Migräne mit Aura: Symptome, Phasen und typische Anzeichen verstehen

✓ Pharmazeutisch geprüft - Lesezeit: 5 Minuten

Von Carolin Schulze, Apothekerin bei mycare.de
Aktualisiert: 19.06.2026

Eine Frau mit schmerzverzerrtem Gesicht hält sich die Schläfen, was auf eine akute Migräneattacke mit Aura hindeutet.

Migräne mit Aura ist mehr als nur starker Kopfschmerz. Viele Betroffene erleben vor oder während des Schmerzes vorübergehende Sehstörungen, Kribbeln oder andere ungewohnte Gefühle. Diese neurologischen Begleiterscheinungen können beunruhigend wirken, sind aber meist harmlos. In diesem Ratgeber erfahren Sie, wie sich eine Migräneattacke mit Aura typischerweise äußert, welche Phasen sie durchläuft und welche Anzeichen Sie kennen sollten, um richtig zu reagieren.

Neurologische Aura: Eine vorübergehende Funktionsstörung

Bei einer Migräne mit Aura treten vor oder während der Kopfschmerzen vorübergehende neurologische Symptome auf. Meist handelt es sich um Seh- oder Gefühlsstörungen. Diese entstehen durch eine kurzfristige Veränderung der Reizleitung und Durchblutung in der Hirnrinde, medizinisch als „Cortical Spreading Depression“ bezeichnet. Die Symptome halten typischerweise 15 - 60 Minuten an, klingen dann vollständig ab und hinterlassen keine bleibenden Schäden. Es ist eine vorübergehende, aber spürbare Funktionsstörung des Gehirns.

Aura-Symptome erkennen: Flimmern, Zackenlinien und mehr

Am häufigsten zeigt sich die Aura als visuelle Störung. Sie sehen dann:

  • flimmernde Zickzacklinien,
  • Lichtblitze,
  • gezackte Ränder oder
  • graue, fehlende Bereiche im Gesichtsfeld.

Mediziner nennen dies Flimmerskotom oder Sehfeldausfall. Daneben sind auch Missempfindungen wie Kribbeln oder ein Taubheitsgefühl an Hand, Arm oder Gesicht möglich. Manchmal treten auch Sprachstörungen auf. Die Symptome entwickeln sich allmählich über mehrere Minuten und wandern oft entlang einer Körperhälfte.

Der Ablauf einer Migräneattacke: Vier Phasen

Eine Migräneattacke verläuft meist in mehreren Schritten:

  1. Prodromalphase: Hier zeigen sich unspezifische Vorzeichen, oft Stunden oder Tage vor dem eigentlichen Schmerz. Dazu gehören Müdigkeit, Gereiztheit, Nackensteifigkeit oder vermehrter Harndrang.
  2. Aura-Phase: In dieser Phase treten die oben beschriebenen neurologischen Symptome auf. Sie dauern in der Regel 15 – 60 Minuten.
  3. Kopfschmerzphase: Nach oder während der Aura beginnt der typische Migränekopfschmerz. Er ist oft pulsierend, meist einseitig und wird von Übelkeit, Licht- und Lärmempfindlichkeit begleitet.
  4. Postdromalphase: Nach dem Abklingen des Kopfschmerzes fühlen sich Betroffene häufig erschöpft, müde und haben Konzentrationsprobleme.

Nicht alle Menschen erleben jede Phase gleich ausgeprägt.

Migräne mit und ohne Aura: Die Unterschiede

Merkmal Migräne mit Aura Migräne ohne Aura
Vorboten Klar definierbare, vorübergehende neurologische Ausfälle vor oder zu Beginn der Kopfschmerzen Diese neurologischen Ausfälle fehlen
Symptomfokus Aura in Kombination mit Kopfschmerzen und Begleitsymptomen „Nur“ die Kopfschmerzen mit den typischen Begleitsymptomen wie Übelkeit, Lärm- und Lichtempfindlichkeit stehen im Vordergrund
Behandlung der Aura Benötigt in der Regel keine medikamentöse Behandlung Nicht zutreffend

Der Hauptunterschied liegt im Auftreten der Aura. Die Behandlung der Kopfschmerzen ähnelt sich meist.

Sonderfälle der Aura: Augenmigräne und Aura ohne Kopfschmerzen

Manchmal treten Aurasymptome wie flimmernde Zackenlinien oder Sehfeldausfälle ohne anschließende Kopfschmerzen auf. Dies wird oft als „Aura ohne Migräne“ oder umgangssprachlich als Augenmigräne bezeichnet. Die Symptome wirken zwar bedrohlich, verschwinden jedoch in der Regel vollständig. Eine ärztliche Abklärung ist hier wichtig, um andere Ursachen wie Durchblutungsstörungen im Auge oder Gehirn auszuschließen.

Seltene, aber ernsthafte Migräneformen

Es gibt seltene, komplizierte Migräneformen. Dazu zählen:

  • Basilarismigräne (Migräne mit Hirnstammaura): Sie kann Schwindel, Doppelbilder, Gangunsicherheit oder Hörstörungen hervorrufen.
  • Hemiplegische Migräne: Eine Form mit vorübergehender Lähmung einer Körperhälfte.

Diese Formen ähneln einem Schlaganfall und müssen unbedingt neurologisch abgeklärt werden.

