Migräne besser verstehen: Ihre Apotheke klärt auf
✓ Pharmazeutisch geprüft - Lesezeit: 4 Minuten
Von Grit Ritter,
Pharnazieökonomin bei mycare.de
Aktualisiert: 25.09.2025
Migräne ist eine neurologische Störung, die sich durch hämmernde, einseitige Kopfschmerzen, Übelkeit und Lichtempfindlichkeit äußert. Sie unterscheidet sich deutlich von Spannungskopfschmerzen, wobei sich eine Attacke oft durch eine Aura mit Sehstörungen oder Kribbeln ankündigt. Auslöser können Stress, Hormonschwankungen oder bestimmte Lebensmittel sein. Zur Behandlung akuter Anfälle dienen Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Triptane und langfristig können eine ausgewogene Ernährung, regelmäßiger Schlaf und Sport wie Yoga zur Linderung beitragen, da die genauen Ursachen noch unerforscht sind.
Unterschied von Migräne und Spannungskopfschmerzen
Doch all diese Symptome sind nichts im Vergleich zu einer ausgewachsenen Migräneattacke, die sich mit diversen Aura-Symptomen ankündigen kann.
Ein Migräneanfall kann folgende Symptome aufweisen:
- hämmernde und einseitige Kopfschmerzen
- Erbrechen und Übelkeit
- Sehstörung
- Schlafstörung
- weitere neurologische Störungen
Eine echte Migräne kann mitunter so schlimm sein, dass der Betroffene die normalen alltäglichen Verrichtungen kaum wahrnehmen kann.

Entstehung von Migräne
Wie eine Migräne entsteht, ist noch nicht vollständig erforscht. Man geht davon aus, dass Betroffene wesentlich sensibler auf Reize reagieren als es gesunde Menschen tun. Aufgrund dieser Überlastung und Überreizung entwickeln sich wahrscheinlich Entzündungen der Hornhäute sowie des Hirngewebes. Dadurch werden Schmerzsignale gesendet, welche die Schmerzempfindlichkeit drastisch erhöhen.
Weiterhin kann die Neigung zum Migräne-Anfall von einer Generation auf die Nächste vererbt werden.
Zudem existieren weitere Migräne-Auslöser (Trigger):
- Hormonschwankungen bei Frauen
- Psychische Faktoren
- Stress
- Föhn bzw. Föhnwind (warmer, trockener Wind)
- Plötzliche Kälte
- Nikotin
- Alkohol (speziell Rotwein)
- Eventuell Schokolade
Meist zeigt sich ein Migräneanfall erst in einer Entspannungsperiode oder bei einer übergroßen Erwartungsfreude.
Dauer einer Attacke: Eine richtige Migräne kann verschieden stark, ebenso verschieden lang ausfallen. So reicht ein Anfall von etwa vier bis zu zermürbenden 72 Stunden.
Migräne mit Aura
Menschen mit Migräne-Attacken kennen die Vorsymptome. Solche Voranzeichen bezeichnet die Fachwelt als Aura, die sich wie folgt äußern kann:
- Taubheitsgefühle,
- Kribbeln,
- Sprach- sowie Gleichgewichtsstörungen.
Eine so genannte Migräne-Aura kann gemeinsam mit den üblichen Migräne-Kopfschmerzen in Erscheinung treten.
Damit sich eine Aura bilden kann, muss eine starke
Nervenreizung in der Großhirnrinde zustande kommen.
Eine entstehende Aura sorgt für ein übermäßiges Ungleichgewicht
in bestimmten Hirnregionen. Erregungs- und Hemmungswellen
wechseln sich unkontrolliert ab, wodurch es zu körperlichen
sowie neurologischen Missempfindungen kommen kann. Gleich im
Anschluss an den Auftakt folgt in vielen Fällen die
Migräne-Attacke.
Es gibt verschiedene Aura-Symptome. Die
häufigste Aura-Variante ist die mit visuellen Störungen.
