Naturkosmetik selber machen: Ihre Anleitung für natürliche Pflege

✓ Pharmazeutisch geprüft - Lesezeit: 9 Minuten

Von Juliane Penk, PTA bei mycare.de
Aktualisiert: 27.07.2026

Gläser mit Ölen, Mörser und weiße Blüten für selbstgemachte Naturkosmetik auf Holztisch.

Möchten Sie genau wissen, was in Ihren Pflegeprodukten steckt und dabei auf umstrittene Inhaltsstoffe verzichten? Dann ist es vielleicht an der Zeit, Naturkosmetik selber zu machen. Immer mehr Menschen entdecken die Freude und die Vorteile, wenn sie ihre Cremes, Öle und Balms selbst herstellen. Dieser Ratgeber führt Sie in die Welt der selbstgemachten Naturkosmetik ein. Sie erfahren, warum das Selbermachen sinnvoll sein kann, welche grundlegenden Zutaten Sie benötigen, wie Sie die Sicherheit Ihrer DIY Kosmetik gewährleisten und welche Rolle die Apotheke dabei spielt.

Warum Naturkosmetik selber machen sinnvoll sein kann

Wenn Sie Ihre Kosmetik selbst herstellen, halten Sie alle Fäden in der Hand. Sie bestimmen jeden einzelnen Inhaltsstoff. So verzichten Sie bewusst auf Mikroplastik, bestimmte Konservierungsstoffe, Silikone oder andere Hilfsstoffe, die Sie nicht auf Ihrer Haut haben möchten.

Diese volle Kontrolle ermöglicht es Ihnen, Ihre Pflegeprodukte sehr individuell an Ihren eigenen Hauttyp anzupassen. Sie wählen gezielt Pflanzenöle, Buttern wie Sheabutter oder Wirkstoffe wie Aloe Vera aus, die genau zu Ihren Bedürfnissen passen.

Viele Menschen schätzen auch den Nachhaltigkeitsaspekt beim Naturkosmetik selber machen. Sie verwenden oft wiederbefüllbare Glasgefäße und kaufen Rohstoffe in größeren Mengen. Das reduziert Verpackungsmüll und schont die Umwelt.

Dennnoch ist es wichtig zu wissen: Nicht jeder natürliche Stoff ist automatisch besser oder verträglicher als ein synthetischer Wirkstoff.

Grundlagen: Fettphase, Wasserphase und Emulgator

Die meisten Cremes und Lotionen sind sogenannte Emulsionen. Sie bestehen aus zwei Hauptbestandteilen:

  • Fettphase: Dazu gehören Pflanzenöle, aber auch festere Buttern wie Sheabutter oder Kakaobutter. Die Fettphase pflegt und schützt die Hautbarriere. Sie ergänzt wichtige Lipide und hilft, den Wasserverlust der Haut zu reduzieren.
  • Wasserphase: Dies ist oft destilliertes Wasser oder ein Hydrolat. Die Wasserphase spendet Feuchtigkeit und liefert wasserlösliche Wirkstoffe.

Um diese beiden Phasen miteinander zu verbinden, braucht es einen Emulgator. Ein Emulgator ist ein spezieller Stoff, der Wasser und Öl mischbar macht und dafür sorgt, dass sie sich nicht wieder trennen. Er beeinflusst die Konsistenz und das Hautgefühl der Creme. Bei empfindlicher Haut ist es wichtig, den Emulgator sorgfältig zu wählen, da ungünstige Emulgatoren Reizungen oder Barrierestörungen begünstigen können.

Für eine gelingsichere DIY-Creme erhitzen Sie die Fett- und Wasserphase getrennt. Bringen Sie beide auf einen ähnlichen Temperaturbereich. Dann vereinen Sie sie und rühren während des Abkühlens sorgfältig, um eine stabile und schöne Textur zu erhalten.

Hydrolate, Mandelöl und andere typische Rohstoffe

Beim Naturkosmetik selber machen stehen Ihnen viele wertvolle Rohstoffe zur Verfügung:

  • Hydrolate: Das sind milde Pflanzenwässer. Sie entstehen bei der Destillation ätherischer Öle und enthalten die wasserlöslichen Inhaltsstoffe der jeweiligen Pflanze. Hydrolate eignen sich hervorragend als sanfte Wasserphase für Gesichtswasser und Cremes. Sie spenden Feuchtigkeit und können – je nach Pflanze – beruhigend, leicht antibakteriell oder entzündungshemmend wirken.
  • Mandelöl: Dieses Öl ist ein Klassiker in der Naturkosmetik. Es gilt als besonders gut verträglich. Mandelöl unterstützt die Hautbarriere, lindert Irritationen und eignet sich sogar für empfindliche Haut und Babyhaut.
  • Sheabutter, Bienenwachs und Kakaobutter: Diese lipophilen (fettliebenden) Bestandteile finden Sie häufig in DIY-Rezepten für Cremes, Salben und Lippenpflege. Sie bilden einen schützenden Film auf der Haut und halten sie geschmeidig.

Hygiene und Konservierung sind entscheidend für die Sicherheit

Tipp: Die Haltbarkeit selbstgemachter Kosmetik hängt stark von Ihrer Hygiene ab. Arbeiten Sie sauber, um unerwünschte Keime zu vermeiden.

Selbstgemachte Kosmetik enthält meist keine starken synthetischen Konservierungsmittel. Daher ist strikte Hygiene bei der Herstellung und Abfüllung zwingend notwendig. So minimieren Sie das Keimwachstum:

  • Reinigen und desinfizieren Sie alle Arbeitsgeräte gründlich.
  • Kochen Sie Glastiegel und Flaschen idealerweise aus oder desinfizieren Sie sie mit Alkohol.
  • Halten Sie Ihre Hände während des Arbeitens sauber und trocken.

