Gelenkschmerzen in den Wechseljahren: Ursachen, Linderung und was Sie tun können

✓ Medizinisch geprüft - Lesezeit: 4 Minuten

Von Lisa Stenschke, Apothekerin bei mycare.de
Aktualisiert: 19.06.2026

Eine ältere Frau hält sich schmerzerfüllt das Handgelenk, was typische Gelenkschmerzen in den Wechseljahren symbolisiert.

Viele Frauen erleben in den Wechseljahren nicht nur Hitzewallungen und Stimmungsschwankungen, sondern auch Gelenk- und Muskelschmerzen. Das Gefühl, plötzlich „eingerostet“ zu sein oder diffuse Schmerzen überall im Körper zu spüren, kann die Lebensqualität stark beeinträchtigen. Doch diese Beschwerden sind häufig hormonell bedingt und lassen sich oft gut behandeln. Dieser Ratgeber erklärt Ihnen die Zusammenhänge und zeigt auf, welche Schritte Sie selbst unternehmen können, um Ihre Gelenke zu entlasten und wieder mehr Wohlbefinden zu finden.

Gelenk- und Muskelschmerzen sind häufig in den Wechseljahren

Neben den bekannten Begleiterscheinungen wie Hitzewallungen und Schlafstörungen berichten viele Frauen über weitere Wechseljahresbeschwerden wie Gelenk- und Knochenschmerzen, Rückenbeschwerden und körperliche Erschöpfung. Besonders in der Perimenopause, der Phase vor der letzten Regelblutung, in der die hormonellen Schwankungen am stärksten sind, treten häufig auf:

  • diffuse Glieder- und Muskelschmerzen
  • steife Gelenke
  • ein Gefühl von „Schmerzen überall“

Gesundheitsportale und Aufklärungsmaterialien bestätigen, dass Gelenk- und Muskelbeschwerden häufige Symptome sind, die das Wohlbefinden spürbar einschränken können.

Warum Hormone die Gelenke beeinflussen: Östrogenmangel und seine Folgen

Mit Beginn der Wechseljahre sinkt der Östrogenspiegel. Östrogen wirkt normalerweise leicht entzündungshemmend und schützt Knorpel und Knochen. Dieser Rückgang des Hormons beeinflusst:

  • Knorpelgewebe,
  • die Kollagensynthese, also den Aufbau von Bindegewebe
  • und die Durchblutung des Bewegungsapparats.

Bei Östrogenmangel können Entzündungsprozesse zunehmen. Die Produktion der Gelenkschmiere, die für die reibungslose Bewegung der Gelenke wichtig ist, kann abnehmen, und das Bindegewebe verliert an Elastizität. All dies kann zu steifen und schmerzhaften Gelenken führen. Dadurch können sich Gelenk- und Knochenschmerzen entwickeln, auch wenn Sie zuvor keine ausgeprägten orthopädischen Probleme hatten. Bestehende Arthrose kann sich zudem stärker bemerkbar machen.

Wann beginnen die Beschwerden? Oft schon in der Perimenopause

Die ersten hormonellen Veränderungen setzen oft schon Ende 30 oder Anfang 40 ein. Diese Phase, die als Prä- und Perimenopause bezeichnet wird, zeigt sich oft durch unregelmäßigere Menstruationszyklen und das allmähliche Auftreten typischer Wechseljahressymptome. In dieser Zeit können sich erstmals zyklusabhängige Gelenk- und Muskelschmerzen bemerkbar machen, zum Beispiel verstärkte Gliederschmerzen vor der Periode oder nach dem Eisprung, ohne dass bereits eine komplette Hormonumstellung vorliegt. Fachinformationen betonen, dass die Perimenopause die Phase mit den stärksten Beschwerden ist und unspezifische Schmerzen, Müdigkeit und diffuse iche Symptome häufig bereits hier beginnen, bevor die letzte Regelblutung erreicht ist.

Tipp: Beobachten Sie Ihren Körper genau

Achten Sie darauf, wann und wie Ihre Gelenkschmerzen auftreten. Treten sie beispielsweise verstärkt in bestimmten Phasen Ihres Zyklus auf oder morgens nach dem Aufstehen? Solche Beobachtungen können Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt wichtige Hinweise geben.

Bewegung und Gewicht: Die Basis für gesunde Gelenke

Regelmäßige, gelenkschonende Bewegung und ein gesundes Körpergewicht sind zentrale Säulen, um Schmerzen zu lindern und die Gelenkfunktion zu erhalten. Durch Bewegung

  • verteilt sich die Gelenkschmiere besser,
  • stabilisiert sich die Muskulatur der Gelenke
  • und es Entzündungsprozesse können langfristig zurückgehen.

Dies ist besonders wichtig in den Wechseljahren, da sich Hormon- und Stoffwechselbedingungen ändern. Sportmedizinische Empfehlungen für Frauen in den Wechseljahren umfassen Kraft- und Ausdauertraining, um Muskelmasse, Stoffwechsel und Gewicht zu stabilisieren. So können Sie Gelenk- und Rückenschmerzen vorbeugen oder mindern. Um Ihre Gelenke zu unterstützen und Schmerzen zu lindern können auch wärmende Cremes oder Salben eingesetzt werden.