Zackenkranz und Lichtblitze, die sich meist langsam von innen
nach außen bewegen, läuten oft den Beginn einer Migräne-Phase
ein. Währenddessen ist die Wahrnehmung der Patienten leicht bis
schwer getrübt, so dass es ihnen unter Umständen schwer fällt,
die Umgebung außerhalb der unnatürlichen Lichterscheinungen
richtig wahrzunehmen. Manche Betroffene beschreiben die
visuelle Störung mit dem Tauchen unter Wasser. Alles, was sie
sehen, kann verzerrt, verschwommen, zu groß oder zu klein
wirken. Weiterhin kann die Sehfähigkeit so weit eingeengt
werden, dass es zu Teilausfällen beim Sichten der Umgebung
kommt. Diese als dunkle Fläche in Erscheinung tretende Form der
Aura-Migräne nennt sich Skotome. Ein
Komplettausfall einer Hälfte des Blickfeldes kommt eher selten
vor. Betroffene sehen eine schwarze Wand entweder vor dem
rechten oder eben vor dem linken Auge. Diese Erscheinung kann
bis zu 30 Minuten andauern bevor sie verschwindet und ein
normales Sehen wieder möglich ist. Zudem kann eine auftretende
Aura das Sprachzentrum stören und zu Stottern
oder weiteren Sprachausfällen führen.
Weiteren Migräne-Formen
Die akute und die chronische Migräne bezeichnen die Dauer und Ausprägung des jeweiligen Krankheitsbildes und können bei allen Formen der Störung auftreten.
Neben der Migräne ohne Aura und der Migräne mit Aura gibt es noch weitere Arten dieser neurologischen Störung. Einige werden nachfolgend kurz aufgeführt.
Abdominelle Migräne: Die abdominelle Migräne zeigt außergewöhnliche Migräne-Symptome in Form von krampfhaften Bauchschmerzen und wird daher oft falsch interpretiert. Meistens sind Kinder von dieser Form der Migräne-Attacke betroffen. Diese Sonderform ist deshalb so tückisch, weil sie eher an eine Magen-Darm-Verstimmung erinnert als an Kopfschmerzen. Wiederkehrende Bauchschmerzen sollten deshalb immer sorgfältig vom Kinderarzt untersucht werden. Der Schmerz, der von dieser Form ausgeht, wird von Migräne-Patienten als mittel bis schwer eingestuft. Oft stehen neben dem Krampf weitere Symptome wie beispielsweise Blässe, Übelkeit, fehlendes Hungergefühl, Erbrechen und Lichtempfindlichkeit im Vordergrund. Solch ein Anfall kann von einer Stunde bis zu drei Tage bestehen bleiben.
Vestibuläre Migräne: Diese Form wird häufig mit Morbus Meniére, einer einseitigen Erkrankung des Innenohrs, verwechselt und bedarf aus diesem Grund einer Differentialdiagnose. Der Anfall äußert sich in blitzartig auftretenden Schwindel-Attacken. Diese werden meist von Übelkeit sowie Erbrechen begleitet. Ein solcher Migräne-Anfall dauert zirka eine halbe Stunde und mündet anschließend in einen halbseitigen Kopfschmerz.
Retinale Migräne: Diese wenig vorkommende, aber dennoch akute Migräneattacke geht mit schweren Symptomen einher, die vor allem die Augen der Patienten betreffen. Typische Symptome sind beispielsweise Gesichtsausfälle, Sehstörungen und migräneartige Schmerzen.
Behandlungsmöglichkeiten
Migräne-Betroffene sind meist extrem licht- und geruchsempfindlich und müssen während einer schweren Attacke oft Bettruhe halten. So unterschiedlich stark ein Migräneanfall ausfällt, so unterschiedlich sind auch die empfohlenen Hilfsmittel.
Bei einer leichten Attacke kann es genügen, einen abgedunkelten Raum aufzusuchen und sich dort hinzulegen. Je heftiger der Anfall ist, desto wichtiger ist die Einnahme von entweder rezeptfreien Medikamenten oder von rezeptpflichtiger Arznei, die von einem (Fach-) Arzt verschrieben werden muss.
