteil, aber nicht nur. Bei Kindern können auch Infekte Auslöser eines kreisrunden Haarausfalls sein. Negativer Stress und seelische Belastungen werden als Auslöser diskutiert, konnten aber wissenschaftlich nicht belegt werden. Ebenso wenig lässt sich eine Alopecia areata durch Radikaldiäten oder Schwankungen im Hormonhaushalt hinreichend erklären.

Wie wird kreisrunder Haarausfall behandelt?

Die Behandlung gehört in die Hände des Dermatologen und erfolgt stadiengerecht. Je nach Schweregrad und Krankheitsaktivität wird der Hautarzt die Therapieoptionen mit den Betroffenen besprechen. Es gibt keinen Arzneistoff und keine Standardtherapie speziell dafür. Die Behandlung ist symptomorientiert und soll entzündungshemmend und immunmodulierend wirken.

Bei schweren Formen der Alopecia areata gilt eine äußerlich aufgetragene Immuntherapie als bisher wirksamstes Therapieverfahren. Verwendet werden dafür spezielle Kontaktallergene, die auf die Haut gezielt aufgetragen werden. Das Hauptziel ist, die Attacke des Immunsystems auf die Haarfollikel zu stoppen und das Wachsen der Haare wieder anzuregen. Ein Wiederwachstum der Haare wird bei erfolgreicher Behandlung nach drei bis sechs Monaten erhofft. Die Ansprechrate liegt abhängig von der betroffenen Fläche und Bestehensdauer bei 50 bis 60 %. Diese Therapie erfordert vom Patienten viel Geduld und Disziplin. Sie gliedert sich in drei Phasen und kann sich insgesamt ein bis eineinhalb Jahre hinziehen.

Welche Medikamente gibt es gegen kreisrunden Haarausfall?

Häufig sind Cortico¬steroide als primäre Therapieoption bis heute die Mittel der Wahl. Es handelt sich dabei um körpereigene Hormone, die bevorzugt bei geringer Ausprägung äußerlich als Lösung, Creme oder Schaum über einen begrenzten Zeitraum aufgetragen werden. Wirkstoffe, die in diesem Zusammenhang verwendet werden, können unter anderem Clobetasol, Betamethason oder Mometason sein. Die positive Aussicht ist: Bei einer geringen Ausprägung der Erkrankung bilden sich nach einigen Monaten die kahlen Stellen spontan von selbst zurück.

Gibt es alternative Heilmethoden für kreisrunden Haarausfall?

Gerstengras gilt als ein beliebtes Alopecia Areata Hausmittel, dass als Nahrungsergänzungsmittel eingenommen wird. Alternativ kann man frisches Gerstengras auch Salaten oder Suppen beigeben oder zu einem grünen Smoothie verarbeiten. Gerstengras soll vor freien Radikalen schützen, die Regeneration der Haut fördern, die Durchblutung verbessern und so die Haarfollikel stimulieren, um das Haarwachstum zu fördern.

 Tipp: Schwarzkümmelöl kann äußerlich auf die betroffenen Stellen einmassiert oder eingenommen werden. Es soll die Ausschüttung von Histamin hemmen, was bei kreisrundem Haarausfall als Autoimmunerkrankung unter anderem beteiligt ist.

Leider gibt es nicht die pauschale Lösung gegen Haarausfall. Trotzdem kann man mit ein paar Tipps zur Pflege von Kopfhaut und Haaren dazu beitragen, dass diese möglichst gesund bleibt und nicht zusätzlich belastet wird.

Dazu gehört:

  • Zum Haare waschen lauwarmes statt heißes Wasser verwenden
  • Regelmäßig eine Pflege-Spülung oder Kur verwenden
  • Haare optimal an der Luft trocknen lassen oder beim Föhnen auf ausreichend Abstand zwischen Fön und Haaren achten
  • Haare und Kopfhaut im Sommer mit einem Hut oder ähnlichem vor der Sonne schützen

Wie sieht die Prognose bei kreisförmigen Haarausfall aus?

Ein nachhaltiger Therapieerfolg mit vollständigem Nachwachsen der Haare wird leider bei nur etwa 20 % der Patienten erreicht. Aber glücklicherweise hat ein kreisrunder Haarausfall auch eine bekannte spontane Heilungstendenz. Besonders bei geringer Ausprägung und Leidensdruck kann geduldiges Abwarten tatsächlich ein guter Rat sein.

Was ist saisonaler Haarausfall?

Saisonaler Haarausfall ist keine ungewöhnliche Erscheinung und in vielen Fällen ganz natürlich. Wir Menschen verlieren allein am Kopf täglich 100 bis 150 Haare. Das klingt zwar erst einmal viel, ist aber ganz normal. Der vermehrte Ausfall unserer Haare im Herbst und Winter lässt sich durch die natürlichen Wachstumszyklen eines Haares begründen. "Ausgewachsene" Haare ruhen rund 100 Tage, bevor sie ausfallen. Bei vielen Menschen beginnt diese Ruhephase im Juli, sodass es dann in den Herbstmonaten zum Haarverlust kommt. Sie müssen daher keine Angst haben. Ihre Haare wachsen in der Regel in kurzer Zeit wieder nach. Sollten Ihre Haare von erblichen Alopezie betroffen sein, kann dies im Herbst und Winter stärker auftreten als gewöhnlich.

Wie wirkt sich Kälte auf Haarausfall aus?

