Schmerzen bei Kälte: das Raynaud-Syndrom

Kälte, Nässe oder psychischer Stress – das sind keine guten Bedingungen für Menschen, die unter dem Raynaud-Syndrom leiden. Typisch für die Erkrankung: Binnen kurzer Zeit verfärben sich die Finger; es kommt zu starken Schmerzen und Taubheitsgefühlen. Frauen sind deutlich häufiger davon betroffen als Männer.

Foto: Berbecaru Razvan / shutterstock.com

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Beim Raynaud-Syndrom handelt es sich um eine Durchblutungsstörung, welche nach dem französischen Mediziner Maurice Raynaud (1834-1881) benannt wurde. Es ist auch unter den umgangssprachlichen Bezeichnungen „Leichenfinger“, „Weißfinger“ oder „Syndrom der kalten Finger“ bekannt. Zwischen 4 und 17 Prozent der deutschen Bevölkerung leiden unter der Erkrankung, Frauen sind etwa fünfmal häufiger davon betroffen als Männer. Man unterscheidet das primäre vom sekundären Raynaud-Syndrom: Bei ersterem treten Anfälle unabhängig von einer bestehenden Grundstörung beidseitig auf und werden zumeist durch Kälte oder Stress ausgelöst. Anders bei der zweiten, selteneren Variante: Hier zeigen sich die Symptome zumeist einseitig als Begleiterscheinung beziehungsweise Folge einer Basiserkrankung. Infrage kommen unter anderem:

• Sklerodermie
• Arteriosklerose
• Multiple Sklerose
• Vergiftungen
• Nebenwirkungen von Medikamenten
• übermäßige Arbeit mit den Fingern oder mit vibrierendem Werkzeug

Symptome und mögliche Folgeschäden

Charakteristisch für das Syndrom ist eine akute, anfallsartig auftretende Mangeldurchblutung der Gefäße. Diese verengen sich (Vasospasmus), was dazu führt, dass sich Finger und/oder Zehen – bei stillenden Frauen unter Umständen auch die Brustwarzen – weiß verfärben und schmerzen. Auch die Ohrläppchen oder die Nase können betroffen sein. Anschließend werden die entsprechenden Stellen blau, kalt und starr. Wegen der später wieder eintretenden vermehrten Durchblutung werden die Gliedmaßen dann rot und kribbeln. Blau, weiß, rot sind die Farben der französischen Flagge, weshalb die Abfolge auch als „Tricolore-Phänomen“ bekannt ist. Das Raynaud-Syndrom ist meistens harmlos, kann jedoch bei schweren Formen und einer langen Erkrankungsdauer irreparable Schäden an den Blutgefäßen verursachen. Im ungünstigsten Fall kommt es zur Bildung von Geschwüren beziehungsweise einem Absterben von Gewebe (Nekrose) aufgrund der ständigen Mangeldurchblutung.

Vorbeugung und Therapie

Um auszuschließen, dass auftretende Symptome die ersten Anzeichen einer anderen Erkrankung sind, sollte eine ärztliche Untersuchung erfolgen. Bei der primären Form ist eine Therapie zumeist nicht notwendig; es existieren jedoch einige Maßnahmen zur Vorbeugung:

• Warmhalten der betroffenen Gliedmaßen
Stress bewältigen – durch autogenes Training, Yoga oder Ähnliches
• Durchblutung fördern – zum Beispiel durch Sport oder regelmäßige Saunabesuche
• Rauchen, das die Gefäße verengt, einstellen
• Arbeiten an vibrierenden Werkzeugen (zum Beispiel Presslufthammer, Sägen) vermeiden

Beim sekundären Raynaud-Syndrom steht die Behandlung der Grunderkrankung im Vordergrund. Durchblutungsfördernde Medikamente können die Beschwerden lindern: Diese wirken entweder über das zentrale Nervensystem oder werden auf die betroffenen Partien aufgetragen. Auch eine Infusionstherapie kommt infrage. Bei besonders stark ausgeprägten Symptomen in den Fingern kann eine Durchtrennung des Sympathikus-Nerven angezeigt sein. Dieser chirurgische Eingriff sorgt für monate- bis jahrelange Beschwerdefreiheit.

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1 Kommentar

  1. lea sagt:

    Toller Beitrag! Gerade erst über google gefunden.

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