Entzündungshemmende Ernährung als Unterstützung

Eine überwiegend pflanzenbetonte Ernährung mit viel:

  • Gemüse,
  • Obst,
  • Vollkornprodukten,
  • Hülsenfrüchten,
  • Nüssen,
  • und gesunden Fetten

gilt als stoffwechsel- und entzündungsfreundlich. Sie wird für die Zeit der Wechseljahre ausdrücklich empfohlen. Solche Ernährungsmuster, etwa in Richtung einer Planetary Health Diet, helfen bei der Gewichtskontrolle und können stille Entzündungen im Körper reduzieren. Dies kann sich auch günstig auf Gelenkbeschwerden auswirken. Omega-3-Fettsäuren, die in Produkten mit Fisch- oder Algenöl vorkommen, wirken entzündungshemmend. Sie können als ergänzende, aber nicht alleinige Maßnahme bei Gelenkschmerzen in Betracht gezogen werden. Bei einem nachgewiesenen Mangel können auch Präparate mit Magnesium oder Vitamin D sinnvoll sein. Sprechen Sie die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln immer mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder in der Apotheke ab.

Hormonersatztherapie als Option bei starken Symptomen

Die S3-Leitlinie zur Peri- und Postmenopause empfiehlt eine systemische Hormonersatztherapie (HRT) vor allem bei ausgeprägten Wechseljahresbeschwerden wie starken Hitzewallungen, Schlafstörungen und Stimmungsschwankungen. Eine sorgfältige Risiko-Nutzen-Abwägung ist dabei entscheidend. Viele Frauen berichten unter einer wirksamen HRT auch über eine Besserung unspezifischer Beschwerden wie Muskel- und Gelenkschmerzen. Dies hängt vermutlich mit der Reduktion von Entzündungsprozessen und der Stabilisierung des Hormonmilieus zusammen. Aufgrund möglicher Risiken wie venöser Thrombosen oder Brustkrebs ist HRT jedoch nicht für jede Frau geeignet. Sie sollte immer individuell mit der Gynäkologin beziehungsweise dem Gynäkologen besprochen werden.

Wichtige Abgrenzung: Wann ein Arztbesuch nötig ist

Auch wenn Gelenkschmerzen in den Wechseljahren häufig hormonell mitbedingt sind, können dahinter immer auch andere Ursachen stecken. Dazu gehören

  • Arthrose,
  • entzündlich-rheumatische Erkrankungen,
  • Gicht,
  • oder Infektionen

die eine gezielte Diagnostik und Therapie erfordern. Gichtanfälle zum Beispiel führen zu plötzlich auftretenden, hochschmerzhaften, geröteten und geschwollenen Gelenken, meist am Großzeh. Sie benötigen eine spezifische Behandlung, die sich völlig von der Therapie typischer klimakterischer Gelenkbeschwerden unterscheidet. Deshalb sollten Sie unklare oder zunehmende Gelenkschmerzen generell ärztlich abklären lassen, anstatt sie ausschließlich den Wechseljahren zuzuschreiben.

Fazit

Gelenkschmerzen in den Wechseljahren sind eine häufige, aber gut behandelbare Beschwerde, die eng mit dem sinkenden Östrogenspiegel zusammenhängt. Durch regelmäßige, gelenkschonende Bewegung, ein gesundes Körpergewicht und eine entzündungshemmende Ernährung können Sie Ihre Gelenke unterstützen und Schmerzen lindern. Bei starken Beschwerden oder unklaren Ursachen ist der Gang zur Ärztin oder zum Arzt wichtig, um eine genaue Diagnose und die passende Therapie zu finden.

Häufig gestellte Fragen rund um Gelenkschmerzen in den Wechseljahren

In welcher Phase der Wechseljahre treten Gelenkschmerzen am häufigsten auf?
Wie fühlen sich Gelenkschmerzen durch die Wechseljahre typischerweise an?
Wodurch entstehen Gelenk- und Muskelschmerzen bei Östrogenmangel?
Was kann ich selbst gegen Gelenkschmerzen in den Wechseljahren tun?
Welche Rolle spielen Magnesium und Omega-3-Fettsäuren bei Gelenkschmerzen in den Wechseljahren?

Literatur:

  1. https://www.awmf.org/aktuelles/awmf-aktuell/konsultationsfassung-peri-und-postmenopause-diagnostik-und-interventionen
  2. https://www.dak.de/dak/gesundheit/erkrankungen/frauengesundheit/wechseljahre-special/wechseljahre-phasen_65390
  3. https://www.apotheken-umschau.de/mein-koerper/hormone/schlank-bleiben-in-den-wechseljahren-719787.html

Allgemeiner Hinweis: In unseren Ratgebern verwenden wir für die bessere Lesbarkeit überwiegend das generische Maskulinum. Gemeint sind damit aber auch Angehörige des weiblichen Geschlechts und anderer Geschlechtsidentitäten.

Autorin Apothekerin Lisa Stenschke

Über unsere Autorin:

Lisa Stenschke | Apothekerin in der Robert-Koch-Apotheke
Seit 6 Jahren bin ich Apothekerin und von Anfang an mit Herzblut hauptsächlich in den Vor-Ort-Apotheken von myCare e.K. im Einsatz. Eine kompetente, umfassende und vertrauensvolle Beratung der Patienten ist mir sehr wichtig. Auch bei Instagram und Facebook freue ich mich bei "Frag Lisa" auf das Interesse an unseren Produkten. Mehr über L. Stenschke

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