Menschen, die bereits an Alopezie leiden, haben es in den Wintermonaten meist noch schwerer. Bei kalter Luft ziehen sich nämlich unsere Gefäße enger zusammen. Unsere Haut und auch die Kopfhaut werden schlechter durchblutet. Damit können weniger Nährstoffe in die Haarwurzeln gelangen, wodurch diese dann wiederum an Stärke verlieren. Die Folge: das Haarwachstum wird gehemmt und der Haarverlust beschleunigt. Eine Lösung, um den Kopf warm zu halten, ist das Tragen einer lockeren Mütze im Freien. Beachten Sie, dass eine zu fest sitzende Mütze wiederum kontraproduktiv wäre und die Haare leichter austrocknen und abbrechen könnten. Eine zusätzliche Empfehlung ist hier, die Kopfhaut besonders in der Heizsaison mit einem qualitativ hochwertigen Haarfluid täglich zu verwöhnen und damit in ihrer natürlichen Funktion zu unterstützen .

Gibt es noch andere Ursachen für saisonalen Haarausfall?

Die Herbst- und Wintermonate bringen neben den eisigen Temperaturen auch andere Tücken mit sich, die Auswirkungen auf die Haare haben können. Dazu gehören unter anderem:

  1. Weniger Sonnenlicht: Durch die langsam abnehmende Lichtintensität der Sonnenstrahlen nimmt der Körper oftmals nicht mehr genügend Vitamin D auf. Dieser Mangel wirkt sich einerseits auf die Wachstumszyklen der Haare aus, andererseits verschlechtert sich auch die allgemeine Durchblutung. Damit können weniger Nährstoffe in die Haarwurzeln gelangen, was wiederum das Haarwachstum hemmt und zu Haarausfall führen kann.
  2. Ungesunde Ernährung: In der Herbst- und Winterzeit, vor allem an Weihnachten, ändern sich gerne mal unsere Ess- und Trinkgewohnheiten. Deftige und süße Speisen, dazu hin und wieder ein Glühwein oder das eine oder andere Glas Sekt mehr. Gerade Menschen, die sonst eher keinen Alkohol trinken, konsumieren zur Weihnachtszeit gerne mal mehr als sonst üblich. Ein Problem dabei ist, dass durch Alkohol unser Körper mehr Flüssigkeit verliert, als für ihn gesund ist. Das liegt daran, dass Alkohol ein Hormon behindert, welches für die Flüssigkeitsausscheidung verantwortlich ist. Wasser ist für unsere Zellen und einen funktionierenden Stoffwechsel aber lebensnotwendig, sogar unsere Haare bestehen zu einem kleinen Anteil aus Waser. Eine einseitige Ernährung kann aber auch zu einem Nährstoffmangel führen, welcher den Haarausfall zusätzlich begünstigt.
  3. Fehlende Bewegung: Wer viel isst wird auch schnell müde. Kurze Tage und eisige Temperaturen machen es uns dazu umso schwerer sportlichen Aktivitäten im Freien nachzugehen. Da wir uns weniger bewegen, wird auch unser Kreislauf weniger angeregt. Säuren und Gifte setzen sich so in unseren Zellen ab und belasten das Immunsystem. Das Säure-Base-Verhältnis unseres Körpers gerät in Folge aus dem Gleichgewicht, was unter anderem Haarverlust fördern kann.
  4. Erhöhter Stress: Das Stress eine Wirkung auf Haarausfall haben kann ist bereits bekannt. Die Wochen rund um die Weihnachtszeit werden von vielen Menschen als besonders stressig empfunden. In dieser Zeit kommen im Allgemeinen einige Sachen zu kurz. Besonders die Erholungs- und Ruhezeiten, für die Weihnachten im eigentlichen Sinn steht, gehen im Vorweihnachtsstress häufig unter.

Wie kann ich mein Haar effektiv schützen?

Um sich effektiv vor saisonalen Haarausfall zu schützen gibt es viele verschiedene Mittel. Wichtig ist dabei zu verstehen, dass die besten Mittel und Tipps der Vorbeugung dienen. Achten Sie also in den Herbst- und Wintermonaten darauf möglichst eine warme und lockere Mütze zu tragen, um Ihre Kopfhaut vor der Kälte zu schützen. Bleiben Sie nicht den ganzen Tag zu Hause, sondern gehen Sie gelegentlich mal spazieren und genießen die Sonne. Obwohl die Sonnenstrahlen im Winter in unseren Breitengraden in der Regel nicht kraftvoll genug sind, um die körpereigene Vitamin D Produktion ausreichend anzukurbeln, unterstützen wir unseren Körper damit und tun viel für das Herz-Kreislauf-System, die Durchblutung und den Stoffwechsel. Beachten Sie dennoch, dass die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln mit dem behandelnden Arzt besprochen werden sollte.

Autorin Pharmazieökonomin Grit Ritter

Über unsere Autorin:

Grit Ritter | Pharmazeutische Kundenbetreuung
Seit über 20 Jahren bin ich im Pharmateam des Unternehmens verwurzelt. Grundlegend dafür ist die Leidenschaft für Gesundheitsthemen incl. Prävention. Regelmäßige Fortbildungen sind da essenziell. Neben Kundenberatung sind Betriebl. Gesundheitsmanagement, Haus- und Reiseapothekenchecks und pharmazeutisches Marketing Schwerpunkte meiner Tätigkeit bei mycare.de. Mehr erfahren

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