Produkte mit Wasserphase, wie Cremes, Gele oder Hydrolat-Mischungen, sind wesentlich anfälliger für Bakterien und Pilze als reine Ölmischungen oder wasserfreie Balms. Verwenden Sie hier geeignete, möglichst natürliche Konservierungssysteme und beachten Sie kurze Haltbarkeitsfristen. Für sensible Haut, chronische Hauterkrankungen oder die Anwendung bei Säuglingen ist es besonders wichtig, nur mikrobiologisch unbedenkliche Produkte zu verwenden. Im Zweifel greifen Sie hier eher auf fertig geprüfte Apothekenprodukte zurück.

Beliebte Einsteigerprodukte in der DIY-Naturkosmetik

Für den Einstieg in die Naturkosmetik selber machen eignen sich einfache, wasserfreie Rezepturen. Hier kommen Sie ohne Emulgatoren und aufwendige Konservierung aus:

  • Körperöle: Mischen Sie ein pflanzliches Basisöl wie Mandelöl mit ein paar Tropfen ätherischem Öl.
  • Lippenbalsam: Aus Bienenwachs und Kakaobutter entsteht eine pflegende Lippenpflege.
  • Pflegende Salben: Mit Kamillen- oder Ringelblumenöl lassen sich einfache Salben herstellen.
  • Feste Seifen und Shampoos: Diese passen gut zu einem Zero-Waste-Ansatz.
  • Hydrolate: Als unkompliziertes Gesichtswasser oder Bodyspray dienen sie als gute Grundlage für erfrischende Sprays oder leichte Cremes.

Möchten Sie komplexere Produkte wie Emulsionen herstellen, profitieren Sie von strukturierten Kursen oder Seminaren. Dort lernen Sie praktisch, wie Sie den passenden Emulgator wählen, die richtige Temperatur führen und hygienisch arbeiten.

Risiken, Grenzen und die Rolle der Apotheke

Auch bei Naturkosmetik können allergische Reaktionen auftreten. Ätherische Öle, Pflanzenextrakte oder bestimmte Emulgatoren können die Haut reizen. Menschen mit Allergieneigung oder Neurodermitis achten daher besonders sorgfältig auf die Inhaltsstoffe.

Selbst hergestellte Produkte durchlaufen keine Prüfung in einem Labor auf Keime, Haltbarkeit oder Stabilität. Trotz guter Hygiene besteht ein Restrisiko für mikrobiologische Verunreinigungen, besonders bei wasserhaltigen Zubereitungen.

Eine Online-Apotheke kann hier eine wichtige Rolle spielen:

  • Sie bietet geprüfte Rohstoffe, dermatologisch getestete Basiscremes und Konservierungssysteme an.
  • Sie liefert fachliche Beratung zu Hauttyp, Wirkstoffen und sicheren Rezepturen.

Wenn Sie bestehende Hauterkrankungen haben, eine sehr empfindliche Haut besitzen oder Medikamente einnehmen, die das Immunsystem beeinflussen, stimmen Sie Ihre DIY-Kosmetik idealerweise mit Ihrer Ärztin, Ihrem Dermatologen oder Ihrer Apothekerin ab. So minimieren Sie Risiken und finden die beste Pflege für Ihre Haut.

Fazit

Naturkosmetik selber machen gibt Ihnen die volle Kontrolle über Ihre Pflegeprodukte und ermöglicht eine individuelle Anpassung an Ihre Haut. Achten Sie stets auf höchste Hygiene bei der Herstellung und bedenken Sie, dass selbstgemachte Produkte eine kürzere Haltbarkeit haben. Insbesondere bei empfindlicher Haut oder bestehenden Erkrankungen ist eine Absprache mit Fachleuten sinnvoll. So genießen Sie die Vorteile natürlicher Inhaltsstoffe sicher und bewusst.

Häufige Fragen (FAQ)

Warum Naturkosmetik selber machen?
Wie kann ich Naturkosmetik einfach selber machen?
Welche Kurse gibt es, um Naturkosmetik sicher selber zu machen?
Was sind die Nachteile von Naturkosmetik, insbesondere wenn sie selbstgemacht ist?
Ist Naturkosmetik wirklich besser für Haut und Gesundheit?
Wie lange sind selbstgemachte Naturkosmetikprodukte haltbar und wie erkenne ich, ob etwas verdorben ist?

Quellen & weiterführende Informationen

  1. https://www.umweltbundesamt.de/themen/chemikalien/mikroplastik-in-der-umwelt
  2. https://www.bfr.bund.de/de/kosmetika-560.html
  3. https://www.apotheken-umschau.de
  4. https://www.derma.de
  5. https://www.allergieinformationsdienst.de

Allgemeiner Hinweis: In unseren Ratgebern verwenden wir für die bessere Lesbarkeit überwiegend das generische Maskulinum. Gemeint sind damit aber auch Angehörige des weiblichen Geschlechts und anderer Geschlechtsidentitäten.

Autorin PTA Juliane Penk

Über unsere Autorin:

Juliane Penk | Pharmazeutische Kundenbetreuung
Mein Beruf als Pharmazeutisch-technische Assistentin beinhaltet insbesondere die Beratung zu Gesundheitsthemen, Arzneimitteln, Medizinprodukten, Nahrungsergänzungsmitteln, aber auch zu Pflegeprodukten. Um zu Neuheiten auf dem Laufenden zu bleiben, sind regelmäßige Fortbildungen wichtig. Mehr über Juliane Penk

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