Erste Hilfe bei einer anhaltenden Migräneattacke liefern rezeptfreie Medikamente mit den Wirkstoffen:
- Ibuprofen
- Acetylsalicylsäure
- Paracetamol
- Naratriptan, wie Naratriptan AL Akut,Naratriptan von ratiopharm
Da Unwohlsein und Erbrechen im direkten Zusammenhang mit einer Attacke steht, ist es ratsam, zusätzlich Mittel gegen Brechreiz bereitzuhalten.
Die sehr gut wirksamen Triptane zeigen in der Therapie bei einem akuten Migräneanfall mit Aura auch sehr gute Ergebnisse. Diese Mittel sind als Zäpfchen, Tabletten oder Kapseln erhältlich, sind aber im Gegensatz zu Paracetamol, Acetylsalicylsäure und Co. teilweise verschreibungspflichtig und dürfen dann nur von dem behandelnden Arzt verordnet werden. Seit einiger Zeit sind bestimmte Triptane (z.B. Naratriptan) in kleinen Tablettenpackungen ohne Rezept erhältlich, sollten aber nur bei ärztlich diagnostizierter Migräne angewendet werden.
Da manche Attacken sehr stark ausgeprägt sind, kommen Betroffene selten ganz ohne schmerz-, krampf- sowie übelkeitsdämmende Medizin aus. Es ist wichtig, dass die Medikamente wohl dosiert und dem Migräneanfall angepasst eingesetzt werden, da bei ständiger Einnahme der Medizin in mäßigen bis hohen Dosen mit Nebenwirkungen zu rechnen ist.
Grundsätzlich sollte eine sinnvolle und abgewogene Therapie mit dem behandelnden Arzt besprochen werden. Von Überdosierungen ist in jeder Hinsicht Abstand zu nehmen. Auch sollten Sie starke Migränemedikamente von Kindern und Haustieren fernhalten und stets sicher sowie separat aufbewahren.
Langfristige Maßnahmen zur Linderung
Neben der medikamentösen Behandlung können Psychotherapie sowie eine Prüfung auf etwaige Lebensmittelunverträglichkeiten einen beginnenden Anfall abfangen oder zumindest lindern.
Weitere hilfreiche Maßnahmen sind:
- Yoga.
- Genügend Flüssigkeitszufuhr.
- Eine ausgewogene Ernährung.
- Leichte sportliche Aktivitäten wie beispielsweise Jogging, Radfahren oder Schwimmen.
- Ein gleichbleibender Tag-Nacht-Rhythmus.
Bisher kann eine Therapie immer nur symptombezogen in Angriff genommen werden, da über die eigentliche Herkunft der Migräne bisher zu wenig bekannt ist. Somit ist eine krankheitsspezifische Therapie mit 100 Prozent Erfolgsaussichten wohl erst zukünftig realisierbar.
Dennoch können Naturmedizin, Akupunktur sowie Akupressur und diätetische Maßnahmen zu kleineren, aber auch größeren Erfolgen führen.
Weitere Forschungen sollen den wahren Grund für die Entstehung der Migräne-Kopfschmerzen endgültig entschlüsseln. Bis dahin müssen sich Betroffene allerdings noch etwas gedulden.
Häufig gestellte Fragen rund um Migräne
Allgemeiner Hinweis: In unseren Ratgebern verwenden wir für die bessere Lesbarkeit überwiegend das generische Maskulinum. Gemeint sind damit aber auch Angehörige des weiblichen Geschlechts und anderer Geschlechtsidentitäten.

Über unsere Autorin:
Grit Ritter | Pharmazeutische Kundenbetreuung
Seit über 20 Jahren bin ich im Pharmateam des Unternehmens verwurzelt. Grundlegend dafür ist die Leidenschaft für Gesundheitsthemen incl. Prävention. Regelmäßige Fortbildungen sind da essenziell. Neben Kundenberatung sind Betriebl. Gesundheitsmanagement, Haus- und Reiseapothekenchecks und pharmazeutisches Marketing Schwerpunkte meiner Tätigkeit bei mycare.de. Mehr über G. Ritter
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