Trigger erkennen und vermeiden

Häufige Auslöser einer Migräne mit Aura sind:

  • Stress
  • Schlafmangel oder ein plötzliches „Schlaf-Wochenende“
  • hormonelle Schwankungen (zum Beispiel während der Menstruation)
  • unregelmäßige Mahlzeiten
  • Alkohol (besonders Rotwein)
  • bestimmte Käse- oder Wurstsorten
  • grelles Licht
  • Wetterumschwünge
  • starke Gerüche

Führen Sie ein Migränetagebuch. Notieren Sie darin Ihre Attacken, mögliche Auslöser und Symptome. So können Sie persönliche Trigger erkennen und gezielt meiden. Dies hilft oft, die Häufigkeit und Stärke der Attacken deutlich zu reduzieren.

Soforthilfe bei einer Migräneattacke

Beim Einsetzen der Aura sollten Sie nach Möglichkeit alle Tätigkeiten unterbrechen. Ziehen Sie sich in einen ruhigen, abgedunkelten Raum zurück und minimieren Sie optische, akustische sowie psychische Reize. Je nach ärztlicher Empfehlung nehmen Sie frühzeitig Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Naproxen ein. Bei ausgeprägten Attacken kommen Triptane zum Einsatz, oft erst nach Ende der Aura. Kühlende Kompressen auf Stirn und Nacken sowie ausreichende Flüssigkeitszufuhr unterstützen die Linderung der Beschwerden.

Langfristig vorbeugen: Prophylaxe und Lebensstil

Zur Vorbeugung eignen sich nichtmedikamentöse Verfahren wie:

  • regelmäßiger Ausdauersport
  • Entspannungsverfahren (zum Beispiel progressive Muskelrelaxation)
  • eine gute Schlafhygiene
  • Stressmanagement

Bei häufigen oder schweren Attacken kann eine medikamentöse Prophylaxe sinnvoll sein. Hierfür kommen Betablocker, bestimmte Antiepileptika oder CGRP-Antikörper infrage. Ihre Apotheke berät Sie gerne bei der Auswahl geeigneter rezeptfreier Schmerzmittel, zur richtigen Einnahme von Triptanen, prüft Wechselwirkungen und gibt Anleitungen für Migränetagebücher.

Häufige Missverständnisse über Migräne mit Aura

Migräne mit Aura ist kein „einfacher“ Kopfschmerz und hat nichts mit psychischer Schwäche zu tun. Es ist eine neurologische Erkrankung mit genetischer Mitveranlagung. Die Aura ist zudem kein sicherer Hinweis auf einen Schlaganfall, kann diesen aber in seltenen Fällen imitieren. Bei erstmaligem Auftreten, ungewohnt schweren Symptomen oder dauerhaften Ausfällen ist eine umgehende ärztliche Abklärung unverzichtbar.

Fazit: Migräne mit Aura verstehen und aktiv handeln

Migräne mit Aura ist eine komplexe neurologische Erkrankung, die durch vorübergehende Symptome wie Sehstörungen oder Kribbeln vor den eigentlichen Kopfschmerzen gekennzeichnet ist. Das Verständnis der verschiedenen Phasen und das Erkennen der eigenen Trigger sind wichtige Schritte, um die Attacken zu managen. Akut helfen Reizabschirmung und frühzeitige Schmerzmittel, während langfristig Lebensstilanpassungen und gegebenenfalls eine medikamentöse Prophylaxe die Häufigkeit reduzieren können. Ihre Apotheke unterstützt Sie gerne mit Beratung zu Medikamenten, Präventionsstrategien und dem Umgang mit dieser besonderen Form der Migräne.

Häufig gestellte Fragen rund um Migräne mit Aura

Was ist der Unterschied zwischen Migräne mit und ohne Aura?
Woran erkenne ich eine Aura bei Migräne?
Wie lange dauert eine Migräne mit Aura?
Ist eine Aura gefährlich oder schädlich fürs Gehirn?
Was kann man akut gegen Migräne mit Aura tun?
Was tun bei Migräne mit Aura im Alltag?
Was ist der Unterschied zwischen Augenmigräne und Migräne mit Aura?

Literatur

  1. https://www.dgn.org/leitlinie/therapie-der-migraneattacke-und-prophylaxe-der-migrane
  2. https://www.dmkg.de/assets/uploads/dateien/diagnostik-und-therapie.pdf
  3. https://www.attacke-kopfschmerzen.de/images/patienteninformationen/dmkg-attacke-migraene-mehr-als-nur-kopfschmerzen.pdf
  4. https://www.apotheken-umschau.de/krankheiten-symptome/neurologische-erkrankungen/migraene-734115.html

Allgemeiner Hinweis: In unseren Ratgebern verwenden wir für die bessere Lesbarkeit überwiegend das generische Maskulinum. Gemeint sind damit aber auch Angehörige des weiblichen Geschlechts und anderer Geschlechtsidentitäten.

Autorin Apothekerin Carolin Schulze

Über unsere Autorin:

Carolin Schulze | Apothekerin in der Robert-Koch-Apotheke
Als Fachapothekerin für Allgemeinpharmazie berate ich kompetent und individuell zu allen Gesundheitsthemen. Eine umfassende und vertrauensvolle Beratung der Patienten ist mir sehr wichtig. Als Leiterin der Rezeptur- und Defekturherstellung liegt mein Fokus zudem auf der sorgfältigen Entwicklung maßgeschneiderter Arzneimittel – stets mit dem Anspruch, eine vertrauensvolle und qualitativ hochwertige Betreuung zu bieten. Mehr über C. Schulze

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